Mannwerdungsblog

Kritisch quergelesen: Mütter und Söhne – Wege zu einem entspannten Miteinander

Posted on: 26. April 2010

Mich erschüttert, wie Gefühle immer wieder unbewusst verletzt werden. Ein richtig schlechtes Buch, das einem aber immerhin zeigt, wie karikaturenhaft zu enge Mutter-Sohn-Beziehungen von innen tatsächlich aussehen, ist „Mütter und Söhne: Wege zu einem entspannten Miteinander“, das auch noch von zwei Co-Autoren, Mutter und Sohn, verfasst wurde.

Ich habe nur ein geradezu ironisches Kapitel gelesen, in dem die quasi-Ehebeziehung allzu offensichtlich ist: Die Mutter fährt mit ihrem Sohn statt ihrem Ehemann sogar einmal pro Jahr ausgerechnet nach Paris, der Stadt der Liebe. Über so viel Blindheit kann ich nur den Kopf schütteln. Und sie weiß sogar und bekommt es gesagt, dass sie ihren Sohn verhätschelt.

Die Kapitel sind zu allem Überfluss auch noch zusammengefasst und markieren genau die Problemlinie, an der der emotionale Missbrauch geschieht (nach den Überkapiteln mein Kommentar):

  • „Rebellion“
    Hiervor hat die überbeschützende Mutter Angst
  • „Söhne auf der Suche“
    Die Mutter kann hier mal so richtig ausspielen, wie gut sie zu ihrem Sohn ist, um sich dann bestätigen zu lassen: Mama, du bist die beste!
  • „Sorgenkinder“
    Wenn der Sohn versucht, seinen Weg trotz der dominanten Mutter zu gehen, oder wenn er so krank geworden ist, dass die Mutter sich sorgen darf
  • „Leben ohne Vater“
    Das Kernproblem der Familie. Die Mutter hat keinen Partner, der Sohn kein Vorbild. Am schönsten hier: Das Kapitel mit dem Titel „Ich hatte nie das Gefühl, wegen Peter auf irgendetwas verzichten zu müssen“ – das klingt wie Hohn, wenn man bedenkt, dass der Sohn aus seiner Not heraus alles für die Mutter getan hätte.
  • „Angst vor Trennung“
    Das psychische Kerntrauma der Mutter, das sie auf ihren Sohn überträgt
  • „Gehen und wiederkommen“
    Die Drohung und Aufforderung, die dem Niceguy eingetrichtert wurde. Ein Dipl-Psych, der anscheinend seine Klienten nicht ernst nimmt, erläutert in einem Nachwort dazu: „Loslassen und dabei glücklich sein ist eine Lüge“. Was mir nicht einleuchtet.

Reinschmökern kann man hier bei Google Books. Und dann die unbewusste Katastrophe erahnen, die sich da in vielen Familien ereignet und trotzdem akzeptiert wird, während keiner den emotionalen Missbrauch und die gescheiterten Beziehungen der Mütter sieht.

Ein unbewusstes Drama ohne gleichen, während das Autorenpaar seine eigene Verstrickung gar nicht sieht und begeistert davon berichtet.

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