Mannwerdungsblog

Nein sagen, ohne zu verletzen

Posted on: 6. Oktober 2010

Nein sagen und Grenzen ziehen ist ein schwieriges Kapitel für den emotional Missbrauchten. Entweder er unterlässt es oder er drückt es brutal durch. Im Artikel Selbstbewusstsein – wie stärken und aufbauen werden die Gründe beleuchtet. Interessant ist es, dass wir manchmal ja durchaus „nein“ sagen können. Wann ist das?

Begünstigende Faktoren dafür, dass wir es schaffen, Nein zu sagen, sind: Wir sind uns der Sympathie des anderen sicher. Wir glauben, dem anderen überlegen zu sein. Der andere ist uns gleichgültig. Wir sind ärgerlich, glauben, im Recht zu sein. Wir glauben, uns wird nichts Schlimmes passieren. Uns ist egal, was der andere von uns denkt.

Eine Sehr gute Hilfe, Nein zu sagen, ist zunächst die Beobachtung, was die Gedanken beim Neinsagen oder Nicht-Neinsagen sind. Und wie sie sein könnten. Typisch für den Muttersohn in Beziehungen sind meiner Meinung nach diese hier:

Blockierender Gedanke:
Wenn ich Nein sage, dann bin ich schuld, dass der andere enttäuscht, verärgert oder verletzt ist.
Hilfreicher Gedanke:
Ich weiß nicht, ob der andere enttäuscht, verletzt oder verärgert reagieren wird. Er könnte meine Argumente auch einsehen oder akzeptieren. Wenn er aber negative Gefühle verspüren sollte, dann ist er für diese verantwortlich. Ich sage lediglich meine Meinung. Wie er damit umgeht, ist seine Sache. Ich habe das gleiche Recht wie er, Wünsche zu äußern.

Blockierender Gedanke:
Wenn ich Nein sage, dann bin ich herzlos und egoistisch (und das möchte ich nicht sein).
Hilfreicher Gedanke:
Indem ich einmal meinen Wunsch äußere, werde ich nicht zu einem egoistischen Menschen. Der andere ist dann genauso egoistisch, denn er äußert seinen Wunsch ebenfalls.

Zeit zu Leben bricht die Thematik noch weiter auf. Wie kann man nein sagen? Zum Beispiel so:

  • „Ich kann verstehen, dass es dir nicht gefällt, wenn ich jetzt „nein“ sage. Ich möchte mir aber deswegen keine Schuldgefühle machen lassen.“

Am Ende des Artikels geht es darum zu lernen, auf die sanfte Art „nein“ zu sagen. Ein wichtiges Detail beim Neinsagen.

Wichtig beim Nein-sagen ist vor allem, klar zu sein, aber dabei nicht brutal. Wenn Sie etwas nicht tun wollen, dann sollten Sie das so deutlich sagen, dass der andere es nicht missinterpretieren kann. Das aber kann man behutsam und freundlich tun, so dass das Nein nicht verletzt.

Hier finden Sie eine Reihe von Möglichkeiten, wie Sie respektvoll „nein“ sagen können:

Das Nein begründen – Sie brauchen sich zwar nicht zu rechtfertigen, aber Sie können Ihr Nein begründen. Das macht es dem anderen leichter, es anzunehmen. Wenn sich z.B. ein Kollege zu Ihnen setzen will, Sie aber gerade in einem wichtigen Gespräch vertieft sind, bei dem Sie keinen anderen dabeihaben möchten, dann können Sie genau das sagen: „Oh, ansonsten jederzeit gerne – nur jetzt besprechen wir gerade etwas Persönliches.“ Hier bitten Sie selbst um Rücksichtnahme und motivieren so Ihr Nein. Auf diese Weise wird deutlich, dass sich das Nein nicht gegen die Person richtet, sondern andere Ursachen hat.

Verständnis zeigen – Indem Sie Verständnis für die Bitte des anderen zeigen, wirkt jedes Nein schon viel weicher. Sagen Sie so etwas wie „Dass du so im Zeitstress bist, tut mir sehr leid – aber ich kann dir leider heute trotzdem nicht aushelfen.“ oder „Ihr Team steht da wirklich stark unter Druck. Leider ist es trotzdem nicht möglich, dass eine Arbeitskraft von uns zu Ihnen wechselt.“

Bedanken – Eine schöne Geste ist, sich dafür zu bedanken, dass der andere einem die Aufgabe zutraut oder das Vertrauen in uns hat: „Ich fühle mich geehrt, dass Sie da an mich denken, aber mein Terminkalender ist leider komplett voll.“ oder „Das ist ein wundervolles Kompliment, dass du mir das zutraust, aber ich kann leider nicht.

Mit Humor – In manchen Situationen ist Humor eine wundervolle Möglichkeit, ein Nein zu verpacken. Aber Vorsicht: nicht jeder versteht jede Art von Humor! Im Zweifelsfall sollten Sie deshalb doch lieber eine neutrale Formulierung wählen.

Manchmal reicht auch ein Teil-Nein – Häufig muss man gar kein striktes Nein sagen. Wenn Sie z.B. nur heute keine Zeit haben, es Ihnen aber nichts ausmachen würde, die Aufgabe morgen zu übernehmen, dann können Sie das genauso sagen. Oder vielleicht sind Sie bereit, einen Teil der Bitte zu erfüllen, dann bieten Sie das an.

Gegenangebot machen – Es ist auch möglich, einen Gegenvorschlag zu machen – also vielleicht eine andere Idee anzuregen, wie derjenige sein Anliegen lösen kann. Sie zeigen damit, dass Ihnen der andere nicht egal ist, machen aber auch klar, dass Sie nicht zur Verfügung stehen.

Gut für die Selbsterkenntnis ist der Denkanstoß zum Schluss:

Und hier haben wir noch einen spannenden Denkanstoß für Sie: Überprüfen Sie einmal, wie Sie selbst damit umgehen, wenn jemand anders „nein“ sagt.

Können Sie das Nein akzeptieren oder neigen Sie selbst dazu, den anderen umstimmen zu wollen?
Finden Sie es angemessen, wenn andere Ihren Bitten nicht immer nachkommen oder fühlen Sie sich dann verletzt oder beleidigt?
Können Sie mit Ihrer Enttäuschung gut umgehen oder werden Sie wütend?

Wenn Sie sich diese Fragen ehrlich beantworten und ggf. hier im Sinne des „Rechts zum Nein-sagen für alle“ etwas an sich arbeiten, wird es Ihnen auch leichter fallen, sich dieses Recht selbst zu nehmen.

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2 Antworten to "Nein sagen, ohne zu verletzen"

Eine gute Zusammenfassung der verschiedenen Möglichkeiten, nein zu sagen, gleichwohl einem vorher klar sein sollte, was der eigene Wille ist.

Mir fällt eben auf, dass es hier eigentlich um die Werte geht. Der Wille entsteht, weil man einen Wert hat, nach dem man handelt.

Zum Beispiel hier: „Oh, ansonsten jederzeit gerne – nur jetzt besprechen wir gerade etwas Persönliches.“ Was ist da der Wert, was ist mein Wille? Der Wert könnte etwa sein, dass ich meinen Raum bestimmen kann, wer dort hineindarf.

Ich spüre, dass ich diesen Wert etwa nicht ganz vertreten kann. Wer in mein Gespräch reinplatzt, den finde ich zwar lästig, aber so ist das halt. Pech für mich und mein Gegenüber. Die Möglichkeit, dass ich den Willen habe, jemanden unpassenden abzuweisen, sehe ich nicht ohne den Wert, dass dieses Gespräch und der persönliche Rahmen vorgehen.

autumn, weißt du, was deine Werte sind?

Schreib mir, was du dazu denkst! Hast Du das bei Dir oder jemand anderem auch beobachtet?

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