Mannwerdungsblog

Müttersöhne in Beziehungen

Posted on: 15. April 2010

Auf seinen Männer-Hilfe-Seiten hat der Heilpraktiker Michael Hoffmann einen wichtigen Text über das Mannsein für Männer, Softies und Oneitis-geplagte zusammengestellt, der uns als Narzissten betrachtet:

Ganz im Gegensatz zu dieser populären Interpretation finden wir bei Menschen mit einem narzisstischen Problem eher einen Hang zur Selbstaufgabe, einem „alles für die Anderen tun wollen“, das Gefühl „alles zu geben und wenig zurückbekommen“ und auch echtes soziales Engagement.

Typisch sind ein Hang zum Perfektionismus und eine starke Beschäftigung mit dem eigenen Wert, mit Erfolg, Macht, Besitz und idealen Partnern. Gefühle wie Traurigkeit, Sehnsucht und Bedauern sind kaum wahrzunehmen. Lebens­­freude wurde bestenfalls ganz kurzfristig erlebt.

Die narzisstische Wunde entsteht in der Kindheit durch seelische Vernachlässigung und/oder einen massiven Symbioseanspruch der Mutter bzw. des Vaters.
Beides verlangt von dem Kind eine übergroße Anpassungsleistung an seine Bezugspersonen. Für das Kind ist nur noch wichtig, so zu sein wie es erwartet wird, denn nur so erreicht es Aufmerksamkeit und Anerkennung. Damit entsteht ein falsches Selbst, das „eigentlich mögliche“ Selbst geht dabei verloren.

Er selbst beteuert, in seinen Bemühungen um Frau und Kinder nicht nachgelassen zu haben. Sie aber spricht über Trennung oder Scheidung und das oft gesuchte, klärende Gespräch ist nicht möglich, bzw. völlig fruchtlos. Er sei sich durchaus auch seiner Schwächen bewusst, bemühe sich aber sehr sie zu beherrschen.

Im Laufe der Gespräche wird oft eine starke, unterdrückte Aggressivität eingeräumt. Eine Wut auf seine Partnerin, die seine Bemühungen nicht anerkennt. Einfach unerklärlich ist, wie sie denn einfach alles hinschmeißen kann.
Oft wird in den Gesprächen auch deutlich, dass er bestimmte Verhalten, Reaktionen und Gefühle an sich selbst durchaus unakzeptabel findet und nicht weiß warum er sich immer wieder so verhält.

Was passiert eigentlich bei solch einem Paar, wieso kommt es zu so einer Situation?

Basis der Beziehung ist (war) das „ich liebe dich, weil ich dich brauche“ (im Gegensatz zu: „ich liebe dich, weil du so bist wie du bist“).

Die Frau wird versuchen sich neue soziale und/oder berufliche Erfolge zu verschaffen, die das Manko abdecken können. Dazu steht ihr ein umfangreiches soziales Netzwerk und vor allem das Verständnis der Umwelt, zur Verfügung. Denn nach Außen erscheinen diese neuen Kompensationsversuche als ein normales, emanzipatorisches Bestreben. Schließlich sei es ja nur richtig, sich aus einer Unterdrückung zu befreien. So erfährt sie auf ihrem Weg viel Unterstützung und Ermutigung.

Die Reaktion des Mannes ist zwangsläufig anders. Drei Möglichkeiten hat er im Prinzip um mit der Situation fertig zu werden.
Die Kompensation nur noch auf beruflichem Wege zu suchen und damit Frau und Familie hinter sich zu lassen.
Möglichst schnell eine Ersatzpartnerin zu finden oder
mit aller Macht zu versuchen die aktuelle Situation zu retten, d.h. den Status Quo aufrechtzuerhalten.
Da er auf kein unterstützendes Netzwerk zurückgreifen kann und die ersten beiden Möglichkeiten ohnehin gesellschaftlich geächtet sind, wird er in der Regel (zumindest anfangs) Möglichkeit 3. auswählen.
Er wird seinen Symbioseanspruch verstärken und das Gefühl entwickeln, es ginge für ihn um Leben und Tod. Durch Kontrollen und Repressalien wird er sie evtl. zwingen wollen, „wie bisher“ weiterzumachen. So schaukelt sich die Situation immer weiter hoch und eine Klärung ist nicht möglich, weil beiden der narzisstische Hintergrund ihrer Gefühle nicht bewusst ist.

Vier Schritte, die mehr oder weniger parallel ablaufen können, sollten zu einer Therapie gehören:

  1. Finden der Ursachen für die narzisstische Verwundung.
  2. Mildern des mächtigen Über-Ich in eine freundlichere Instanz.
  3. Bewusstmachung und Integration verdrängter Gefühle.
  4. Bearbeitung der existenziellen Fragen, um auf den Weg zu einem eigenen Ich zu kommen.

Die Ursache für die narzisstische Verwundung ist dem Klienten oft schon in groben Zügen bewusst, auf jeden Fall wird sie in den ersten Sitzungen deutlich.

Mit der Distanzierung von diesem anerzogenen, aufgezwungenen Ich, kommt mit aller Macht die Frage „wer bin ich?“, „gibt es mein Ich überhaupt?“.
Diese Situation kann zutiefst verunsichern und ein Gefühl großer Leere schaffen. Ein Zurück zum alten Ich erscheint plötzlich als Schutz vor dem „Unvorstellbaren“, evtl. beängstigenden Neuen. Um dem vorzubeugen, sollte der Klient schon früh über alternative Lebensideale und über das, was wirklich gut für ihn ist nachdenken. Träume und Wünsche aus der Kinder- und Jugendzeit können hier einfließen.

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4 Antworten to "Müttersöhne in Beziehungen"

sehr interessant, was ich hier lese… finde mich stellenweise wieder…

Hallo Autum,

danke für deine Rückmeldung. Ich habe eben deinen Blog quergelesen und verstehe, warum du dich wiederfindest. Das, was du erlebst, scheint mir die gleiche Ursache zu haben, wie das, wo mich meine eigene Suche hinführt.
Ich kann dir für deine Lage, besonders für den Beitrag http://sehnsuchtsblog.wordpress.com/2010/04/11/sunde/ einen Buchtipp aus der Verführungsliteratur geben, oder sogar zwei:
– David de Angelo: Attraction is not a choice
– David Deida: Der Weg des wahren Mannes

Die Bücher haben mir die Augen geöffnet für das, was Mann so falsch machen kann, wenn auch aus etwas verkürzter Perspektive. Schau dich mal im Internet in den einschlägigen Quellen um, dort wirst du sicher fündig.

Dieser David deAngelo schickt mir laufend Newsletters, weiss nicht, wie ich an ihn gekommen bin. Scheint Bestimmung zu sein, nein, das, was ich las, sprach mich an, ohne mich jedoch weiter damit zu beschäftigen.

David Deida kenne ich dagegen nicht.

Finde ich etwas über deine Suche im Blog?

Nein, zur Zeit nicht, höchstens in der Kategorie „Oneitis“. Drüben bei http://mann-sein.ch gab es vor Kurzem mal etwas, soweit ich mich erinnere.

Schreib mir, was du dazu denkst! Hast Du das bei Dir oder jemand anderem auch beobachtet?

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