Mannwerdungsblog

In deiner Eifersucht liegt Selbstanklage. Die Verhinderung (sexueller) Hingabe folgt auf dem Fuße

Posted on: 1. Oktober 2010

Was ist die Eifersucht? Ein ganz subtiler Prozess, der viel beinhaltet, wie schon das NeueReligionWiki feststellt.

Für mich kommt dieses Gefühl ganz unangemeldet hoch. Wenn ich gerade einsam bin und in Gedanken bei ihr. Dann spielt Konkurrenz plötzlich eine große Rolle: Kann ich gegen einen anderen bestehen? Mache ich genug? Ist es ausreichend? Und dahinter steht schon wieder die Frage „Bin ich genug?“ Das reicht schon für die Selbstanklage .

Die Eifersucht ist ein Empfinden wie jedes andere, das unangemeldet heraufkommt. Es fühlt sich zwar unangenehm an, aber doch ist es harmlos, wenn man sich deswegen nicht anklagt und sich nicht in dieses Empfinden hineinsteigert. Eifersucht wird erst da mühsam, wenn sie auf den anderen projiziert wird und dem anderen die Schuld dafür gibt: „Du hast mich eifersüchtig gemacht.“ Das stimmt so nicht; die Eifersucht entspringt in einem selbst und verebbt wieder, wenn man sich bewußt macht, daß sie aus einer falschen Ausrichtung entspringt. Um die Eifersucht als etwas Neutrales ansehen zu können, sollte man sich bewußt machen, daß es immer um ein eigenes Fehlen von etwas geht. Man versucht dann irrtümlicherweise außen zu suchen, was innen fehlt.

Macht man sich die wahren Gründe der Eifersucht bewußt, so ist es möglich, daß sich die Eifersucht abschwächt und sogar für immer verschwindet.

Was passiert mit der Konkurrenz, woher kommt sie? Warum klage ich mich an?

Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang damit, dass sich Menschen als Ware sehen, die nicht unter Wert verkauft werden darf. Wie Produkte geht es zwischen den Geschlechtern also um die „Herstellung einer Distanz zum Zwecke der Wertsteigerung“ .  hier aus dem Blickwinkel von der Frau auf den Mann:

Je mehr er kämpfen muß, desto besser. Man darf es ihm nicht zu leicht machen, sonst „sinkt man im Wert“.

Am schlimmsten ist es, wenn der Mann auch noch an anderen Frauen interessiert ist und diese ebenfalls in Reichweite seiner Befriedigungsmöglichkeiten stehen: In diesem Fall läuft die Frau, die sich für besonders wertvoll hält (und welche tut das, allein schon um ihrer Würde und Selbstachtung willen, nicht?), Gefahr, wie ein überzähliges Produkt gegen Konkurrenzprodukte ausgespielt und damit auch schon wieder unangenehm entwertet zu werden. Wie heißt es doch: „Überangebot drückt den Preis.“ Das beste ist also, das Gesichtsfeld des Mannes verschmälert sich derart, daß er nur noch Augen für eine hat; noch besser ist es, wenn er sich unsterblich verliebt. So kann man ihm unbarmherzig die Daumenschrauben anlegen und ihn solange zappeln und wimmern lassen, bis er bereit ist, auf jegliche Forderung und Verpflichtung einzugehen. Der Raffinierte wird das natürlich nur zum Schein vortäuschen und damit sein Ziel eher erreichen als der Ehrliche, der schon endgültig durch die unerbittliche Vorprüfung fällt und sich dann auch noch aus Anständigkeit und Fairneß heraus vorzeitig geschlagen gibt.

Ein besonderer Nutzen in diesem „Spiel“ liegt in der Tatsache, daß sexuell entflammte Männer aufgrund der zunehmenden Verwirrung ihres Denkens und Fühlens eine besonders große Bereitschaft zeigen, auch noch die schwierigsten Hürden zu überwinden, um endlich ans Ziel ihrer Träume zu gelangen. Auch dieser Umstand erhöht wiederum den „Wert“ der betreffenden Frau. Würde sie sich auf sofortigen und freimütigen sexuellen Kontakt einlassen, so sänke dieser aber schlagartig. Der befriedigte Mann ist wesentlich weniger lenk- und erpreßbar; verliert die hormonelle Euphorie an Wirkung, dann sieht er sein weibliches Gegenüber zumeist mit nüchterneren Augen und ihm fallen dann auch die weniger hübschen und attraktiven Merkmale auf — was ihren Marktwert wiederum gefährlich herabsetzt. Also hält man ihn möglichst in einem ständigen Zustand der Überhitztheit und des sexuellen Überdrucks.

So kann die Frau die Macht erhlaten und muss sich selbst nicht über ihre eigenen Schwächen klar werden und sie annehmen. Hier schließt sich der Kreis zum vorzeitigen Samenerguss. Die Hingabe ohne Furcht und mit echter Offenheit wird so nahezu unmöglich.

Für die Frau ist das nicht anders, und das schlägt auf die Männer zurück:

Aufgeschlossenheit gegenüber mehreren Männern, vielleicht sogar völlig nach momentaner Lust und Laune, macht aus der Frau dann das Gegenteil einer „Dame“, und sie wird als schmierig, schmutzig, gewissenlos und liederlich angesehen. Aber soweit kommt es mit der durchschnittlichen Vertreterin der Weiblichkeit natürlich niemals, denn genau diese Bilder, die sich ihr manchmal aufdrängen, wenn sie von Männern umworben wird oder auch nur an sie denkt, wirken dann in all ihrer bedrohlichen Abschreckung auf sie ein und machen ihr klar, was sie auf keinen Fall tun darf — auch nicht ein einziges Mal, denn sonst verlöre sie ein für allemal vor sich und anderen den Nimbus ihrer Würde.

Selbst Männer fangen an, den Schwindel von der Ehrbarkeit der Unnahbaren zu verinnerlichen und gerade zu dieser Art Frau, die so viel scheinbaren Wert ausstrahlt, hinzustreben.

Weil die Sache so nicht klappt und niemals klappen wird, beginnt der Mann ein Leben der Ersatzbefriedigungen zu führen: teure Autos, schnelles Fahren, Geld, Prestige, Ehrgeiz, Macht, wirtschaftlicher oder politischer Einfluß, Konkurrenz, Übervorteilung, Leistungssport, Extremsport, Kampf — bis hin zum Krieg als ultimativem Orgasmusersatz.

Da ist sie wieder, die Konkurrenz. Das hieße, dass ich mich in diesen Momenten der Eifersucht und des Vergleichs anklage, dass die „Wert“-volle distanzierte entfernte Frau etwas hat, das mir fehlt. Eine alte Oneitis-Erkenntnis: Die Frau gibt mir etwas, was mir im Inneren fehlt, zumindest erwarte ich das unterbewusst von ihr.

Der Konkurrenzgedanke sorgt dann dafür, dass das so bleiben kann, dass ich weiterhin zu ihr aufblicke und sie davor schütze, ihre eigenen Schwächen zu betrachten. Das wäre ja wiederum etwas, was der Muttersohn in seiner Kindheit gelernt hat. Kann es sein, dass das wirklich so absurd ist?

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4 Antworten to "In deiner Eifersucht liegt Selbstanklage. Die Verhinderung (sexueller) Hingabe folgt auf dem Fuße"

Hallo Mannwerdung,
ich gebe zu, ich habe diesen Post eher quer gelesen, als ausführlich durchdacht. Und ich verstehe nicht so ganz, wen du wo zitierst und was dein eigener Beitrag ist. Das Querlesen kam auch daher, dass bisweilen ziemlich dolle mit Klischees umeinandergeschmissen wird. Die Frau, die für den Mann dann wertvoll ist, wenn sie sich ziert, aber nicht, wenn sie sich hingibt. Und der hormongesteuerte Jäger, dem die Beute umso begeherlicher erscheint, je unerreichbarer sie wirkt. Hm … wie jedes Klischee, hat sicher auch dieses den einen oder anderen interessanten Kern, der es wert ist, genauer betrachtet zu werden. Aber was hat das alles mit Eifersucht zu tun? Und wie definierst du Eifersucht? Ein Gefühl mangelnder Kontrolle? Ein Gefühl der Verletztheit, weil das Treuegelübde verletzt wurde? Angst davor, dass die eigene Begehrlichkeit nicht ausreicht und dadurch das Treuegelübde verletzt werden könnte?
fragt ratlos
mayarosa

Ich bin ja auf der Suche nach dem Kern meiner Gefühle. Und leider scheint mir das Leben im Kern gesteuert von solchen Klischees, die ich an mir und an Frauen (die das möglicherweise abstreiten würden) beobachte.
Der Eifersuchtsgedanke, selbst nicht genug zu sein, hat viel mit der Selbstdarstellung als Ware zu tun. Oder mit Perfektionismus: Genüge ich ihr? Genügt sie mir? Bin ich es wert? Ist jemand anderes mehr Wert?
Es ist also eher die Angst mangelnder eigener Begehrlichkeit, ja.

Das gemeine ist: Wenn ich mich davor ängstige, mindert das wieder meinen Wert.

Ich habe mir das alles hier auch als Notiz aufgeschrieben, die Gedanken sind noch nicht ganz zusammengeführt. Aber die zitierten Passagen haben mich angesprochen.

Zum Zitieren: Normalerweise ist der hervorgehobene farblich hinterlegte Absatz das Zitat, der letzte Link davor ist die Quelle.

Hallo,

Ich erkenne mich darin überhaupt nicht wieder und frage mich, inwieweit Leute wirklich so gesteuert sind.

Das „Spiel“ welches hier beschrieben wird, gibt für mich das Denk- Schema der „Pick-up“-Männer und der „The-Rules“-Frauen wieder.
Vielleicht etwas, was durch Anwendung und in bestimmten Gesellschaftbereichen verstärkt weitergegeben wird. Das eine ist die Ursache des anderen, was wiederum das Erste weiter bedingt usw.

In meinen Beziehungen habe ich das nicht erlebt.
Der erste Sex fand jeweils verhältnismäßig früh statt, aber es war… wie soll ich sagen… von beiden Seiten gewollt und eben „einfach nur Sex aufgrund gegenseitigen Verlangens“. Ich habe mich nicht als leichte Beute gefühlt und umgekehrt nicht das Bedürfnis, meinen Freund mit Sex in irgendeiner Form zu manipulieren. Sex fand einfach statt und wenn nicht, war das nicht Anlass zur Kränkung. Da war einfach ein Grundvertrauen, das wir uns gegenseitig gaben.

Was nicht heißt, dass wir alle nicht auch nen Knick im Selbswertgefühl hatten. (Wer hat das nicht?)

Diese „Tests“ von denen in Pick-Up-Bereichen ja auch gesprochen wird sind mir ebenfalls völlig fremd. Sind das nicht eher Verhaltensweisen, die Frauen (oder auch Männer?) aus mangelndem Selbstvertrauen / bestimmten Rollenvorbildern / … an den Tag legen?
Ich halte es jedenfalls keinesfalls für ein verallgemeinerbares Verhalten.

Wie seht ihr das?

Hallo Chiara,

danke für deinen Kommentar! Die Tests, die du erwähnst, da stimme ich dir zu, sind praktisch immer in mangelndem Selbstvertrauen zu suchen.

Und ebenso ist die Überlegung, wie ich sie im Oktober 2010 niedergeschrieben habe, ein Zeichen für mein eigenes fehlendes Selbstvertrauen: Allein dass man glaubt, dass der eigene Wert (wem gegenüber auch immer) gemindert werden könnte, ist sehr ungünstig und wird immer zu irgendwelchen Selbstwertproblemen führen.

Die Ursachen mögen im Rollenverständnis liegen, das man in der eigenen Familie oder dem gesellschaftlichen Umfeld mitbekommen hatte oder durch Verwirrung durch den ganzen Pickup-Kram, der ständig mit dem eigenen und dem Wert des gegenübers arbeitet (DHV/DLV).

In dem Artikel ging es allerdings eher darum, dass viele Menschen, gerade, wenn sie verliebt sind, in ihrem innern dem Anderen einen höheren Wert geben. Sie glauben, der andere ist so wertvoll, dass er einem ein besseres Leben o.ä. geben könne.
Kulturell ist das Alles jedoch tief verwurzelt im Madonna-Huren-Komplex, der Frauen einredet, dass sie sich mit Sex beschmutzen würden (und Männer in sexuell aktiven Frauen eine „beschmutzte“ Frau sehen lässt), und sie (oft) dazu bringt, sich mit verschiedenen Mitteln weniger zugänglich und kalt und abweisend zu machen.

Schreib mir, was du dazu denkst! Hast Du das bei Dir oder jemand anderem auch beobachtet?

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