Mannwerdungsblog

Archive for the ‘Madonna-Huren-Komplex’ Category


Na, schon mal kokettiert? Wahrscheinlich schon. Als unentschlossener Muttersohn möchte man nämlich gerne, dass man selbst nicht daran Schuld ist, dass es jemand anderem (insbesondere der Geliebten) schlecht geht. Da man das nicht aushält und unbedingt gefallen möchte, weil man sonst glaubt, kein guter Mensch zu sein, wendet man bei Bedarf sogar den perfiden Trick an, die Schuld aufs Gegenüber zu schieben.

Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Man gesteht seine Schuld verbal ein, verzieht aber sein Gesicht oder verwendet einen abwertenden Tonfall, um das gesagte zu entkräften
  • Man gesteht seine Schuld ein, gibt aber dem Gegenüber subtil eine Mitschuld („Du hättest ja auch das und das deutlicher sagen können“)
  • Man gesteht seine Schuld ein, aber weist darauf hin, wie schwer man es doch hatte (als Kind, an diesem Tag, in solchen Situationen etc)
  • Man deutet an, dass es erotische Optionen fürs Gegenüber gibt (zieht diese dann aber wieder zurück)
  • Man deutet an, dass es ernsthaftes Interesse gibt (lässt sich dann aber nicht wirklich darauf ein)
  • Kleine Wörtchen wie „halt“, „einfach“, „irgendwie“, „auch“ relativieren das Gesagte und lassen dem Gegenüber die Möglichkeit, die genaue Bedeutung zu erahnen. Der Sprecher muss sich nicht 100% festlegen, sondern überlässt dem Partner, was das nun wirklich zu bedeuten hat.

Das alles ist kokettieren. Dieses Verhalten hat folgende Gründe:

Wikipedia sagt dazu:

Koketterie (frz.: coquetterie) bezeichnet ein eitles oder „gefallsüchtiges“ Verhalten oder Wesen.[1] Der Ausdruck wurde vom Adjektiv kokett ‘gefallsüchtig’ abgeleitet, das jemanden „von eitel-selbstgefälligem Wesen“ beschreibt, der bestrebt ist „die Aufmerksamkeit anderer zu erregen und zu gefallen“.[2] Im Französischen coquet bedeutet es wörtlich auch ‘hahnenhaft, eitel wie ein Hahn’. Das Verb kokettieren bezeichnet, so der Duden, ein Aufmerksamkeit erzeugendes Verhalten, „um bei jemanden erotisches Interesse zu erregen“, um „mit etwas nur [zu] spielen; sich nicht wirklich auf etwas ein[zu]lassen“ oder um „auf etwas im Zusammenhang mit der eigenen Person hin[zu]weisen, um sich damit interessant zu machen“.[3]

Wie wird man das Verhalten nun los?

  1. Alles beginnt wie oft on diesen Dingen mit dem Selbstbeobachten: Erkennst du, dass du versuchst, den anderen auf deine Seite zu ziehen und zu entschuldigen, dass du Mist gebaut hast?
  2. Werde dir darüber klar, wie du dir selbst damit schadest
  3. Lass es beim nächsten mal sein
  4. Wenn das noch nicht funktioniert und du dich selbst oder der andere beim Kokettieren ertappst: Gehe zurück zu Schritt 2.
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Ein echtes Dreiecksdrama, das hoch gelobt wird, aber leider wohl nicht auf DVD erhältlich ist: „Die zweite Frau“.

Spiegel Online schreibt dazu:

Ein schmerzhaft genaues Dreiecksdrama hat Hans Sebastian Steinbichler mit „Die zweite Frau“ in Szene gesetzt. Seine große Leistung: So brutal hier der ödipale Klammergriff gelöst wird, so nuanciert und bildgenau zeichnet der Regisseur die psychosozialen Verschiebungen nach.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/tv-drama-die-zweite-frau-oedipus-auf-shopping-tour-a-591903.html

http://www.moviepilot.de/movies/die-zweite-frau

via http://www.frauen-wollen-erwachsene-maenner.de/die-zweite-frau-toller-film-uber-einen-muttersohn-und-seinen-befreiungsweg-auf-arte

 


DrNerdLove schreibt einige kluge Dinge zum Thema, das Muttersöhne, Pickup-Casanovas und auch viele Andere nicht selten becshäftigt: Wie man bei Frauen nach all den erfolglosen Jahren endlich einmal Sex mit denjenigen Frauen hat, die wirklich heiß sind, also wirklich.

Und auch darüber, wie man Erfolge in dieser Kategorie sehr persönlich nimmt und damit seiner Persönlichkeit schadet.

Getting sex becomes a barometer of who you are as a person: if you lose your virginity then you can point and say “see? SEE? I’m not a loser!”

An dieser Stelle (nicht nur hier, aber leider ausgerechnet auch hier) beginnen Menschen immer wieder, sich einen Selbstwert zuzuschreiben, den sie sonst nicht hätten. Mit fatalen folgen für sich selbst und die Anderen:

Of course, when you start looking at sex as a source of validation, you’re putting yourself on a slippery slope. The idea of “this many women let me have sex with them, therefore I have worth” is incredibly damaging to one’s psyche.

To start with, sex quits being a matter of intimacy or a way of connecting with your fellow human beings. Instead, it becomes all about you and the fact that there’s someone else involved is ultimately irrelevant. You’re no longer concerned with your partner as a person; you’re concerned with what they represent. She’s not a person so much as a collection of social point values that represents your self-worth. This is an incredibly self-destructive path because when you’re seeking external validation, you inevitably are going to hit the wall.

 

The problem is that, after a while, sex-as-validation becomes like any other drug: it never works as well as it did the first time. The more you seek that external source of esteem, the less it helps and the harder you have to work to get the same “high” as you did before. You’ll try to up the intensity – either chasing after sheer numbers or increasingly unattainable women in hopes that you can find the same level of reward that you used to get. Either way, you will burn out. Even if you’re banging a new stranger every night, those dark tendrils of self-doubt and hate will start slipping in and you’ll find that all your old ways of shutting them out – sex – just don’t work anymore. Then it’s just you and your inner demons… and you have no way of dealing with them any more.

 

Interessant ist hier der Hinweis auf die Fehlkonzeption der platten evolutionär orientierten Psychologie:

Besides, it’s basic evolutionary psychology: men can father many children at once, therefore they’re supposed to be fucking far and wide while women are supposed to pick only one mate at a time in order to better maximize picking superior genes.

 

Of course, this bullshit belief requires profound misunderstanding of both evolution and psychology.

In fact – evolutionarily speaking – having multiple partners works out to a woman’s advantage; many male primates will kill a female’s children in order to ensure that his are the only ones that get raised to adulthood. By having more than one sexual partner, a female helps ensure that not only will the males not try to murder her offspring – for fear of accidentally killing their own kids by mistake – but it provides incentive for more males to help provide for them; after all, they can’t be sure that they’re not taking care of their own kids.

 

Das Problem ist vielmehr kulturell entstanden und die Umkehrung in einen anderen Frame entblößt die kulturelle Wahrnehmung von der „zu schützenden heiligen weiblichen Sexualität“.

The idea that men are supposed to have lots of sex and women aren’t is a cultural hang-up based around – ultimately – a fear of female sexuality and validation of male ego. After all, if a guy is supposed to be celebrated for getting a girl into bed, it takes away from his specialness when it turns out to be less of a case of a master of seduction “getting her to give it up” and more of her thinking “Well, I’m horny, you’re not unattractive and there’s really nothing good on TV tonight…”

Das heißt, eigentlich werden Männer gesellschaftlich dafür beneidet, wenn sie Frauen „knacken“ können, die angeblich ihre Jungfräulichkeit und sexuelle Unzugänglichkeit schützen müssten. Dreht man den Blickwinkel und geht nicht mehr davon aus, dass er sie „erweichen“ müsste, wird der Verführer zu einem jämmerlichen Dienstleister, der besser als ein langweiliger TV-Abend ist.

Am Ende hängt alles vom Aufbau eines Selbstbildes ab, das keinen Selbstwert mit irgendetwas verknüpft, schon gar nicht mit der Zahl flachgelegter Frauen:

I had to build a new emotional support system that didn’t depend on how many women I slept with on a monthly basis. It took time. And it sucked. But afterwards… my life made a turn for the better. I was still finding new partners, but it had slowed down significantly… and I didn’t mind. In fact, while the quantity may have dropped, the quality increased dramatically. The women I was meeting now were smart, awesome and dynamic – most of whom I’m still friends with today.

via http://www.doctornerdlove.com/2012/05/numbers-game/


Ich habe eine Mail eines Lesers erhalten, in der er einige Fragen stellt, die möglicherweise auch für andere Leser interessant sind. Ich hoffe, es ist für den Autor der Mail akzeptabel, dass ich die Antwort dazu hier öffentlich gebe und anonym seine Mail zitiere:

Kritik: Dein/euer link zu folgender Webseite macht mir Probleme. http://www.casanova-komplex.de/

Warum? Weil Trachtenberg die Sache an sich wohl ganz gut erkannt hat, aber den Casanova als tragische Persönlichkeit abstempelt, der zwangsläufig vor die Hunde gehen muss, Heilung ausschließt.

Mann sein kann ja nicht bedeuten, das es nur entweder oder gibt. Entweder Mann liebt der liebe wegen, Mann liebt die liebe, Mann liebt alle Frauen, die sich nach liebe sehnen, oder Mann begibt sich entweder unwissend oder freiwillig in das Gefängnis der Monogamie, und bedient so letztendlich am Ende dann doch den weiblichen Alleinherrschaftsanspruch über den Penis des Mannes, aber vor allem seiner Kraft für alles mögliche. Du darfst nur Mutti lieben, und sonst keine. Das ist doch Bullshit, da beisst sich doch die Katze zwar auf sehr geschickte Art und Weise aber am Ende dann doch wieder in den eigenen Schwanz, im wahrsten Sinn des Wortes 😉
Denn auch das Thema ist ja hier die grosse Frage. Ist es eine Krankheit, ist es eine Sucht, überall diese ganzen wunderbaren, wundervollen, wunderschönen Frauen und Mädchen zu sehen, die sich ohne ihr ganzes „ich hab es doch gar nicht nötig“ Getue in Wirklichkeit unendlich nach Liebe verzehren, und darum als Ersatzhandlung eine Kompensation nach der anderen hinterher hecheln.
Diamanten, geile Klamotten, Karriere, Liebesromane, Liebesfilme und romantische Musik bis zum abwinken als Ersatz dafür, dass Papi ein Versager war, es nie genug Liebe gibt, nicht im ganzen Universum, um den unendlichen Hunger der Frau danach zu stillen, sie endlich satt zu machen, damit sie ihre verfluchte Unsicherheit endlich fahren lassen kann und auch deshalb kein Schwanz auf der Welt auf Dauer lang genug sein kann.
Und das dann wieder über den daraus resultierenden männlichen Konkurrenzkampf auch für das ganze derzeit laufende Drama auf unserem Planeten verantwortlich ist, angefangen bei Kriegen bis hin zu Umweltzerstörung und damit der totalen Verwüstung unseres ganzen Planeten.
Casanova ist daher auch der Dissident, der Rebell, der, der da nicht mitspielt. Er ist eigentlich der, dem Ehre gebührt, denn er ist es der uns vorführt, was möglich wäre, wenn man der Liebe ihren freien Wunsch nach Entfaltung lässt.
Make love, not war, und damit ist auch die körperliche Liebe gemeint, die die den Körper verwöhnt, all die Streicheleinheiten endlich gewährt, die einem in der Kindheit versagt wurden, all die Küsse gibt, die man nie bekommen hat, all die Bestätigung gibt, die man immer verwehrt bekommen hat.
Grundsätzlich kann ich dazu sagen, dass nicht jeder Link und jeder Text, der hier steht, mein vollkommenes Einverständnis hat. Alle Zitate und Verweise, die sich hier finden, haben mir einen Denkanstoß gegeben und sind meines Erachtens hilfreich, die Themen dieses Blogs bewältigen zu helfen.
Ich nehme an, du beziehst dich auf diesen Artikel. Es stimmt, der Text bei Trachtenberg scheint keine Perspektive offen zu lassen. Aber ich denke inzwischen: Casanova ist kein Mann, der die Frauen liebt, sondern der ein gewaltiges Selbstwertproblem hat. Darum ist er kein gutes Beispiel für frei entfaltete Liebe. Sicherlich muss die monogame gesellschaftliche Norm zur (insbesondere körperlichen) Liebe nicht die einzige Möglichkeit sein und jemand, der im Gegenteil echte freie Liebe zeigt, wäre ein interessantes Exempel.
Ich meine: Um überhaupt echte freie Liebe praktizieren zu können, müssen Männer (und auch Frauen) sehr reif und rücksichtsvoll sein, sonst ist das eine in eine schöne Utopie gekleidete Verarschung. Dein letzter Absatz bringt das Problem auf den Punkt: Irgendwann muss ein Mann erwachsen werden. Das ist die Mannwerdung. Und dann muss er Verantwortung übernehmen, für sich und auch für andere, und kann nicht beliebig die damals verwehrten Streicheleinheiten bei Frauen einsammeln. Das ist egoistisch und hat nichts mit Liebe zu tun. Wenn er es jedoch schafft, echte Liebe und Nähe überhaupt zuzulassen (und das tut er mit sehr hoher Sicherheit nicht, wenn er oberflächlich und unehrlich von der einen „Geliebten“ zur nächsten streift), dann bekommt er auch echte Streicheleinheiten und keine, die Schuld- oder Schamreflexe in ihm auslösen. Oder in seinen Partnerinnen.
Was mir übrigens an deiner Perspektive nicht gefällt, ist die Unterstellung, dass sich all die „wunderbaren, wundervollen, wunderschönen“ Mädchen ja nach Liebe sehnen würden – als würde Casanova das tief in seinem Innern nicht auch tun, und als könnte er sie mit etwas Sex („Körper-Verwöhnen“) davon erlösen. Aber gibt er ihnen wirkliche und ehrliche Liebe und nicht nur einen Rausch, der ein vertrauensvolles Liebesverhältnis suggeriert? Das ist es ja: Er kompensiert seine Bedüftigkeit und seine Angst vor Wertlosigkeit ja selbst mit der Ersatzhandlung des ständigen Verführens. Er hat also genau das gleiche Problem wie seine „Targets“ und da beißt sich auch diese Sicht der Dinge in den Schwanz.
Darum muss der Casanova erst sterben und es gibt für ihn im übertragenen Sinne wirklich keine Heilung ohne ihn grundsätzlich vor die Hunde gehen zu lassen, so wie das bei Trachtenberg etwas drastisch gesagt wird. Erst ein Mann, der seinen Wert nicht an seinem Erfolg bei Frauen misst, kann wirklich bedinungslos lieben und auch die Streicheinheiten geben. Dann möglicherweise auch in einem One Night Stand. Aber dann wird er sich nicht als Casanova oder Womanizer sehen und reihenweise einem Schema verfallen. Sondern er hat auch kein Problem damit, monogam zu leben oder anders. Er ist flexibel und kann sich an die Lebenssituation und seine Partnerin (oder, um bei den Alternativen zur gesellschaftlichen Norm zu bleiben, PartnerInnen) anpassen. Oder genauso auch ganz ohne Flirt, Sex, Verführung sein.
Aber, ich denke in jedem Fall: Heilung ist möglich (Psychotherapie hilft!). Ich möchte dir nochmal ausdrücklich für deine Mail danken und freue mich über Kommentare.

Unlängst bin ich auf das Thema Commitment (eine gute deutsche Übersetzung für den Begriff kenne ich nicht) und auf diesen Text von Covey gestoßen:

Making commitments, keeping commitments, and repeating this cycle will increase trust and do it quickly. You need to do what you say you are going to do. However, this can also be a dangerous behavior if you over-compromise and do not deliver.

If you do this repeatedly, you may not have a second or third chance to regain the trust of your customers, prospects, colleagues, family members, or friends. And, you will lose all credibility and this can attract a lot of attention. Now, do not let this scare you… You can not be afraid to make commitments as this is not the nature of our crazy world today. Commitments are part of everyday life and business. Making commitments builds hope; keeping commitments builds trust.

[…]

When he makes a commitment, you can count on that and he will deliver. He is signaling his behavior and when he delivers on his commitments, the relationship develops and grows quickly. So, if you say you are going to do something, then DO IT! Keeping commitments is a great behavior to build trust and build it fast. Remember, this is not just about business… You can do this with your family members, friends, co-workers, networking groups, prospects, and customers. Making and keeping commitments is THE fastest way to build trust and when you do this over time, you will build a reputation of „wow… he/she does what he/she said she was going to do“ and guess what?

Ebenso mit diesem Text konnte ich etwas anfangen, denn er zeigt den Zusammenhang von Commitment und Verantwortungs-Fähigkeit (und damit auch der emotionalen Unabhängigkeit):

Remember: response-ability is the ability to choose our response to any circumstance or condition. When we are response-able, our commitment becomes more powerful than our moods or circumstances, and we keep the promises and resolutions we make. For example, if we put mind over mattress and arise early in the morning, we will earn our first victory of the day the daily private victory and gain a certain sense of self-mastery. We can then move on to more public victories. And as we deal well with each new challenge, we unleash within ourselves a fresh capacity to soar to new heights.

Männer mit emotional gestörtem Hintergrund (natürlich auch Frauen!) sind besonders anfällig dafür, sich bei Beziehungen, Verabredungen, Arbeitsverhältnissen, Planungen usw. immer ein Hintertürchen offenzuhalten. Das schadet aber mehr, als es kurzfristig hilft gegen die Angst vor dem Erdrücktwerden und den Freiheitsverlust bei der Entscheidung.

Was die Texte in meinen Augen zeigen, ist folgendes:

  1. Ein Commitment steht für eine Planung und sorgt damit für eine Richtung. Diese können wir jeweils frei wählen.
  2. Das Einhalten von Commitments führt dazu, dass wir unseren Einfluss auf die Welt selbst wahrnehmen und positiv bewerten können. Das ist eine Grundlage, sein Leben positiv zu verändern.
  3. Verbindliche Zusagen oder neudeutsch „Commitments“ schaffen Vertrauen und sind die Grundlage, um im wahrsten Sinne des Wortes „ver-antwort-lich“ zu sein: Es kommt etwas zurück auf das, was ich gesagt habe, ich halte mein Wort ein und bringe eine Tat zurück.

Auf Goethe soll dieses Zitat zurückgehen – die deutsche Variante habe ich nicht gefunden:

“At the moment of commitment the entire universe conspires to assist you.”


Covey schreibt hierzu:

Wenn es uns an Sicherheit und Selbstachtung fehlt, geraten wir in emotionale Abhängigkeit.

Hierin ist eine wichtige Erkenntnis enthalten: Ich muss mich selbst achten, um unabhängig zu sein. Doch warum bin ich davon so abhängig, dass andere mich mögen?

Nach Narzissmus.net entsteht emotionale Abhängigkeit in Beziehungen im ersten Schritt durch die Verwechslung von Verantwortung und Schuld, dabei hat auch der „Stärkere“ des Konflikts ein Selbstwert-Problem:

Der Narzisst verwechselt oft Verantwortung und Schuld: Die Konzepte dieser beiden Begriffe sind so ähnlich, dass er die Unterscheidungen nur verschwommen erkennt.

Er attributiert verantwortungsvollen Positionen mit “Schuld”. Deswegen tendiert der Narzisst dazu, das Leben mit einem Gerichtssaal zu verwechseln. Eigentlich empfindet er den Gerichtssaal selber als Bestrafung und wenn das Leben ein Gerichtssaal ist und dieser wiederum Schuld und Strafe bedeutet, dann ist das ganze Leben eine Frage nach ewiger Bestrafung. Und deshalb hat er den Drang, auf der Hut zu sein: ein Fehler und er ist schuldig.

Versagen zum Beispiel, indiziert beim Narzissten “Schuld”.

Und der Narzisst bezeichnet gerne die Anstrengungen des anderen als Versagen oder Schuld ( die von ihm gerne mit Verantwortung verwechselt wird.)

Deswegen schiebt der Narzisst gerne die Verantwortung zum Gegenüber, so dass er selber nicht bestraft werden kann.

Dadurch maximiert sich natürlich das Potential des anderen zu versagen oder schuldig zu sein, erheblich.

Diese Logik verläuft in zwei Stufen:

Erst wird alle zusätzliche Verantwortung an den Partner abgegeben, denn Verantwortung ist aus der Sicht des Narzissten dazu bestimmt, Versagen herbeizuführen und dies bedeutet: Schuld.

Die ganze Verantwortung und Schuld wiederum, das ganze Versagen verursacht beim Opfer Schuldgefühle und Minderwertigkeitsgefühle und führt zu der “unterbewussten Bereitschaft zur Selbstbestrafung”.

Zweitens: Immer mehr Verantwortlichkeiten werden auf den Partner abgewälzt so dass mit der Zeit eine totale Asymmetrie bezüglich der Verantwortung und Schuld entsteht.

Mit immer weniger Pflichten und Verantwortlichkeiten belastet, kann der Narzisst weniger versagen und schuldig sein.

Es bewahrt den Narzissten davor, seine eigene fehlerlose Grossartigkeit in Frage zu stellen und legalisiert gleichzeitig die sadistischen Handungen, um den schuldigen Partner zu bestrafen.

Grundlage, um in einer Partnerschaft hier herauszukommen, sind u.a. folgende Erkenntnisse:

Der 2. Schritt: Du bist nicht verantwortlich für ihre Gefühle, schon gar nicht schuld daran, wie sie sich fühlt. Du kannst durch deine Worte oder Handlungen Auslöser für bestimmte Gefühle sein oder ihr bestimmte „Knöpfe drücken“, aber mit derselben Sache kannst du bei zwei Menschen ganz verschiedene Gefühle auslösen. Jeder ist für seine eigenen Gefühle selbst verantwortlich, auch wenn wir gerne in Projektionen leben. Mach dir das deutlich.

Der 3. Schritt: Du kannst deine Partnerin nicht retten Sie muss ihre Lebensthemen selbst lösen und ihr Leben selbst meistern. Du bist definitiv nicht derjenige, der ihr helfen kann ihr Leben besser in den Griff zu bekommen, alte Verletzungen zu heilen oder insgesamt glücklicher zu werden. In der ersten Verliebtheitsphase werden solche romantischen Dinge versprochen wie: „Ich mache dich glücklich.“ Oder „Mit mir wirst du erleben, dass du dich auf einen Mann verlassen kannst“ oder anderes. Lass es einfach sein. Zeig ihr deine Gefühle, aber versprich nicht schon wieder wie damals bei Mama Dinge, die deine Macht übersteigen und die sich gegen dich wenden werden. Ihre Freundinnen oder ihre Therapeutin ist da mit Sicherheit die bessere Adresse als du es bist.

Durch diese Punkte lullt man sich als Betroffener selbst ein und vergisst den Kontakt zu sich selbst und möchte nur noch die Beziehung kitten. Als ewiger Ja-Sager verliert man weiter Kontur.

Wege aus dem Dilemma

In den 4 Quellen innerer Stärke geht es darum, ein Gewissen zu entwickeln, das auf Prinzipien beruht. Und so Orientierung bzw Richtung für unser Leben zu aufzubauen. Die Skala der Orientierung hat 3 Stufen:

  • Emotionale Abhängigkeit und Suchverhalten; das Leben ist auf Eigennutz und Vergnügen ausgerichtet
  • Ausbildung eines sozialen Gewissens und Konzentration auf Beziehungen
  • Ein Gewissen, das in Übereinstimmung mit den richtigen Prinzipien steht

Fragen, die zu einer Lösung führen können, sind dann folgende:

  • Handle und entscheide ich gerade aufgrund von Gefühlen und Umständen, die aus meiner Umgebung kommen?
  • Reagiere ich nur? Was kann ich selbst tun, um die Situation zu verändern?
  • Wie würde ich mich in einer Beziehung verhalten, die mir gut tut? Womit würde ich mich in einer solchen Situation beschäftigen? Wie würde ich dann handeln? Wie von mir und wie von meiner Partnerin denken?

 


Ein Leser hat mich auf ein Buch hingewiesen, in dem Nägelkauen behandelt wird. Es handelt sich um das Buch „Der Psychocoach 2 – Heilen ohne Medikamente“ von Andreas Winter. Auch wenn ich von seinem jovialen Schreibstil nicht begeistert bin und ich den Eindruck habe, Winter will sich an vielen Stellen einfach gerne selbst auf die Schulter klopfen, weil er „mal eben im Treppenhaus“ bei Bekannten etwas analysieren könne: Das (sehr kurze) Kapitel gibt einiges wieder, in dem ich mich selbst finden kann und das ich im Kern für zutreffend halte.

Winter skizziert das Kauen als Strategie, sich als „unbewaffnet“ zu zeigen und keinen Grund zur Kritik zu geben, die am Ende in Harmoniesucht mündet. Spürt der Kauende, dass eine „bewertende Fremderwartung“ an ihn gerichtet werden könnte, fühlt sich der „Nägelkauer“ seelisch unter Druck. Winter bringt noch einige Beispiele und erklärt den Zusammenhang recht anschaulich.

Der These kann ich vorbehaltslos beipflichten, die Situationen spielen sich immer in diesem Schema ab.

Die Lösungsvorschläge kommen leider zu kurz: Der Beispiel-Kauer will mit der Unterdrückung seiner Aggressionen zeigen, dass er kultiviert, makellos und unangreifbar sei, damit er in der Drucksituation perfekt funktioniert und keine Provokation erzeugt.

Auch dem kann ich noch zustimmen, für mich ist das in entsprechenden Situationen sehr ähnlich.

Ob es allerdings wie beim Beispiel-Kauer als Lösung reicht, sich die Nägel zu feilen, um zu zeigen, dass man kultiviert ist und nicht ein Provokateur, bezweifle ich. Und auch, dass damit die Bedürfnisse im Moment des Kauens erfüllt wären – oder die meist völlig irrationale projizierte Angst bewältigt.

Hier frage ich nach einer besseren Strategie, um die Drucksituationen zu bewältigen ohne zu kauen. Die Lust am Kauen und die Beruhigung dadurch ist sehr groß. Trotz aller Bewusstwerdung ist in der Situation die Beruhigung und das Abreagieren ein wichtiger Faktor. Aufstehen und mit Händen in der Hosentasche einen Spaziergang machen geht dann nicht immer.

Habt Ihr Strategien oder fällt Euch etwas ein, wie diese Drucksituation bewältigt werden kann und das innere Kind beruhigt wird, ohne kauen zu müssen? Schreibt dazu gerne einen Kommentar! Vielleicht können wir so gemeinsam noch bessere Lösungen finden.


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