Mannwerdungsblog

Gefühle miteinander in Ordnung bringen

Posted on: 10. Dezember 2011

Im Beziehungsgewirr ist es wichtig, die Gefühle zueinander immer weiter zu entwickeln. Aus einem Vortrag von Thomas Kahl auf Pagewizz stammt dieser kurze Abschnitt, der Rest des Artikels ist aber für alle interessant, die gerne weiter an ihrer Authentizität als Mann (auch als Frau) in einer Beziehung arbeiten möchten. Er verwendet dafür das Bild zweier Menschen an zwei Ufern eines Flusses:

Ich formuliere die Frage anders: Was ist nötig, damit wir uns selbst und dem Partner vertrauen können? Zuverlässigkeit ist nötig! Kann ich mich auf mich selbst und meinen Partner verlassen? Halte ich, was ich verspreche, tue ich auch, was ich mir vorgenommen und mit meinem Partner abgesprochen habe? Kann ich mich auf die Aussagen meines Partners verlassen?

Die Brücke, die Beziehung, die Metaebene hält nur, wenn sie nicht auf Sand gebaut ist, wenn sie nicht aus Illusionen, Unwahrheiten, leeren Versprechungen, Beteuerungen und Absichtserklärungen, aus unbegründeten oder nicht zu erfüllenden Hoffnungen besteht. Die Haltbarkeit ist eine Angelegenheit konkreter Taten, sie gründet auf realisierten vertrauensbildenden Maßnahmen, d.h. auf den praktischen Erfahrungen, die ich mit mir und meinem Partner mache. Wenn ich erfahre, dass mich mein Partner liebt, brauche ich ihn nicht zu fragen, ob er mich liebt. Woran merke ich, ob mich mein Partner liebt, ob ich ihm wichtig bin? An dem, was er tut – Liebe ist, was Liebe tut. Was ist mir wichtiger – mein Eigenes oder das, was der Partnerschaft dient? Was mir wichtiger ist, worauf ich meine Aufmerksamkeit richte, das kann mein Partner eindeutig erkennen: an meinem Verhalten, an meinem Tun.

Kümmere ich mich um meinen Partner, wenn es ihm schlecht geht? Oder verhalte ich mich dann hilflos und irritiert, ziehe mich zurück? Führt mein Kümmern dazu, dass es ihm tatsächlich wieder besser geht? Hält mein Partner mich für zuverlässig aufgrund von dem, was ich bislang getan habe? Er wird mir nur glauben, wenn ich die Wahrheit spreche, wenn sich mein Tun und Reden deckt. Bin ich so sicher, dass ich auch unsicher sein kann, dass ich zugeben kann, unsicher zu sein? Kann ich zu meinen Fehlern und Schwächen offen stehen, sie zugeben? – Solange mich Angst davor hindert, weiß mein Partner nicht, woran er bei mir ist, solange mangelt es mir an Vertrauen.

Als Menschen von verschiedenen Ufern haben wir selbstverständlich unterschiedliche Angewohnheiten und Vorstellungen davon, wie mit Sachen und Aufgaben angemessen umzugehen ist. So betrachte ich z.B. meinen Partner beim Kochen. Es soll weich gekochte Eier geben. Mein Partner legt zwei Eier in einen Topf mit kaltem Wasser und schaltet danach die Herdplatte an. Mir kommt das seltsam vor – wo ich doch immer die Eier in kochendes Wasser lege. Vielleicht mache ich meinen Partner darauf aufmerksam, dass das Wasser im Topf noch kalt ist.

Wenn wir uns gegenseitig respektieren, wird mir mein Partner ruhig erklären, dass er Eier immer so kocht und ich werde ihn gewähren lassen – gespannt, ob ihm die Eier gelingen. Andere Partner können angesichts ähnlicher Situationen in echten Streit geraten, wobei es darum geht, wer Recht hat und wer Unrecht, wer kompetenter ist, was die richtige Vorgehensweise ist, usw. Jedoch: Verschiedene Menschen kennen für gleiche Aufgaben verschiedene Lösungsmöglichkeiten, die durchaus gleich gültig und angemessen sind – jede Lösungsmöglichkeit hat ihre Vor- und Nachteile – vielleicht ist der eine Weg etwas mühsamer und langwieriger als der andere. Brückenpartner können sich über die Vor- und Nachteile in Ruhe unterhalten, um dann zu entscheiden, welcher Weg am günstigsten ist oder – dass jeder weiterhin den Weg benutzt, den er gewohnt ist, mit dem er sich gut auskennt.

Das Ziel des Umgangs sehe ich darin, zu Lösungswegen und Lösungsergebnissen zu gelangen, die den Bestand der Partnerschaft fördern und zugleich die persönliche Entwicklung jedes einzelnen, ohne dass sich einer vom anderen bevormundet oder diesen einschränkt oder mit Misstrauen betrachtet. Es geht nicht darum, dass die Partner einander ähnlicher werden oder sich aneinander anzupassen hätten, dass die Unterschiede einzuebnen wären.
Stattdessen geht es darum, die Verschiedenheiten als Realitäten wahrzunehmen und als einander bereichernd zu erkennen. Die Aufgabe besteht dann darin, die Verschiedenheiten mit wachem Blick kennen zu lernen, zu betrachten und mit diesen zu leben, indem man sie – wo es notwendig oder wünschenswert ist – überbrückt.


Unsere Versuche, Gemeinsamkeit herzustellen, führen uns selbstverständlich immer wieder dort zu Konflikten, wo wir die Verschiedenartigkeit des Partners noch nicht klar genug wahrgenommen haben. Aber diese Dinge, die ich eben gesagt habe, können uns helfen, einen besseren Blick für die Eigenarten des Partners zu bekommen.  Konflikte haben den Sinn, uns unsere Verschiedenartigkeit dort klar werden zu lassen, wo wir sie nicht kennen oder beachten, und wo wir vorschnell unserem Partner Gemeinsamkeit und Ähnlichkeit mit uns unterstellen, ohne dass sie da ist. 

 

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