Mannwerdungsblog

Voraussetzungen für Empathie

Posted on: 13. Oktober 2011

Und hier noch ein sehr guter Artikel zu Empathiefähigkeit bei Philognosie. Er beginnt mit einem Muster-Beispieldialog:

Vorwurf des Mannes: (stinksauer) „Gestern bist du spätnachts schon wieder besoffen nach Hause gekommen.“

Frau: „Du ärgerst dich, dass ich gestern getrunken habe, weil du lieber mit mir zusammen gewesen wärst?“

Mann: „Nein, wenn du etwas sinnvolles tun würdest, hätte ich nichts dagegen, wenn du auch mit anderen zusammen feiern willst“.

Frau: „Machst du dir Sorgen, dass ich mit dem Trinken meine Gesundheit ruiniere und dir mein Wohlbefinden wichtig ist“.

Mann: „Das ist mir natürlich auch wichtig, aber ich ärgere mich darüber, dass ich wegen dir nicht schlafen konnte.“

Frau: „Du konntest wegen meines Alkoholgestanks nicht schlafen?“

Mann: „Genau – und gerade heute habe ich noch einen wichtigen Kundentermin, den ich nicht verseppeln will“.

Frau: „Du machst dir Sorgen, dass du wegen deiner Müdigkeit nicht aufmerksam genug auf die Wünsche deines Kunden eingehen kannst“.

Mann: „Genau und deswegen lege ich mich jetzt nochmal eine 1/2 h hin“.

Sehr wichtig und interessant sind die Voraussetzungen, die in diesem Artikel angesprochen werden, während das in anderen Texten oft unter den Tisch fallengelassen wird:

Ein empathischer Kontakt kann erst hergestellt werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

1. Den anderen ernst nehmen.
Hier handelt es sich um eine wichtige Grundeinstellung. Der andere Mensch will uns nicht ärgern, oder beleidigen, sondern es geht ihm tatsächlich um etwas – für ihn Wichtiges. Auch wenn er das womöglich nicht in einer Form ausdrückt, die uns das nahe legt (womöglich in Form eines Vorwurfs oder einer Beleidigung/Bewertung, z.B.: „Sie sind ein sehr schlampiger Mensch“).

2. Sich über sich selbst klar sein.
Derjenige, der empathisch agiert, ist sich seiner eigenen Situation, Bedürfnisse und Gefühle bewusst. Er überprüft sich selbst: Fühle ich mich derzeit in der Lage, dem anderen auch zuhören und Empathie geben zu können? Oder bin ich selbst so müde, erschöpft, gestresst, dass ich mich lieber – bevor ich ein Gespräch führe – erstmal hinlege und mich fit mache.

Auch sollen hier Vorbehalte gegenüber dem anderen Menschen bemerkt werden, z.B. „der will ja nur, dass ich ihn bemitleide“.Wer solche Vorbehalte hat, ist nicht in der Lage einen empathischen Kontakt herzustellen. Hier besteht der erste Schritt darin, die eigenen Vorurteile als solche zu erkennen und sich klarzumachen, dass der andere ernst genommen werden will (siehe Punkt 1).

3. Die eigene volle Aufmerksamkeit der anderen Person schenken
– deren Lebensumstände, Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen (und ggf. zu paraphrasieren), d.h. eigene Werturteile, Ansichten nicht in das Gespräch miteinzubringen. Denn es geht darum, den anderen zu verstehen. Andere Menschen zu verstehen hat nichts damit zu tun, dass man ihnen zustimmen oder ihre Werte und Überzeugungen teilen muss.

4. Sich Zeit für den anderen nehmen.
Der andere soll die Möglichkeit bekommen, sein Anliegen vollständig auszudrücken. Geben wir ihm nicht genug Zeit, so kann es schnell passieren, dass er sich gehetzt oder übergangen fühlt. Wenn er nicht all seine Gefühle und Bedürfnisse aussprechen kann, lassen wir ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit unzufrieden zurück.

Und hilfreich ist auch die Abgrenzung zu wenig empathischem Verhalten:

Was hat mit Empathie nichts zu tun?

Um sich dem Begriff der Empathie noch weiter zu nähern, ist es hilfreich, Verhaltensweisen zu kennen, die sich von Empathie abgrenzen, die also nichts mit Empathie zu tun haben. Stellen wir uns zur Veranschaulichung folgende Situation vor: Der Hamster unseres Freundes ist gestorben.

  • Informationen erfragen: „Wann und woran genau ist denn dein Hamster gestorben?“
  • Belehren: „Das wird deine Lebenserfahrungen noch reicher machen…“
  • Ratschläge: „Sprich doch mal mit deiner Freundin Sabine. Ihre Katze ist letzten Monat überfahren worden und sie hat diesen Verlust gut bewältigt.“
  • Eins draufsetzen: „Das ist noch gar nichts, letzten Monat sind meine beiden Hunde überfahren worden…“
  • Erklärungen abgeben: „Leben und Tod gehört untrennbar miteinander zusammen…“
  • Geschichten erzählen: „Das erinnert mich an den Verlust meines Onkels, der vor 10 Jahren…“
  • Trösten: „Du wirst drüber wegkommen…“
  • Über den Mund fahren: „Jetzt übertreib‘ mal nicht, sei froh, dass es sich nicht um einen Menschen handelt, den du liebst…“
  • Bemitleiden: „Du Armer – das tut mir schrecklich leid…“
  • Verhören: „Wie lange hat denn sein Todeskampf gedauert…“
  • Verbessern: „Sei nicht traurig, das ist gar nicht so schlimm – es gibt so viele Hamster, die sich über ein gutes Zuhause freuen…“

     

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