Mannwerdungsblog

Archive for the ‘Familienkonstellation’ Category


Aktuell im Spiegel, wenn auch mehr zum Thema „Vernachlässigung“ durch „Rabenväter“: Offenbar kommt nun langsam auch mal in der Breiten Masse an, dass die Vater-Sohn-Beziehung dem Kind schadet.

Folgen für den Sohn (interessanterweise nicht für Töchter) sind:

  • Aggressives Verhalten
  • Schlechterer Zugang zur geschlechtlichen Identität
  • Weniger Eigenständigkeit

Dabei ist wohl vor allem auffällig, dass hauptsächlich die Länge der Arbeitszeit ausschlaggebend war, ob Söhne verhaltensauffällig wurden.

Als Ursachen werden folgende Punkte erwogen:

  • typische Vater-Sohn-Spiele fehlen, in denen das Kind seine Energie herauslassen und Aggressionen abbaut
  • Väter spielen in ihren wenigen Momenten mit den Söhnen vor allem solche stereotypen Spiele. These: Dadurch werde generell aggressives Verhalten bei Kindern verstärkt.
  • Männer mit vereinnahmenden Jobs tendierten außerdem zu strenger Erziehung, was ebenfalls Verhaltensprobleme beim Kind fördern könnte
  • Hochaktive Söhne sind für Mütter eine große Herausforderung, erst recht wenn der Vater kaum anwesend ist. Das führe zu Spannungen zwischen Mutter und Kind und folglich zu Auffälligkeiten beim Sohn.

Gerade der letzte Punkt erscheint mir einleuchtend. Meine These ist, dass es sich nicht unbedingt um Spannungen handeln muss. Ich könnte mir auch vorstellen, dass nur die Söhne, die Konflikte mit der Mutter haben, aggressiv und verhaltensauffällig werden. Söhne, die eine enge Bindung zur Mutter eingehen und eine Distanz zum strengen Vater entwickeln, werden zwar nicht aggressiv, aber möglicherweise zu wenig eigenständigen und potentiell depressiven Muttersöhnen. Das ist sozial offenbar mehr erwünscht als die Aggression, daher wird diese Folge nicht gravierend genug für eine großangelegte Studie gesehen.

Offenbar soll die Studie weitergeführt werden, möglicherweise werden die Ergebnisse einen Zusammenhang zur Muttersohn-Problematik aufzeigen.

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Das wichtigste, was Mann/man in einer Beziehung lernen kann, ist, mit Konflikten umzugehen. Letztlich geht es bei Beziehungskonflikten darum, ob man den Anderen und seine Sichtweise wirklich akzeptieren kann. Das heißt nicht, dass man sich angleichen müsste und seine Interessen unter den Teppich kehrt. Es heißt nur, dass man an der Innensicht des Anderen wirklich interessiert ist. Thomas Kahl hat dazu einen guten weiteren Artikel bei Pagewizz geschrieben:

Im Folgenden betrachte ich zwei Möglichkeiten des Umgangs mit uns selbst:
Erstens, die Möglichkeit, an den eigenen Eigenarten so zu arbeiten, dass sie weniger dem Wachstum unserer Liebe entgegenstehen.
Zweitens, die Möglichkeit, mit denjenigen Eigenarten, die sich trotz all’ unserer Bemühungen nicht hinreichend in gewünschter Weise verändern lassen, einen Umgang zu finden, der uns und unseren Partner in unserer Liebe zueinander festigen und stärken kann. Um welche Eigenarten geht es hier? Und, was lässt sich jeweils tun im Sinne der ersten und der zweiten Möglichkeit?

Was in uns selbst kann uns daran hindern, einen Partner zu lieben? Natürlich das, was uns an ihm nicht gefällt. Was kann das in erster Linie sein? Zunächst, alles das, was uns an uns selbst nicht gefällt. Denn das, was uns an uns nicht gefällt, was wir an uns selbst nicht akzeptieren können – wie sollten wir das bei unserem Partner mögen, wenn es bei ihm entdecken?

Die wichtigsten Schritte auf dem Weg hin zur Erlangung der Macht über mich selbst möchte ich kurz nennen:

1. Das Erlernen der bewussten Wahrnehmung eigener positiver und negativer Gedanken, Gefühle und Handlungen,
2. das Erkennen von deren Folgen sowie
3. die Veränderung der eigenen Gedanken-, Gefühls- und Verhaltensmuster in der Weise, dass die tatsächlich eintretenden Folgen immer vollkommener meinen eigenen Zielen, Absichten und Intentionen entsprechen.

Dabei kann uns unser Partner helfen, denn mein Partner ist wie mein Spiegelbild. Dazu möchte ich nun verdeutlichen, was sich aus dem zum Umgang mit den eigenen Eigenarten Gesagten für das partnerschaftliche Miteinander-Umgehen ergibt: In meinem Partner, an seinem Ausdruck, seinem Verhalten und an seinen Reaktionen kann ich erkennen, wie ich selbst bin, was ich ausstrahle und wie ich mich verhalte: Werde ich z.B. innerlich ruhiger und geduldiger, so gebe ich meinem Partner – ebenso wie dem, was ich im Spiegel an der Wand sehe – Anlass, dies auch zu werden. Werde ich lauter und heftiger, so kann auch mein Partner in diesen Zustand geraten, wenn er nicht aufpasst. Daraus folgt, dass ich ständig darauf achten sollte, dass ich mich innerlich wohl fühle.

Soweit ich hierauf achte, werde ich mich auch im Zusammensein mit meinem Partner wohl fühlen – und er sich mit mir. Mein Partner macht mir – wie der Spiegel an der Wand – deutlich, wo noch etwas an mir zu vervollkommnen ist. Er kann mir helfen, diese Unvollkommenheiten zu erkennen und zu überwinden – dort, wo ich dies für mich bzw. für unsere Partnerschaft für wünschenswert erachte.

Dieses Bewusstsein ermöglicht es, dasjenige Rechtsbewusstsein zu überwinden, das auf der Selbstschutztendenz beruht, sich selbst im Recht und den Partner im Unrecht zu sehen. Jeder Spiegel hat – wie jeder Partner, der mir liebevoll gegenüber ist – in dem, was er mir über mich zeigt und sagt, stets objektiv weitgehend Recht! Es mag sein, dass mein Partner – wie der Spiegel – mir dies in einer Form mitteilt, die ich nicht sogleich verstehen oder akzeptieren kann. Aber, dass er inhaltlich irgendwie recht hat, das sollte ich nicht bezweifeln.

Dass bzw. inwiefern er inhaltlich recht hat, das zeigt mir mein Gefühl: Wenn ich Betroffenheit spüre, also entweder Gefühle der Ohnmacht, Hilflosigkeit oder Traurigkeit, was sich in eigener Rückzugstendenz zeigen kann, oder Gefühle des Schmerzes, des Ärgers oder der Wut, was sich als Aggressionstendenz zeigen kann, so sollte ich bewusst innehalten und mich fragen, inwiefern mein Partner – wie ein Spiegel – recht hat.

Betrachten wir hierzu zunächst einmal die Basis unserer Liebe:

Kommt es uns vor allem darauf an, einen Partner zu haben, dem wir unsere Liebe geben können, der uns also gut gefällt und der uns so annimmt, wie wir sind, d. h., der mit positiver Resonanz auf unsere Eigenarten und unser Handeln reagiert? Dann achten wir vor allem auf unser Tun und Sein für ihn und auf das, was daraufhin von ihm zu uns zurück kommt. Hier befinden wir uns eher in der aktiveren, initiierenden Rolle ihm gegenüber.

Oder: Kommt es uns vor allem darauf an, einen Partner zu haben, dem wir gut gefallen und der uns auf unserem Weg begleitet und unterstützt, d.h. der uns seine Liebe gibt und von dem wir dies gut annehmen können, weil er uns aufgrund seiner Eigenarten gefällt? Dann achten wir vor allem auf das, was wir von ihm bekommen und was wir von ihm annehmen können. Hier befinden wir uns eher in der passiveren, erwartenden Rolle ihm gegenüber.

Diese Unterscheidung, die auf den ersten Blick wie ein ideales gegenseitiges Ergänzungsmuster erscheint, kann uns anregen, zu klären, zu welchem der beiden Rollen-Pole wir tendieren und aufgrund welcher Ursachen. Tendieren wir dazu aufgrund von Gewohnheit oder aufgrund erfahrener Mängel? 

Eine Partnerschaft wird auf Dauer nur dann befriedigend verlaufen, wenn wir nicht einseitig auf die eine oder die andere Rolle innerlich fixiert sind und bleiben, sondern bereit und fähig sind (oder werden), beide Rollen abwechselnd und etwa gleichgewichtig einzunehmen. Denn nur dann kommt es zwischen uns zu einem gerechten Austausch zwischen Geben und Nehmen, Aktivität und Passivität. Deshalb ist es wichtig, unsere innere Fixierung aufzulösen, indem wir uns gegenseitig dabei unterstützen, unsere Rollenposition zueinander flexibel zu verändern.

Entsprechend dem Prinzip der Dualität bzw. Polarität lassen sich zwei verschiedene Formen des Miteinandersunterscheiden:

Beide Partner sind dabei hinsichtlich ihres geistigen und kommunikativen Potenzials und Könnens einander ebenbürtig. Beide Partner verfolgen praktisch die gleichen Ziele, wobei sie unterschiedliche Sicht- und Sprechweisen sowie Methoden verwenden. Sie können sich über alle Fragen und Sachprobleme offen und ehrlich, vorbehaltlos und radikal miteinander auseinander setzen, wobei sie sich gegenseitig hervorragend befruchten können. Die wertvolle Ergänzung, die sie aufgrund ihrer Unterschiedlichkeiten für einander darstellen und ihre Liebe zu einander ermöglichen es ihnen, stets alle Schwierigkeiten zu bewältigen, die beim inhaltlichen und formalen Umgang mit Einzelaufgaben und -themen auftauchen. Somit gelangen sie im Laufe ihres Zusammenseins immer mehr zur Überwindung der zwischen ihnen bestehenden Polaritäten, wobei jeder von ihnen zunehmend die ihm zueigene individuelle Identität entwickelt und festigt, bis sie zusammen eine Einheit bilden und jeder von beiden in sich selbst Denken, Gefühl und Körper in optimaler Weise integriert hat.

Zur Veranschaulichung der zweiten Form, der komplementären (Yin-) Form des Miteinanders lässt sich das Tandem-Fahrrad verwenden: Beide Partner unterscheiden sich in ihrem geistigen, gefühlsmäßigen und körperlichen Potenzial und Können auf einzelnen Gebieten, sind einander jedoch – wenn man die Gebiete zusammen nimmt – einander ebenbürtig und gleich-wertig. Deshalb übernehmen sie – je nach Gebiet und Wegstrecke – abwechselnd die Position des Fahrradlenkers und des Mitfahrers. Jeder weiß, dass er sich dem anderen, wenn und wo dieser vorne sitzt, nahezu blind anvertrauen kann. Jeder ist gerne bereit, zeitweise seine Befindlichkeit in die Hand des anderen zu legen, in dem Bewusstsein, dass sie dort bestens aufgehoben ist und gepflegt wird. Mit der Befindlichkeit sind insbesondere die Gefühle gemeint: Die eigenen Schwächen und Empfindlichkeiten, die eigenen Befürchtungen und Ängste, die eigene Verwundbarkeit und Sorge, die eigene Hilflosigkeit und Ohnmacht.

Dieser Vortrag ist komplett auch als Hörbuch zum Download für 5€ erhältlich: http://www.seelische-staerke.de/paarbeziehungen/index.html
Direktlink hier: http://www.seelische-staerke.de/paarbeziehungen/r1v2.html

(PS: Ich stehe in keinerlei Beziehung zum Autor – ich verlinke hier auf dessen Angebot deswegen, da ich seine Texte für ausgesprochen hilfreich erachte.)


Anpassung an die Bedürfnisse anderer, Zurückstellen eigener Wünsche wird oft als Liebe ausgegeben. Grenze und Abgrenzung wird dann als verletzend, lieblos, als Kontakt erschwerend miss-verstanden. Dies Missverständnis hält das „unbewusste Abgrenzungsverbot“ und damit das Symbiosemuster aufrecht. Dabei ist Kontakt nur durch flexible Grenze möglich! Nur wer im Kontakt mit seinem Gegenüber „bei sich selbst“ bleiben kann, kann dem Anderen begegnen. Im Unterschied dazu das Dilemma der Symbiose: die Betroffenen verlieren in der Überanpassung sich selbst. Um sich wieder zu spüren, müssen sie auf Distanz gehen, verlieren dadurch ihr Gegenüber. Nicht selten pendeln sie zwischen beiden Extremen, zwischen Überanpassung und Überabgrenung hin und her Nähe-Distanzproblem. Sie haben nur die Möglichkeit, sich durch Distanz abzugrenzen, weil ihnen die „innere Abgrenzung“ fehlt.

via FAMILIENSTELLEN mit Dr. med. E. Robert Langlotz – Familienaufstellung, München, Seminare.


Aus umfangreichen Bemerkungen zum Ödipuskomplex hier ein Auszug:

Bei Abwesenheit der genannten Einflüsse, z.B. wenn ein Kind bei einer alleinstehenden Mutter aufwächst, gibt es kein Abklingen der Zärtlichkeitsgelüste des Knaben bis in die Jugendzeit, wo ihm die Gelegenheit gegeben wird, seine Liebe auf ein Mädchen zu übertragen. Aus der eben dargestellten psychosexuellen Entwicklung ist ableitbar, dass die Inzestneigung nicht an die frühkindliche (sogenannte ödipale) Phase gebunden ist.

Wie auch die Träume von Kindern und Jugendlichen belegen, besteht die Inzestneigung die ganze Kindheit. Die primäre Liebe ist paradigmatisch für alle weiteren Liebesbeziehungen, und nur eine relative Abwehr der primären Libidobesetzung führt zu einer befriedigenden Übertragung auf einen anderen Geschlechtspartner. Mit dieser Übertragungsfähigkeit hat sich die Psyche eine Flexibilität erworben, die grundsätzlich für alle Akte der Sublimierung vorteilhaft ist. Bei Verhaftung an die primäre inzestuöse Bindung würde dem Mann die für ihn günstig erscheinende Dominanz über den Sexualpartner fehlen, da die Mutter ihre von Geburt auf innehabende Macht über das Kind bei inzestuöser Bindung auch bei dem erwachsenen Sohn nicht aufgeben würde, was bei typischen Mutter-Sohn-Fixierungen nachweisbar ist.

Das Ödipustrauma liefert auch diesbezüglich beweiskräftiges Material: Als Ödipus Kenntnis vom Inzest erlangt hat, verliert er seine königliche Macht. Solange er seine Mutter als Gattin betrachten durfte, war ihm der Status des Herrschers garantiert. Ein Sohn aber, der sich von der Mutter nicht gelöst hat, sondern in der infantil-libidinösen Abhängigkeit verharrt, kann nicht Herrscher sein. Von daher ist es wahrscheinlich, dass die strengen Inzesttabus aus dem partiarchalen Machtstreben entstanden sind und das Ziel anpeilen, die Dominanz der Großen Mutter zu untergraben. Im Falle des Geschwisterinzests repräsentiert, tiefenpsychologisch gesehen, die Schwester die Mutter, der Bruder den Vater. Aus der Bedrohung der männlichen Dominanz, die sich in der inzestuösen Verkettung nicht etablieren kann, werden wir auf einen anderen Ursprung des sogenannten Kastrationskomplex verwiesen: Es ist nicht der Vater, der die Abschneidung des Sexualgliedes seines Sohnes androht, des weiteren nicht der Anblick des beim weiblichen Genitale fehlenden männlichen Gliedes, das den Kastrationskomplex auslöst, sondern es ist die durch den Inzest vereitelte Dominanz. Von daher ist es verständlich, dass sich in der pathologischen Realität auch Kastrationskomplexe einstellen, wo nicht im entferntesten ein drohender Abschneider auftauchte.

Die Mutter selbst, beziehungsweise ihre Dominanz, fördert im Kind die Phantasie der Kastration. Es ist auffallend, dass der Homosexuelle erstens eine starke Mutterbindung bei Abwesenheit eines dominanten Vaters erfahren hat, und dass ferner seine Angst vor heterosexuellem Verkehr auf der Vorstellung beruht, dass die Frau eine beißende Scheide habe. Letzteres ist Kastrationsangst, die ganz deutlich Folge mütterlicher Dominanz und nicht väterlicher Kastrationsdrohung ist. Im Gegenteil stellt sich bei väterlicher Dominanz und nachweislicher Kastrationsdrohung keine Homosexualität, sondern männlich dominantes Verhalten ein (natürlich nur, wenn das Maß der Bedrohung innerhalb gewisser Grenzen verbleibt). Die Kastrationsangst kann auch als pervertierter Wunsch, keinen Penis zu haben und dadurch wie die geliebte Mutter zu sein, interpretiert werden. Die Symptome der Homosexualität wären gar nicht verständlich, wenn der Knabe unter dem Bewusstsein stünde, den Vater verdrängt und seine Stelle an der Seite der Mutter eingenommen zu haben. Dann müsste er sich zeitlebens als starker, siegreicher Mann fühlen und als ein solcher nur Frauen begehren, die ihm durch Willfährigkeit diese Dominanz bestätigen. Der Kastrationskomplex entsteht folglich aus der Fixierung an die Mutter. Die unheilvolle Sphinx (Hesiod, Theogonia 326) verkörpert die männerentmachtende Dominanz der Mutter.

Die Bestimmung des menschlichen Daseins ist erst erfüllt, wenn die primäre Liebesbeziehung, die Liebe zur Mutter, überwunden, und die Loslösung so gründlich vollzogen ist, dass nie wieder ein Rückfall in den Mutterschoß entsteht. Das in allen Völkern bekannte Inzestverbot resultiert aus der unbewussten Erkenntnis, dass psychische Entwicklung nur möglich ist, wenn der Loslösungsprozess von der primären Person vollzogen worden ist. Diese Trennung von der Mutter ist ein entscheidender Entwicklungsschritt des Menschen.
Das auffälligste Zeichen verhängnisvoller Abhängigkeit stellt die körperlich erotische Beziehung dar: Aus diesem Grunde bestehen bei allen Völkern Initiationsriten, die in Form harter Prüfungen den Knaben aus mütterlicher Geborgenheit herauslösen: Die Mutter ist das emotional Bannende und damit Gefährliche, der Vater oder seine gesellschaftlichen Repräsentanten das Element, welches Bewusstsein schafft und die Fähigkeit stählt, den mütterlichen Bann aufzulösen.
Die gesamte Demütigung, die sich Ödipus durch die selbstauferlegten Strafen der Blendung, der Thronentsagung und der Verbannung zufügt, spricht für die im pathologischen Bereich immer wieder nachweisbaren Selbstbestrafungswünsche, die sich genau jener Symptome bedienen, welche die psychischen Konflikte markieren. So rühmt sich Ödipus vor dem Zusammenbruch als Deuter des Sphinx’schen Rätsels (Sophokles, König Ödipus 398), ist stolzer Inhaber eines Thrones und Gatte einer großen Königin.

Denn nur in unzweifelhafter Kenntnis darüber, wer die eigene Mutter ist, und bei gelungener Internalisierung des Inzesttabus, ist es möglich, sich der libidinösen Übermacht der Mutter zu befreien. Ansonsten aktualisiert sich der Rückfall in die primäre Liebesbeziehung bei entsprechender Gelegenheit. Alle anderen griechischen Helden fielen nach der ersten Trennung von der Mutter nicht mehr in ihren Schoß zurück. Dass Ödipus diesem Verhängnis erliegt, hängt mit seiner Unkenntnis des Sachverhaltes zusammen. Indem er sich die Augen aussticht, tut er so, als seien sie die Ursache der Unkenntnis gewesen.

Wer seine sinnliche sexuelle Energie (Augenlicht) also abgetötet hat, der ist im Übersinnlichen zu Hause und beschäftigt sich viel mit Deutung und kulturellen Fragen.

Die Vertauschung der Erkenntnis vom Sinnlichen ins Übersinnliche entspricht der Tendenz, die in der Sublimierung sexueller Energie in kulturelle Leistungen waltet. Das Sinnliche ist grundsätzlich das Niedrigere, weil es für kulturelle Ziele nicht in dem Maße geeignet ist wie das Entsinnlichte und Geistige. Nach seiner Blendung und Verbannung aus der Heimat ist Ödipus ein blinder Weiser und hat damit ein im patriarchalen Bewusstsein schätzenswertes Menschenideal erreicht. Denn ein Blinder ist frei von allem äußeren Schein, so dass er zum Seher des wahren Lichtes taugt.


Ein Interview zum Thema Liebe und Macht bei Guterrat:

Die erste Begegnung entscheidet?
Der erste Blick.

Und warum ist das so?
Blicke waren das Erste, das wir uns – in den Armen von Vater und Mutter – einprägten, an denen wir zum ersten Mal Nähe und Freude, Glanz oder Gleichgültigkeit erfuhren. Sie prägen uns ein Leben lang. Deshalb ist der Austausch von Blicken das Intensivste von allem.

Und was hat das mit Macht zu tun?
In einem Blick finden wir, was wir intuitiv suchen oder eben nicht. Eine Frau, die ein halbes Leben lang mit der Unentschiedenheit und Schwäche eines Mannes zu tun hatte, wird den zugleich freundich-souveränen und entschlossenen Blick eines fremden Mannes unmittelbar wahrnehmen, ja aufsaugen. Danach kann sie sich erschrocken abwenden oder sich diesem Blick hingeben.
Tut sie Letzteres, wird sie vielleicht ein Leben lang nicht wieder davon loskommen.
So entsteht Liebe.


http://www.vssps.de/thema-selbsthilfegruppe/144-selbsthilfe-und-selbsthilfegruppenarbeit-bei-sozialer-angststoerung-drei-hilfreiche-qbausteineq

Die Hemmungen, die man auf der Mannwerdung abzulegen hat, sind vergleichbar mit jenen, die Sozialphobiker bekämpfen müssen. Nicht umsonst zieht sich der ewige Junge gerne zurück und verfällt der Internet- oder Pornographiesucht, oder bleibt ewiger Kiffer oder wird Sexsüchtiger. Hobbies und Freunde sind neben Arbeiten und Beziehung oft verkümmert.

Die Schritte der Sozialphokier sind kein schlechter Weg, um sich aufzuraffen und Rituale und Ordnungen zu finden, die das Innere, den eigenen Weg wiedererkennen lassen.

Baustein B – Handeln und Gestalten unter Menschen

Mit jedem einzelnen Fortschritt in der Annahme der eigenen Angst wächst die Fähigkeit, dort, wo Angst und Vermeidung bis dahin jedes eigene, aktive Gestalten blockiert haben, sich zunächst in Gedanken, dann aber versuchsweise mit kleinen oder mit großen Schritten wieder auf den Weg zu machen.
Es sollte spürbar auch der eigene freie Entschluss sein, nicht nur der Druck eines „ich muss“. Hilfreich ist sicher, wenn die Stimme der Vernunft einem „ich kann nicht“ mit einem „ich sollte es versuchen“ entgegenwirkt. Die Motivation des „ich möchte und ich will“ wird am meisten Kraft geben.

Besteht die Motivation zum „Üben und Konfrontieren“ vorrangig in der Leistungserbringung und Angstüberwindung, der Kontrolle von Gefühlen des Minderwerts, der Ablehnung und Beschämung, so besteht die Gefahr, sich weiterhin von den eigenen lebendigen, kreativen Impulsen abzutrennen.
Hingegen ist ein aktives Handeln, das von einer Motivation der Freude und des Interesses getragen ist, sinn- und identitätsgebend und liefert die Kraft, die immer wieder anstrengende Auseinandersetzung mit der Angst längerfristig auf sich zu nehmen.

Hierzu ein Beispiel: Zwei Menschen mit Sozialer Phobie besuchen einen Vortrag. Beide werden vorher und in der Situation selbst Angst verspüren.

Der eine geht vorrangig mit dem Ziel hin, sich und anderen zu beweisen, dass er so etwas schafft, und um seine Isolation zu durchbrechen.
Der andere besucht den Vortrag hingegen vor allem deshalb, weil ihn das Thema anspricht und er gerne mehr darüber erfahren möchte.

Läuft es für beide Betroffene „gut“, so mag sich der erste entlastet und stolz fühlen, sein Ziel geschafft zu haben. Das ist zwar wichtig, kann aber auch bedeuten, dass er sich künftig bei einer ähnlichen Situation wieder vor denselben Kampf gegen die Angst gestellt sieht. Er wird sich dann erneut zu beweisen haben. Der Blick auf die Angstseite macht ihn für eine nachfolgende „Niederlage“ anfällig.

Der andere dagegen erlebt neben der Angst auch Freude und Einlass auf eine neue Thematik – außerhalb seiner Angst. Dies bringt einen Zugewinn an Lebensfreude mit sich, der nicht immer wieder von Neuem bestätigt werden muss.

Aktives Handeln bedeutet Erleben und Gestalten – und bringt reales Miteinander, Kontakt und Begegnung. Ohne Handeln nehme ich den eigenen Platz nicht ein – weder im Beruf, noch im sozialen Umfeld. Über das aktive Handeln übernehme ich auch Verantwortung für mich und gewinne an Eigenständigkeit: die eigene Kompetenz wächst. Durch das Mitwirken an gemeinsamen Projekten mit anderen bekomme ich von den anderen eine Rückmeldung, übernehme Aufgaben und spüre Solidarität und „Wert“ als Mitmensch.

Das Erleben von realem Erfolg und Misserfolg führt immer wieder zur Realität. Das bedeutet, mit gelungenen und nicht gelungenen Situationen klar zu kommen. Es bedeutet weiterhin, sich realistischen Erwartungen und eigenen Grenzen zu stellen. Überzogene Ansprüche an sich selbst werden korrigiert – das eigene Scheitern auszuhalten, gehört in diesem Sinne zum Erfolg.

Hilfreich ist es vor allem, wenn ich in der Selbsthilfegruppe neue Rollen ausprobieren kann. Bin ich es z.B. gewohnt, stark auf Leistung zu setzen, kann ich versuchen, dieses Verhalten aufzugeben. Bin ich dagegen normalerweise still im Hintergrund, kann ich mich bemühen, Leitungsaufgaben zu übernehmen (z.B. die Gruppenmoderation an einem Abend). Ist meine übliche Rolle die des Helfers, gehe ich auch in die Rolle des Hilfe-Annehmenden, und umgekehrt. Ich kann emotionale Impulse wagen und neue Seiten von mir ausprobieren. Wichtig finde ich insbesondere, dass sich die Zusammensetzung der Gruppe durch neue TeilnehmerInnen auch immer wieder verändert und ich aufgefordert bin, meinen Platz stetig neu in der Gemeinschaft einzunehmen. Dabei ist in Kauf zu nehmen, dass mich dies auch mit meiner Unsicherheit in Berührung bringen kann.

Und ein weiterer Punkt: das Wohlfühlen ohne Bedingungen – das ist wie Liebe ohne Bedingung. Wohlfühlen ist wie eine selbständige Entscheidung. Doch wie bringt man die Kraft dazu auf?

Baustein C – Bedingungsfreies Wohlfühlen
Es entspricht meiner Erfahrung, dass ein Teil der Betroffenen trotz der Bereitschaft, sich mit den eigenen Gefühlen anzunehmen und trotz mutigen „Gestaltens und Handelns“ nur begrenzt Fortschritte empfindet.
Diese SozialphobikerInnen beschreiben oft das Fortbestehen einer inneren Daueranspannung und einer ausgeprägt ängstlichen Grundstimmung. Die auf der Handlungsebene errungenen Erfolge bleiben zwar als Zugewinn erhalten, jedes in Beziehung treten mit anderen Menschen wird aber weiterhin als sehr anstrengend und beschwerlich erlebt – ein steter ängstlicher Neuangang.

Wenn das aktive Handeln und Gestalten auch Erfolg zeigen mag, werden hierbei unvermeidbar tief liegende „alte“ Ängste und existenzielle Verunsicherungen berührt. Frühe traumatische Erlebnisse und Defizite können weiterhin aktiviert und in der Gegenwart wirksam bleiben, so dass sich in der Tiefe keine neue Stabilität ausbildet. Der/die Betroffene fühlt sich trotz aller realen Erfolge weiterhin existenziell stark verunsichert.

Deshalb kann es hilfreich sein, als dritten, gleichwertigen Baustein das „bedingungsfreie Wohlfühlen“ hinzuzufügen.
Wohlfühlen bedeutet in diesem Kontext, mit sich selbst in Einklang zu sein. Bedingungsfreies Wohlfühlen ist unabhängig von einer Vorleistung, Anstrengung, Erfolg oder Anerkennung. Ein solches Wohlbefinden begünstigt ein Selbst-Geborgenheitsgefühl und fördert den Zugang zu einem tiefen inneren Ruhepunkt, an dem ein „inneres Ja“ zu sich und der Welt empfunden werden kann. Dieses Gefühl wirkt auf seine Weise existentiell selbstheilend, stabilisierend und kräftigend.

Vielen Betroffenen fehlt jedoch gerade das Erleben, selbstverständlich und gelassen in der Welt zu sein – ohne sich selbst ständig zu hinterfragen, sich mit anderen zu vergleichen und abzuwerten. Es fehlt ihnen das Erleben von Wohlbefinden in sich und in der Welt, das daraus entsteht, in sich selbst zu Hause zu sein und von dort in die Welt hinaus zu schauen – anstatt sich wie von außen ängstlich-kontrollierend zu beobachten.

Tatsächlich haben viele Betroffene eine Blockade, sich ein Wohlfühlen zu erlauben. Sie sind in der Frage gefangen, ob sie es überhaupt verdient haben. Zugleich bedeutet Wohlfühlen aber auch das Ablegen von Abwehr- und Schutzmauern und stattdessen ein Sich-Öffnen und Sich-Einlassen. Der/die Betroffene kommt dabei wieder mit den eigenen Gefühlen in Kontakt, und dies kann zunächst auch Ängste auslösen, die den Zugang zum eigenen Wohlbefinden vorübergehend erschweren.

Wohlfühlen bedeutet aber kein neues „Kopf“-Programm: „Ich muss mich wohlfühlen, dann geht die Angst weg“, sondern bedingungsfreies Wohlfühlen dient keinem weiteren Zweck – außer, dass es sich gut anfühlt. Es ist nicht zu erzwingen oder festzuhalten.
Wichtig ist beim Aufsuchen dieses ruhigen inneren Ortes auch, dass dies natürlich nicht der Legitimation von Isolations- und Rückzugstendenzen dienen darf. Es geht vielmehr um ein Wohlbefinden mit mir und in mir – gerade auch unter Menschen.

Wohlfühlen auslösen können ganz einfache Dinge. Wichtig ist erstmal, wieder wahrzunehmen, wie es ist, sich wohl zu fühlen. Und auf dieses Gefühl achtsam zu sein, wenn es sich einstellt.
Vielleicht liegt der entscheidende Schritt auch darin, sich sanft neuen Vorstellungen und Gedanken zu öffnen: „Ich brauche nichts zu leisten, um mich wohl zu fühlen; ich habe es verdient, und ich kann es schrittweise wieder lernen und zulassen. Es ist nicht gefährlich für mich, es darf sein. Ich halte es aus, mein Angespanntsein und meine innere Unruhe dabei auch zunächst zu spüren.“
Eigentlich hat jede/r Betroffene seinen ganz persönlichen Zugang zum Wohlfühlen, dieser ist allerdings oft verstellt – vor allem, wenn durch Stresssituationen die Aufmerksamkeit einseitig auf die Angst gerichtet ist.

Wie kann ich bedingungsloses Wohlfühlen in der Selbsthilfegruppe erleben?

Das Erleben und die Erfahrung, dass es sich wieder gut anfühlen kann unter Menschen, war und ist mir persönlich der wichtigste Erfahrungsschritt innerhalb der Selbsthilfegruppe – und vielleicht ist er auch der schwierigste:
Dass ich einfach SEIN kann unter Menschen und mich (schrittweise) sogar wieder wohlfühlen kann, auch ohne etwas dafür leisten zu müssen.


Wozu gibt es Scham? Die Psychologie weiß, dass sie „in zwischenmenschlichen Kontakten Grenzen setzt, die dem Schutz der eigenen Individualität dienen. Mit der Entwicklung des Selbstwertgefühls ist eine Regulierung von Nähe und Distanz zu unseren Bezugspersonen möglich. Und genau an dieser Grenze haben bei Menschen, die von grosser Scham betroffen sind, viele Grenzverletzungen stattgefunden.“

Selbstmitleid und Scham hängen fest zusammen. Selbstmitleid ist eine gute Methode, die Scham auf jemand anderen abzuwälzen: Man muss die Scham nicht mehr selbst fühlen, sondern kann den Anderen (zum Beispiel Partner, die Kinder) für sich denken und fühlen lassen.

Von allen negativen Gefühlen empfinde ich diese beiden als mit die Übelsten. Scham hat so etwas total Selbstablehnendes/Selbst Anklagendes und das dazugehörige Selbstmitleid macht es noch mal schlimmer. Totale Hilflosigkeit, Wehrlosigkeit, gleichzeitig eine passiv-aggressive Art des sich Entziehens vor der Eigenverantwortung. Sich selbst verkleinern, um nicht zu sich selbst stehen zu müssen. Der Zweck scheint zu sein, ein irgendwie geartetes Identitätsgefühl aufrecht zu erhalten, auch wenn der Preis der ist, dass man sich selbst hasst. Lieber sich selbst hassen, lieber Opfer der eigenen Unzulänglichkeiten sein, als gar nichts zu sein. (Link)

Schämt sich der Familienvater dafür, dass seine Frau sich ihm gegenüber sexuell verschließt, dann kann er seiner Familie gegenüber den Depressiven heraushängen lassen. Die Söhne oder besonders sogar die Tochter ist darin aufgefordert, sich besonders um ihn zu kümmern und die Nähe zu geben, die er von seiner Frau nicht bekommt. Die Scham über die Verlassenheit von seiner Frau muss er dann nicht fühlen und nicht an sie denken, allein seine Kinder sind dann dafür zuständig, ihm Nähe zu geben. Diese denken und fühlen dann seine Frustration und Traurigkeit.

Briendl beschreibt, „was Scham in der extremsten Form beinhaltet: das Gefühl, gefangen und gefesselt zu sein, das Gefühl der Versteinerung und Ausweglosigkeit.“ Und wir erfahren, woher sie kommt:

Scham ist, wie Wurmser sagt, „die verhüllte Begleiterin des Narzissmus“ (1997, 24). Sie taucht
besonders in solchen Familienbeziehungen auf, deren Mitglieder verstrickt sind in gegenseitige
Entwertungen, Verheimlichen oder Manipulationen. D.h. wenn die persönliche Grenze oder
Integrität des Einzelnen nicht respektiert wird.

Hier ein passendes Buch: Miriam Moschytz-Ledgley: Trauma, Scham und Selbstmitleid. Vererbtes Trauma in Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“


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