Mannwerdungsblog

Archive for the ‘passiv-aggressives Verhalten’ Category


Nein sagen und Grenzen ziehen ist ein schwieriges Kapitel für den emotional Missbrauchten. Entweder er unterlässt es oder er drückt es brutal durch. Im Artikel Selbstbewusstsein – wie stärken und aufbauen werden die Gründe beleuchtet. Interessant ist es, dass wir manchmal ja durchaus „nein“ sagen können. Wann ist das?

Begünstigende Faktoren dafür, dass wir es schaffen, Nein zu sagen, sind: Wir sind uns der Sympathie des anderen sicher. Wir glauben, dem anderen überlegen zu sein. Der andere ist uns gleichgültig. Wir sind ärgerlich, glauben, im Recht zu sein. Wir glauben, uns wird nichts Schlimmes passieren. Uns ist egal, was der andere von uns denkt.

Eine Sehr gute Hilfe, Nein zu sagen, ist zunächst die Beobachtung, was die Gedanken beim Neinsagen oder Nicht-Neinsagen sind. Und wie sie sein könnten. Typisch für den Muttersohn in Beziehungen sind meiner Meinung nach diese hier:

Blockierender Gedanke:
Wenn ich Nein sage, dann bin ich schuld, dass der andere enttäuscht, verärgert oder verletzt ist.
Hilfreicher Gedanke:
Ich weiß nicht, ob der andere enttäuscht, verletzt oder verärgert reagieren wird. Er könnte meine Argumente auch einsehen oder akzeptieren. Wenn er aber negative Gefühle verspüren sollte, dann ist er für diese verantwortlich. Ich sage lediglich meine Meinung. Wie er damit umgeht, ist seine Sache. Ich habe das gleiche Recht wie er, Wünsche zu äußern.

Blockierender Gedanke:
Wenn ich Nein sage, dann bin ich herzlos und egoistisch (und das möchte ich nicht sein).
Hilfreicher Gedanke:
Indem ich einmal meinen Wunsch äußere, werde ich nicht zu einem egoistischen Menschen. Der andere ist dann genauso egoistisch, denn er äußert seinen Wunsch ebenfalls.

Zeit zu Leben bricht die Thematik noch weiter auf. Wie kann man nein sagen? Zum Beispiel so:

  • „Ich kann verstehen, dass es dir nicht gefällt, wenn ich jetzt „nein“ sage. Ich möchte mir aber deswegen keine Schuldgefühle machen lassen.“

Am Ende des Artikels geht es darum zu lernen, auf die sanfte Art „nein“ zu sagen. Ein wichtiges Detail beim Neinsagen.

Wichtig beim Nein-sagen ist vor allem, klar zu sein, aber dabei nicht brutal. Wenn Sie etwas nicht tun wollen, dann sollten Sie das so deutlich sagen, dass der andere es nicht missinterpretieren kann. Das aber kann man behutsam und freundlich tun, so dass das Nein nicht verletzt.

Hier finden Sie eine Reihe von Möglichkeiten, wie Sie respektvoll „nein“ sagen können:

Das Nein begründen – Sie brauchen sich zwar nicht zu rechtfertigen, aber Sie können Ihr Nein begründen. Das macht es dem anderen leichter, es anzunehmen. Wenn sich z.B. ein Kollege zu Ihnen setzen will, Sie aber gerade in einem wichtigen Gespräch vertieft sind, bei dem Sie keinen anderen dabeihaben möchten, dann können Sie genau das sagen: „Oh, ansonsten jederzeit gerne – nur jetzt besprechen wir gerade etwas Persönliches.“ Hier bitten Sie selbst um Rücksichtnahme und motivieren so Ihr Nein. Auf diese Weise wird deutlich, dass sich das Nein nicht gegen die Person richtet, sondern andere Ursachen hat.

Verständnis zeigen – Indem Sie Verständnis für die Bitte des anderen zeigen, wirkt jedes Nein schon viel weicher. Sagen Sie so etwas wie „Dass du so im Zeitstress bist, tut mir sehr leid – aber ich kann dir leider heute trotzdem nicht aushelfen.“ oder „Ihr Team steht da wirklich stark unter Druck. Leider ist es trotzdem nicht möglich, dass eine Arbeitskraft von uns zu Ihnen wechselt.“

Bedanken – Eine schöne Geste ist, sich dafür zu bedanken, dass der andere einem die Aufgabe zutraut oder das Vertrauen in uns hat: „Ich fühle mich geehrt, dass Sie da an mich denken, aber mein Terminkalender ist leider komplett voll.“ oder „Das ist ein wundervolles Kompliment, dass du mir das zutraust, aber ich kann leider nicht.

Mit Humor – In manchen Situationen ist Humor eine wundervolle Möglichkeit, ein Nein zu verpacken. Aber Vorsicht: nicht jeder versteht jede Art von Humor! Im Zweifelsfall sollten Sie deshalb doch lieber eine neutrale Formulierung wählen.

Manchmal reicht auch ein Teil-Nein – Häufig muss man gar kein striktes Nein sagen. Wenn Sie z.B. nur heute keine Zeit haben, es Ihnen aber nichts ausmachen würde, die Aufgabe morgen zu übernehmen, dann können Sie das genauso sagen. Oder vielleicht sind Sie bereit, einen Teil der Bitte zu erfüllen, dann bieten Sie das an.

Gegenangebot machen – Es ist auch möglich, einen Gegenvorschlag zu machen – also vielleicht eine andere Idee anzuregen, wie derjenige sein Anliegen lösen kann. Sie zeigen damit, dass Ihnen der andere nicht egal ist, machen aber auch klar, dass Sie nicht zur Verfügung stehen.

Gut für die Selbsterkenntnis ist der Denkanstoß zum Schluss:

Und hier haben wir noch einen spannenden Denkanstoß für Sie: Überprüfen Sie einmal, wie Sie selbst damit umgehen, wenn jemand anders „nein“ sagt.

Können Sie das Nein akzeptieren oder neigen Sie selbst dazu, den anderen umstimmen zu wollen?
Finden Sie es angemessen, wenn andere Ihren Bitten nicht immer nachkommen oder fühlen Sie sich dann verletzt oder beleidigt?
Können Sie mit Ihrer Enttäuschung gut umgehen oder werden Sie wütend?

Wenn Sie sich diese Fragen ehrlich beantworten und ggf. hier im Sinne des „Rechts zum Nein-sagen für alle“ etwas an sich arbeiten, wird es Ihnen auch leichter fallen, sich dieses Recht selbst zu nehmen.

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Echter Kontakt kommt zustande, indem man sich ganz auf den Gesprächspartner fokussiert. Brave Jungen haben immer gelernt, mit ihrer Aufmerksamkeit überall zu sein und sich zu fragen, was sie tun können und wie sie die Gefühle des anderen übernehmen können und Verantwortung übernehmen. Darum werden sie oft abgelenkt oder verhalten sich passiv-aggressiv, weil sie es nicht wagen, sich aus dem unbefriedigenden Gespräch zu befreien. Stattdessen tut man dann etwas anderes, hört weg, schaltet auf Autopilot: Der Tod jeden Gespräches.

Der eMBC Blog gibt 5 gute Tipps: Sich die Zeit nehmen, zu 100% aufmerksam sein, nicht werten, nachfragen (besonders nach Gefühlen und was ihnen wichtig ist) und sich selbst zurückhalten.

  1. Take time to listen. Stop, take a deep breath to clear your mind, and really listen to an employee sharing ideas or to how your son’s day at school unfolded.
  2. Be attentive. Put the world on hold and pay 100% attention to the person talking with you. They believe what they have to say is important and so should you.
  3. Listen with an open mind. Don’t be judgmental. Listen to everything the person is communicating and before judging the value of the information, ask questions to better understand the scope and depth.
  4. Listen for feelings. People repeat those things that are important to them. Listen to what is said but also to how it is said. Feelings often speak much louder than words.
  5. Listen for retention. While listening, summarize the highlights of the conversation in your mind so you can play it back to the person with whom you are talking. It will help you implement the important details later, and it will send the important message that you were really listening.

Wie kommt es dazu, die notwendige Energie aufzubringen, um sich vom Selbstmitleid lösen zu können? Es kostet Anstrengung, das Leben wirklich zu leben und nicht auf die Entscheidungen anderer zu warten. Im Kern erfordert das jedoch das Loslassen des Rechthaben-Wollens.

Die meisten Klienten nehmen die Energie ihrer Eltern, Partner, Geliebten und Autoritätspersonen in sich auf. Dies wiederum verdrängt ihre eigene Energie: Sie fühlen sich müde, kraftlos, verwirrt und desorientiert. In den letzten zehn Jahren habe ich nur drei Menschen getroffen, die sich zu mehr als 30 Prozent in ihrem eigenen Energiefeld aufhielten.

Zur Vermeidung von Schmerz, Verletzung, Verlust und Enttäuschung haben viele ihren physischen und emotionalen Körper regelrecht abgeschaltet. Ist ein Mensch aber nicht ganz in seinem Körper, dringen andere Energien und Wesenheiten in ihn ein und füllen die Leere.

Je mehr Energien von außen eindringen, desto größer die Wahrscheinlichkeit für Süchte, Depressionen, Sich-unglücklich-Fühlen, Kraftlosigkeit und Krankheit.

Oft genug dringt Energie von außen ein, weil man(n) die Energie von außen, von Frauen, Eltern, Vorgesetzten in sich aufnimmt. Um Schmerz und Verletzung nicht spüren zu müssen, schalte ich meinen Körper und meine Wachheit ab. Wie viel Prozent lebst du in deinem eigenen Energiefeld?


Bei Enneagramm-Forum habe ich ein gutes PDF gefunden. Danke an dieser Stelle an die beiden Autoren, Ruth und Samuel Jakob! Es geht um dieses: Wenn das Bewusstsein vom Unbewussten übermannt wird, dann gibt es verschiedene Fluchtrichtungen. Entweder verhält man sich regressiv oder progressiv. Alle sind Flucht-Verhaltensweisen.

‚Progression’ (Flucht in eine ‚zu erwachsene’ Reaktion) und ‚Regression’ (Zurückfallen auf eine frühere, ‚unreifere’ Stufe) sind jeweils eigenständige Abwehrmechanismen.

Typisch Progressiv (ÜberErwachsen, vom Über-Ich gesteuert) sind etwa folgende:

  • Rationalisierung
  • Idealisierung
  • Intellektualisierung
  • Verdrängung
  • Leugnung

Typisch regressiv diese:

  • Betäubung
  • Wendung ins Gegenteil
  • Projektion
  • Ungeschehen machen
  • Verschiebung
  • Reaktionsbildung
  • Introjektion
  • Isolation (vom Affekt)

Was ist das schlechte daran?

Weil sie das Problem jedoch nicht lösen, und sowohl die kognitiven und emotionalen Inhalte ‚weiterexistieren’, ziehen sie immer komplexere Abwehrmassnahmen und -kombinationen nach sich. Sie werden dadurch pathologisch und disfunktional, ja kontraproduktiv: sie kreieren oft das zu Vermeidende weit schlimmer, anstatt es abzuwehren (was nur für die erste Station gelingt, jedoch einen ganzen Rattenschwanz auslöst).

Der dort beschriebene gute, brave Junge passt gut in diesen Enneagramm-Typen:

Typ 2: Verdrängung (Emotionalisierung, Erotisierung)
Verdrängung geschieht im 2-er Muster permanent, d.h., der Stolz ist bereits die Auswirkung der Verdrängung. Stolz ist verdrängter Neid (Typ 4). Das Mangelgefühl, die Bedürftigkeit, der Hunger nach Liebe und Zuwendung wird verdrängt, – wahrgenommen wird eine eigene Fülle, ich habe viel zu geben, ich bin mit besonderen Gaben ausgestattet, es ist gut, dass die Welt, oder mein Mann, oder meine Kinder [Anm.: oder meine Mutter] mich haben.
Durch die Verdrängung der eigenen Bedürftigkeit entsteht eine Leere und um diese Leere nicht wahrnehmen und aushalten zu müssen, kommt zusätzlich der Abwehrmechanismus der Emotionalisierung der Zwei zu Hilfe. Das heisst, Gefühle der Leere werden umgewandelt in Gefühle der Heiterkeit, vorgetäuschte Fülle, Hilfsbereitschaft, Zugewandtheit, Bereitschaft die Bedürfnisse anderer zu befriedigen. All diese Gefühle und Verhaltensweisen sollen anziehend auf andere wirken und das Gefühl geben: ich bin liebenswert, ich bin etwas Besonderes, ich habe im Ueberfluss, was wäre mein Partner, meine Kinder ohne mich? Es kann soweit gehen, dass sich Typ 2 von Gott speziell ausgewählt fühlt.
Es kann jedoch auch sein, dass die Verdrängung nicht in pos. Gefühle wie Heiterkeit usw. umgewandelt werden, sondern in Gefühle des Opferseins verbunden mit Schuldzuweisungen. Je nachdem was der 2 mehr bringt, wird die eine oder andere Strategie gewählt.
Der ganze ’Aufbau’ dient dazu, die eigenen Mangel, die Minderwertigkeitsgefühle und den grossen Liebeshunger zuzudecken und es fordert viel Bewusstseinsarbeit um diesen Überbau abzutragen.
Indizien
Sich aufplustern, übermässige Heiterkeit, viel für andere tun, Hysterischwerden, Schuldzuweisung, Enttäuscht sein, emotionale Manipulation pos. oder neg.

Preis der Verdrängung (Emotionalisierung, Erotisierung):
Durch die permanente Verdrängung wird dauernd ein grosses Quantum Lebensenergie festgehalten und für das Halten im Unbewussten gebraucht. Das ist oft Ursache der bei Typ 2 häufig in der zweiten Lebenshälfte auftretenden Depression oder einer Dauermüdigkeit. Oft werden diese Symptome damit begründet, die Zwei würde zuviel für andere tun. Der wahre Grund liegt aber in der sehr Kräfte raubenden Verdrängungsarbeit, die der Stolz erfordert.
Eine weitere Folge der Verdrängung ist die, dass die Zuwendungen wie Liebe, Hilfe oder Wertschätzungen gar nicht bis in die tiefe Schicht der Bedürftigkeit dringen kann, denn es gibt keine Verbindung von der äusseren Schicht in diese Tiefen. Die Konsequenz davon ist, dass dieser tiefe Liebeshunger nicht gestillt und auch nicht geheilt werden kann. Die Zwei verhindert sich also mit ihrem Abwehrmechanismus selbst die Heilung, stattdessen wird das Muster immer mehr genährt und verfestigt. (Dies gilt auch für alle anderen Typen.)

Weiter ist es die Identifikation, die den Niceguy am Leben hält und mit der er unangenehme Gefühle abwehrt:

Typ 3: Identifikation
Die Identifikation ist ein relativ später Abwehrmechanismus: er setzt voraus, dass das Kind die Reaktion anderer Personen auf das eigene Verhalten wahrnimmt, und das eigene Verhalten gezielt als Wirkung einsetzen kann, um das Gegenüber in seiner aktuellen Gefühlslage zu berühren und diese in ein für das Gegenüber positive Richtung weiterzugestalten. Im Unterschied zur Introjektion ist die Identifikation nicht total, sondern selektiv, sie bleibt auch an der Oberfläche: sie ist eine Einfühlung, die jederzeit abgebrochen und angepasst werden kann und ist nicht wie die Introjektion eine Einverleibung, die sehr tief geht (in Grundgefühlslagen) und irreversibel ist.

Der Kern der Identifikation ist jedoch nicht die Einfühlung –das Identischwerden mit andern – sondern die Identifikation mit dem eigenen idealen Selbstbild, das der Andere aufgrund des oben beschriebenen Vorgangs auf mich projiziert, und mit dem ich mich identifiziere. Je nach Erwartungshaltung wechselt dieses ideale Selbstbild von Moment zu Moment. Die Identifikation antizipiert, und dies sehr subtil und nuanciert, Erwartungshaltungen anderer.
Die Negation (etwas zu verleugnen, bevor der andere danach fragt, z.B.: ‚Ich habe im Fall mit der Sache nichts zu tun!’) und die Rationalisierung (für andere positive Deutungen des eigenen Verhaltens präsentieren) sind zwei andere Abwehrmechanismen, die oft im Verbund mit der Identifikation auftreten.
Die Identifikation wehrt (sekundär) ab, keine Resonanz in Form von Aufmerksamkeit und Anerkennung zu finden (Einsamkeit), verbunden mit einem Gefühl der Wertlosigkeit, die jedoch primär in einer Angst wurzelt, letztlich keinen Boden unter den Füssen zu haben (Typ 6), dem sich der Dreier anvertrauen kann. Mithilfe der Identifikation erschafft er sich einen solchen von Moment zu Moment selber.

Indizien für das Wirken des Abwehrmechanismus sind:
heftige emotionale Reaktion auf Kritik, Gefühl der Verbundenheit mit einer Person, die mir eigentlich fremd ist (Flow-Erfahrung mit dem Gegenüber, keine störenden Emotionen wahrnehmbar), Aktivismus, Gefühl der Effizienz, andere (potenzielle Rivalen) schlecht machen.

Der Preis
ist Einsamkeit (trotz und oft gerade wegen Erfolg), weil sich in der Begegnung Bilder und Erwartungen, jedoch nicht Menschen aus Fleisch und Blut, begegnen. Gefühlsverlust, Vertiefte Selbstentfremdung. Oft erscheinen nach längerer Zeit heftige Konflikte in und mit Vorständen, denen ein (erfolgreicher) Dreier unterstellt ist (zum Beispiel Geschäftsführer): Er konnte die Schwelphase verlängern, indem er lange immer wieder (für den Moment jedenfalls) erfolgreich lavierte zwischen einer Minderheit, an deren Erwartungen er sich in eine andere Liga hochgehangelt hat, und einer Mehrheit, die immer noch die anfänglichen Erwartungen und Werte vertritt, die jedoch für den Dreier längst nicht mehr massgebend sind, da er inzwischen einen (oft sogar mehrfachen) ‚turnaround’ geschafft hat. Oft werden Dreier in solchen Situationen schliesslich anhand einer Eskalation fristlos entlassen (‚freigestellt’), weil sie mit zunehmend unlauteren Mitteln gegen die (‚inkompetente’) Mehrheit agitieren.

Der nächste Typ hat mit Onychophagie einiges gemein und ist auch ein Aspekt des Niceguys, der sich nicht wehren kann und will.

Typ 4: Introjektion
Sehr früh, während der Ablösungsphase aus der primären Symbiose, nimmt die Vier ’schlechte Objekte’, d.h. die Elternfiguren mit ihren negativen (!) Aspekten, d.h. den die Vier ablehnenden (z.B. Kritik, Abwertung, Zurückstossen), in sich auf, gemäss dem psycho – logischen Motto: ‚Ich nehme den geliebten Menschen –mit Haut und Haar –in mich auf, dann kannst du mich nicht verlassen, erfahre ich dich nicht als böse, kannst du mich nicht abweisen, hassen etc.’
Die internalisierte und derart kontrollierte Selbstablehnung schmerzt weniger als diejenige von aussen, die oft als sehr abrupte emotionale Wechselbäder, die deshalb tief schmerzten, weil in diesen Momenten das Herz weit offen war.
Die Vier nimmt damit eine Art Vergiftung der eigenen Psyche in Kauf, indem sehr nahe an der Basis der eigenen Identität, ja oft fast vermischt mit ihr, sich fremde Identitäten eingenistet haben –und dies auf Dauer (d.h. irreversibel). Einerseits passt sich die Vier damit der Umwelt an, andererseits sucht sie in dieser Mischung (oft verzweifelt) das Eigene –sie ist dauernd unsicher in ihrer eigenen Persönlichkeit. Die Kontrolle der Erfahrung als Suche nach Authentizität der eigenen Erlebnisse hat darin ihren Grund. (Ursprünglich berechtigter) Zorn infolge von Frustration (Typ 1) wird durch diese Umlenkung nicht auf die Quelle gerichtet, sondern gegen sich selbst: ’lieber bleibe ich mit dir verbunden, nehme Ablehnung und damit verbundene Selbstablehnung in Kauf’, was oft zu abrupten und extremen Stimmungsschwankungen führt, die den Selbsthass nähren und immer wieder vertiefen.

Beispiel:
Während einem Seminar sitzt eine Vier nachdenklich am Mittagstisch, den Vormittag nachklingen lassend, das Gegenüber lässt während dem Essen die Bemerkung fallen ’Du bist so still’. Etwa eine Stunde später fühlt sich die Vier in dieser Gruppe und an diesem Ort so daneben, dass sie am liebsten nach Hause fahren möchte. Da sie diesen Stimmungsumschwung nicht versteht, geht sie ihm nach und merkt nach 2 Tagen, dass er mit der Bemerkung der Kollegin zusammenhängt; schliesslich taucht dazu die Erinnerung auf, dass ihre Mutter (eine Sieben) sie mit dem Satz ‚Du bist so still!’ vorwurfsvoll kritisiert hat, weil sie Stille generell nicht aushalten konnte. Die Introjektion ist wie ein interner Verstärker, der an sich harmlose Alltagserlebnisse mit frühen Wunden in einen heftigen Kontakt bringt.
Die Vier hat durch die Introjektion deren Folgen sehr durchlässige Grenzen zum Unbewussten, was den Vorteil hat, dass die Vier zu grossen Gefühls- und Seelentiefen –sowohl sich selbst und andern gegenüber –fähig ist, jedoch oft heillos von Impulsen des Unbewussten überflutet wird. Die Vier (Introjektion) ist sehr offen, auf sie gerichtete Projektionen in sich aufzunehmen (um sie dann wieder ’ausspeien’ zu müssen –schnelle Faszination, gefolgt von ebenso heftiger Distanznahme).

Indizien für laufende Introjektionsprozesse:
Selbstablehnung, Versuche, sich unmöglichen Gegebenheiten anzupassen, unerklärlich missliche Stimmungen, Abwertung anderer (als Versuch, Introjekte aus sich hinaus zu befördern), Gefühl, für andere eine Zumutung zu sein.

Der Preis:
die Vier wagt nicht, ihre Eigen-Art und ihr Potenzial zu leben, aus Angst vor der
Reaktion anderer
(die ihr oft in Form von Neid entgegenkommt).

Abschließen greife ich die Betäubung heraus, die der Niceguy nutzt, um ewiger braver Sohn, nettes kind, Versorgter bleiben zu können. Nicht umsonst gelten diese Männer als sehr weich und vor allem ziellos.

Typ 9: Betäubung
Die ‚Betäubung’ (K. Horney) fehlt in den Katalogen der Abwehrmechanismen. Am ähnlichsten ist ihm wohl die Verdrängung. Im Kern geht es um das Verhindern des inneren Gewahrseins, ein sich ‚einschläfern’, das verschieden veranstaltet werden kann: durch Ablenkung und Selbstzerstreuung (anstatt Fokussierung) der Aufmerksamkeit, durch ’Deflektion’ (verwässernde Abschwächung des Kontakts durch ausweichende Weitschweifigkeit oder mechanische Automatismen anstatt ‚auf den Punkt zu kommen’, vor dem im entscheidenden Moment abgebogen wird.
Die übermässige Spannung zwischen Bedürfnissen, Gefühlen, Impulsen und der Kraft, sie auszuhalten, kann auch eingeebnet werden durch übermässiges Konsumverhalten (z.B. Essen, Fernsehen, Reden, Trödeln, sich in Arbeit stürzen, Schlafen). Intensität und Klarheit können auch durch Verschmelzung betäubt werden, indem das eigene Zentrum in jemanden andern verlagert (durch passive Identifikation).

All das dient der Abstumpfung als Abwehr, sich der eigenen Isolation und Individualität bewusst zu werden sowie der Herauforderung des Augenblicks, die als Überforderung, welche Angst macht, erlebt würde. Das ’Vergessen’ seiner Selbst in der vollen Gegenwart hat insgesamt den Charakter einer Regression, einem Ausweichen in frühkindlich symbiotische Hilflosigkeit.

Indizien:
ausweichend antworten bis aggressiv-abweisend (andere stumm machen), abwiegeln, Klarheit vermeiden, Wunsch: nur nicht jetzt, später dann! Die ganze Palette der oben aufgelisteten konkreten Verhaltensweisen (prüfen, ob sie der Abwehr (von etwas, das ‚irgendwie da ist’) dienen.

Folge:
Problemstau (und tatsächliche Überforderung), Resignation; Überleben (gelebt werden) statt Leben, der Zeithorizont, innerhalb dem das Leben betrachtet und geplant wird, wird kurz (ich nehme mal den heutigen Tag, wer weiss, was in 3 Monaten überhaupt sein wird).

Im folgenden Beispiel aus dem PDF des Enneagramm-Forums finden sich die Verdrängungstypen Isolation und Verdrängung:

Interaktion Tochter (Alexandra, Typ 5) mit Mutter (Typ 2)
Schon einige Jahre besuchte Denise mit ihrer Familie jeweils an Ostern die Eltern. Nun verabredeten sie sich mal auf Ostermontag mit ihrer Schwester Alexandra. Alexandra bereitete ihre kleine Wohnung darauf vor, sie telefonierte in dieser Zeit nur ab und zu mit Mutter. Alexandra plante, der Mutter dann am Montagabend zu telefonieren, wenn Denise und Familie wieder gegangen wären und dann könnte sie der Mutter alles frisch erzählen. Am Sonntagvormittag hatte sie als Pfarrerin noch Ostergottesdienst. Am Sonntagabend läutet das Telefon: Vater ist dran. Mutter sei bekümmert, dass sie nicht telefoniert hätte, und warum denn. Alexandra: gib mir doch die Mutter! Mutter im Hintergrund will jedoch nicht ans Telefon kommen. Alexandra sagt dem Vater, dass sie geplant habe, am Montagabend zu telefonieren, und jetzt noch am Putzen und Einrichten sei. Wie dann der Besuch am Montag gegangen ist, ruft Alexandra an. Mutter nimmt ab. Alexandra kommt nochmals aufs gestrige Tel. zu sprechen und weshalb Mutter nicht an den Apparat gekommen wäre. Sie sagt, wie sehr es sie verletzt habe, dass sie nicht angerufen hätte und ergänzt dann sehr emotional: „Jetzt weiss ich, wie es in einem Menschen aussieht, der nicht einmal seiner Mutter an Ostern frohe Ostern wünscht!“. Darauf Alexandra: ‚wart ihr denn in der Kirche?‘ Die Mutter antwortet darauf natürlich mit: ‚Nein, weshalb kommst du darauf?‘, worauf A. antwortet: ‚Ostern hat Euch/Dir doch noch nie etwas bedeutet, was soll denn jetzt dieses Theater‘, und dann erzählt sie ihr vom Besuch der Schwester.

Der Lösungsansatz: Aushalten!

Es geht einmal darum, die tief unbewussten Abwehrmechanismen anhand der Indizien im Alltag immer mehr und tiefer zu entdecken –entdecken zu wollen.

Zweitens geht er darum, ein Stück auf sie zu verzichten, was in (akuten) Situationen (und diese sind ja immer akut) oft (zuerst: meist) nicht möglich ist.

Drittens geht es darum, die auftauchenden starken Affekte beim Verzicht auf Abwehr auszuhalten (in der Balance: nicht unterdrücken, jedoch auch nicht ausagieren).

So lernt die Persönlichkeit mit der Erfahrung (d.h. viel Übung) zweierlei:
– erstens, dass nicht jede Situation eine Wiederholung einer frühkindlichen Gefahrensituation darstellt (in gut 4 von 5 Fällen, was vorher gar nicht wahrgenommen werden konnte!),
– zweitens, dass das erwachsene Kind diese starken Affekte aushalten und mit ihnen umgehen lernen kann (eine längst überfällige Aufgabe, von der man bisher verschont blieb).


Auf seinen Männer-Hilfe-Seiten hat der Heilpraktiker Michael Hoffmann einen wichtigen Text über das Mannsein für Männer, Softies und Oneitis-geplagte zusammengestellt, der uns als Narzissten betrachtet:

Ganz im Gegensatz zu dieser populären Interpretation finden wir bei Menschen mit einem narzisstischen Problem eher einen Hang zur Selbstaufgabe, einem „alles für die Anderen tun wollen“, das Gefühl „alles zu geben und wenig zurückbekommen“ und auch echtes soziales Engagement.

Typisch sind ein Hang zum Perfektionismus und eine starke Beschäftigung mit dem eigenen Wert, mit Erfolg, Macht, Besitz und idealen Partnern. Gefühle wie Traurigkeit, Sehnsucht und Bedauern sind kaum wahrzunehmen. Lebens­­freude wurde bestenfalls ganz kurzfristig erlebt.

Die narzisstische Wunde entsteht in der Kindheit durch seelische Vernachlässigung und/oder einen massiven Symbioseanspruch der Mutter bzw. des Vaters.
Beides verlangt von dem Kind eine übergroße Anpassungsleistung an seine Bezugspersonen. Für das Kind ist nur noch wichtig, so zu sein wie es erwartet wird, denn nur so erreicht es Aufmerksamkeit und Anerkennung. Damit entsteht ein falsches Selbst, das „eigentlich mögliche“ Selbst geht dabei verloren.

Er selbst beteuert, in seinen Bemühungen um Frau und Kinder nicht nachgelassen zu haben. Sie aber spricht über Trennung oder Scheidung und das oft gesuchte, klärende Gespräch ist nicht möglich, bzw. völlig fruchtlos. Er sei sich durchaus auch seiner Schwächen bewusst, bemühe sich aber sehr sie zu beherrschen.

Im Laufe der Gespräche wird oft eine starke, unterdrückte Aggressivität eingeräumt. Eine Wut auf seine Partnerin, die seine Bemühungen nicht anerkennt. Einfach unerklärlich ist, wie sie denn einfach alles hinschmeißen kann.
Oft wird in den Gesprächen auch deutlich, dass er bestimmte Verhalten, Reaktionen und Gefühle an sich selbst durchaus unakzeptabel findet und nicht weiß warum er sich immer wieder so verhält.

Was passiert eigentlich bei solch einem Paar, wieso kommt es zu so einer Situation?

Basis der Beziehung ist (war) das „ich liebe dich, weil ich dich brauche“ (im Gegensatz zu: „ich liebe dich, weil du so bist wie du bist“).

Die Frau wird versuchen sich neue soziale und/oder berufliche Erfolge zu verschaffen, die das Manko abdecken können. Dazu steht ihr ein umfangreiches soziales Netzwerk und vor allem das Verständnis der Umwelt, zur Verfügung. Denn nach Außen erscheinen diese neuen Kompensationsversuche als ein normales, emanzipatorisches Bestreben. Schließlich sei es ja nur richtig, sich aus einer Unterdrückung zu befreien. So erfährt sie auf ihrem Weg viel Unterstützung und Ermutigung.

Die Reaktion des Mannes ist zwangsläufig anders. Drei Möglichkeiten hat er im Prinzip um mit der Situation fertig zu werden.
Die Kompensation nur noch auf beruflichem Wege zu suchen und damit Frau und Familie hinter sich zu lassen.
Möglichst schnell eine Ersatzpartnerin zu finden oder
mit aller Macht zu versuchen die aktuelle Situation zu retten, d.h. den Status Quo aufrechtzuerhalten.
Da er auf kein unterstützendes Netzwerk zurückgreifen kann und die ersten beiden Möglichkeiten ohnehin gesellschaftlich geächtet sind, wird er in der Regel (zumindest anfangs) Möglichkeit 3. auswählen.
Er wird seinen Symbioseanspruch verstärken und das Gefühl entwickeln, es ginge für ihn um Leben und Tod. Durch Kontrollen und Repressalien wird er sie evtl. zwingen wollen, „wie bisher“ weiterzumachen. So schaukelt sich die Situation immer weiter hoch und eine Klärung ist nicht möglich, weil beiden der narzisstische Hintergrund ihrer Gefühle nicht bewusst ist.

Vier Schritte, die mehr oder weniger parallel ablaufen können, sollten zu einer Therapie gehören:

  1. Finden der Ursachen für die narzisstische Verwundung.
  2. Mildern des mächtigen Über-Ich in eine freundlichere Instanz.
  3. Bewusstmachung und Integration verdrängter Gefühle.
  4. Bearbeitung der existenziellen Fragen, um auf den Weg zu einem eigenen Ich zu kommen.

Die Ursache für die narzisstische Verwundung ist dem Klienten oft schon in groben Zügen bewusst, auf jeden Fall wird sie in den ersten Sitzungen deutlich.

Mit der Distanzierung von diesem anerzogenen, aufgezwungenen Ich, kommt mit aller Macht die Frage „wer bin ich?“, „gibt es mein Ich überhaupt?“.
Diese Situation kann zutiefst verunsichern und ein Gefühl großer Leere schaffen. Ein Zurück zum alten Ich erscheint plötzlich als Schutz vor dem „Unvorstellbaren“, evtl. beängstigenden Neuen. Um dem vorzubeugen, sollte der Klient schon früh über alternative Lebensideale und über das, was wirklich gut für ihn ist nachdenken. Träume und Wünsche aus der Kinder- und Jugendzeit können hier einfließen.


Schon mal gings hier um passiv-aggressives Verhalten. Meiner Meinung nach gehts auch bei Prokrastination, auch bekannt als Aufschieberitis , darum. Wolfgang hat einen guten Artikel dazu geschrieben: Er zeigt „Aufschieben als Symptom von Persönlichkeitsstörungen und neurotischen Konflikten, in der Angst vor Versagen, Erfolg, Alleinsein, Nähe, Ablehnung, Ärger, Wut, Perfektionismus, Abhängigkeit, Scham oder Selbstwert gesucht“ werden.


Wozu gibt es Scham? Die Psychologie weiß, dass sie „in zwischenmenschlichen Kontakten Grenzen setzt, die dem Schutz der eigenen Individualität dienen. Mit der Entwicklung des Selbstwertgefühls ist eine Regulierung von Nähe und Distanz zu unseren Bezugspersonen möglich. Und genau an dieser Grenze haben bei Menschen, die von grosser Scham betroffen sind, viele Grenzverletzungen stattgefunden.“

Selbstmitleid und Scham hängen fest zusammen. Selbstmitleid ist eine gute Methode, die Scham auf jemand anderen abzuwälzen: Man muss die Scham nicht mehr selbst fühlen, sondern kann den Anderen (zum Beispiel Partner, die Kinder) für sich denken und fühlen lassen.

Von allen negativen Gefühlen empfinde ich diese beiden als mit die Übelsten. Scham hat so etwas total Selbstablehnendes/Selbst Anklagendes und das dazugehörige Selbstmitleid macht es noch mal schlimmer. Totale Hilflosigkeit, Wehrlosigkeit, gleichzeitig eine passiv-aggressive Art des sich Entziehens vor der Eigenverantwortung. Sich selbst verkleinern, um nicht zu sich selbst stehen zu müssen. Der Zweck scheint zu sein, ein irgendwie geartetes Identitätsgefühl aufrecht zu erhalten, auch wenn der Preis der ist, dass man sich selbst hasst. Lieber sich selbst hassen, lieber Opfer der eigenen Unzulänglichkeiten sein, als gar nichts zu sein. (Link)

Schämt sich der Familienvater dafür, dass seine Frau sich ihm gegenüber sexuell verschließt, dann kann er seiner Familie gegenüber den Depressiven heraushängen lassen. Die Söhne oder besonders sogar die Tochter ist darin aufgefordert, sich besonders um ihn zu kümmern und die Nähe zu geben, die er von seiner Frau nicht bekommt. Die Scham über die Verlassenheit von seiner Frau muss er dann nicht fühlen und nicht an sie denken, allein seine Kinder sind dann dafür zuständig, ihm Nähe zu geben. Diese denken und fühlen dann seine Frustration und Traurigkeit.

Briendl beschreibt, „was Scham in der extremsten Form beinhaltet: das Gefühl, gefangen und gefesselt zu sein, das Gefühl der Versteinerung und Ausweglosigkeit.“ Und wir erfahren, woher sie kommt:

Scham ist, wie Wurmser sagt, „die verhüllte Begleiterin des Narzissmus“ (1997, 24). Sie taucht
besonders in solchen Familienbeziehungen auf, deren Mitglieder verstrickt sind in gegenseitige
Entwertungen, Verheimlichen oder Manipulationen. D.h. wenn die persönliche Grenze oder
Integrität des Einzelnen nicht respektiert wird.

Hier ein passendes Buch: Miriam Moschytz-Ledgley: Trauma, Scham und Selbstmitleid. Vererbtes Trauma in Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“


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