Mannwerdungsblog

Internalisierte Scham: Die Unzulänglichkeit der eigenen Person

Posted on: 9. Mai 2010

Die kürzeste Definition findet sich hier:

Internalisierte Scham („sich schämen“) ist mit der Abwertung des eigenen Selbst verbunden.

Und: „In der Regel ist es ja so, dass die diskriminiertesten Gruppen, die am meisten Verfolgten, keine andere Abwehr zur Verfügung haben, als internalisierte Scham und „Identifikation mit dem Aggressor“. “

In einer Veranstaltungsausschreibung für August 2010 heißt es:

Internalisierte Scham ist mehr als eine tiefe und intime Beziehung der Selbstablehnung und bezieht sich auf uns als ganze Person, auf unser So-Sein. Scham verstellt uns den Weg zu uns selbst. Ein endloses Versteckspiel vor meinem Wesenskern und vor der gefühlten Begegnung mit anderen erhält die Dynamik am Leben. Internalisierte Scham mehr als ein „soziales“ Gefühl. Sie wird zum Zentrum von Selbstentwertung, Entblößung, Selbsthass und bildet den Kern einer schmerzlichen Selbstentfremdung.

Scham ist eine innere, psychophysische Dynamik, die tief in unsere Selbstregulation und damit in unsere interpersonale Kontakt- und Beziehungsfähigkeit eingreift. Wir bleiben sprachlos und können uns selbst nicht aus diesem inneren psychophysiologischen Zustand befreien. Scham blockiert den Ausdruck aller anderen Gefühle und die vorsprachliche Entstehungsgeschichte hat keine Worte. Wir brauchen, was wir am meisten fürchten. Wir brauchen den feinfühligen, behutsamen und oft intimen Kontakt des anderen.

Weitere Untersuchungen weisen „darauf hin, dass internalisierte Schamgefühle auf den Zusammenhang, der zwischen elterlicher Überprotektion und bulimischer Symptomatik besteht, als Moderatoren wirken.“

Wie dargestellt (vgl. 3.2.3.2) wird Ambiguitätsintoleranz als ein Persönlichkeitsfaktor diskutiert, der für die Entstehung depressiver Störungen von Bedeutung ist. Patienten mit unipolaren Störungen und Angststörung waren in der hier vorgelegten Untersuchung amibiguitätsintoleranter als Patienten ohne Angststörung (SIA), das heißt, sie waren stärker bestrebt, uneindeutige interpersonelle Situationen zu meiden. Auch zeigten sie mehr internalisierte Scham (ISS) und mehr habituelle Ängstlichkeit.

Mit der Scham verbunden ist das auslösende Trauma:

Theoretische Einordnung von Schamgefühlen in das kognitive Modell
Schamgefühle sind typische, nicht angstbezogene emotionale Konsequenzen auf dysfunktionale sekundäre Interpretationen des Traumas und seiner Konsequenzen. Das Trauma und die Bewältigungsversuche werden als persönliche Katastrophe interpretiert, die den eigenen Wert, das Ansehen und die Akzeptanz der eigenen Person durch andere herabsetzen. Normverstöße durch andere Menschen (z.B. den Täter) werden vernachlässigt.

Für den therapeutischen Umgang mit Schamgefühlen ist bedeutsam, dass sie zu umfassenden und belastenden affektiven Reaktionen führen können.

Als behaviorale Konsequenzen sind Rückzug (Gramzow & Tangney, 1992), bzw. andere Formen von Unterwerfung (Vermeidung von Augenkontakt, das Gesicht wegdrehen, den Kopf senken (Lee, Scragg & Turner, 2001)) zu erwarten. Es wird vermutet, dass Schamgefühle interpersonellem Vermeidungsverhalten bzw. der Vermeidung der intensiven Auseinandersetzung mit dem Trauma zu Grunde liegen. Eine frühzeitige Identifikation und Benennung der Schamgefühle kann es den Patienten leichter machen, sich der Auseinandersetzung mit dem Trauma zu stellen.

Die ISS ist eine Studie, die Scham als einen Bewußtseinszustand von der Unzulänglichkeit der eigenen Person konzeptualisiert.

Internalisierte Scham- Skala
Die Internalisierte Scham- Skala (ISS) wurde 1987 von Cook bereitgestellt. Anhand von vier Skalen sollen verschiedene Schamaspekte erhoben werden und Beziehungen zwischen klinischen Störungsbildern und Schamempfinden aufgedeckt werden.
Zum theoretischen Hintergrund der ISS heißt es: Scham bezieht sich auf die ganze Person. Eine schlechte Leistung wird als Widerspiegelung eines schlechten Selbst betrachtet, das seinen Ausdruck in Gefühlen der Wertlosigkeit und Minderwertigkeit findet. In diesem Zusammenhang kommt der tatsächlichen oder vermeintlichen Missbilligung durch Andere eine herausragende Rolle bei dem subjektiven Erleben der Scham zu. Nach Cook lassen sich internalisierte Schamempfindungen auf eine familienbedingte Disposition für Sucht und auf Verlust- und Ablehnungserfahrungen zurückführen. Scham wird als so schmerzhaft empfunden, dass Abwehrmechanismen zur Schamverringerung eingesetzt werden.

Internalisierte Scham ist verwandt mit toxischer Scham, die ich separat betrachte.

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1 Response to "Internalisierte Scham: Die Unzulänglichkeit der eigenen Person"

[…] Bradshaw in seinem Buch über die Scham NLP als die wirkungsvollste Technik beschreibt um mit der „internalisierten Scham“ (siehe auch toxische Scham) […]

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