Mannwerdungsblog

Woran wir uns die Nägel ausbeißen.

Posted on: 1. April 2010

Endlich einmal eine nützliche Information zum Nagelkauen. Nägelkauen (Onychophagie) ist keine „schlechte Angewohnheit“, die man mit „stop’n’grow“ oder ähnlichen Produkten ausmerzen kann, sondern ein zutiefst psychisches Symptom. Wofür, zeigt dieser Link auf:

Dieses auch als Panaritium bezeichnete Krankheitsbild kann sowohl an den Finger- wie an den Fußnägeln auftreten. Das Bett des Nagels, der Raum, aus dem er wächst und sich ernährt, ist eitrig entzündet. Entzündung in dieser Gegend verkörpert einen Konflikt um die Heimat der Aggression bzw. Vitalität. Ähnlich wie bei der Zahnfleischentzündung (Gingivitis) ist das Thema Urvertrauen angesprochen. Die Aggressionswerkzeuge, Krallen und Zähne, brauchen eine gesunde Grundlage um ihrer Bestimmung gemäß aggressiv werden zu können. Analog braucht ein Mensch Urvertrauen, um seine Aggression, seine Vitalität und Energie zum Ausdruck bringen zu können.
Wenn Kindern Selbstvertrauen und vor allem Vertrauen in die Eltern fehlt, trauen sie sich nicht, aggressiv zu sein. Was wie ausgesprochen brave Anhänglichkeit aussieht, ist oft Mangel an Zutrauen. Trauen sie sich dagegen einiges, was die Eltern gar nicht schätzen, bekunden sie damit Vertrauen, denn selbst wenn sie ihrer Aggression, bzw. Vitalität freien Lauf lassen, können sie auf die Eltern rechnen. Ständiges Am-Rockzipfel-der-Mama-Hängen, verrät dagegen Angst und mangelndes Vertrauen.
Wenn zum Konflikt im Nagelbett um die Basis der Aggression Fingernägelbeißen hinzukommt, ist die Situation noch klarer. Das Kind kann sich nicht trauen, sein Leben in Angriff zu nehmen und die Krallen zu zeigen. Die Lebensenergie findet nicht genügend Ventile, und so richtet es seine Aggression gegen sich und kastriert sich die Aggressionswerkzeuge. Statt froh zu sein, daß sich die Bissigkeit nicht gegen sie richtet, greifen die Eltern nicht selten zu Strafen. Bei dem Versuch, ihrem Kind die »Unart« auszutreiben, treiben sie das Aggressionsproblem tiefer in den Schatten. Es ist gerade die Ehrlichkeit des Symptoms, die Erzieher auf die sprichwörtliche Palme bringt. Jeder kann nun sehen, wie vitalitätsfeindlich ihr Kind lebt.
Manche Kinder gehen in solchen Situationen so weit, auch ihre Fußnägel abzunagen. Was könnte ihren Hunger auf Aggression deutlicher machen‘? Hält sieh das Symptom bis in jugendliche oder sogar erwachsene Zeiten, zeigt das den weiterbestehenden Mangel an Ausdrucksmöglichkeiten eigener Vitalität. Nicht selten legt es sich auch, um später in anderem Gewande, etwa in allergischer Form, wieder aufzutauchen.
Da die Nägel oft fast bis an die Basis abgeknabbert werden, liegen die Fingerspitzen ungeschützt da und Entzündungen nahe. Das typische Panaritium oder Nagelgeschwür betrifft aber an sich intakte Nägel, die plötzlich eine Tendenz entwickeln, einzuwachsen. Sie bohren sich ins eigene Fleisch und eröffnen so den Krieg. Die Situation ist meist nicht so chronisch wie beim Nägelbeißen, sondern entzündet sich an einem akuten Konflikt. Allerdings gibt es Menschen, die immer wieder auf diese Ebene der Auseinandersetzung um ihr Urvertrauen zurückgreifen.
Neben dem typischen Geschwür im Nagelbett gibt es andere Arten, die bis auf die Knochen gehen können. Wenn Knochenhaut, Knochen oder Sehnen betroffen sind, geht auch die zutage tretende seelische Problematik entsprechend tiefer. Die Angreifer im physischen Sinn sind zumeist eiterbildende Staphylokokken oder andere Bakterien im Rahmen einer sogenannten Mischinfektion. Während man sich von diesen Erregern entzünden läßt, bekommen die eigentlich erregenden Themen zu wenig Raum. Tatsächlich könnte ein Mensch, der mit sich selbst im Krieg liegt bzw. dessen Waffensysteme von innen und unten, sozusagen aus der eigenen Heimat, in Frage gestellt werden, sich kaum verteidigen, geschweige denn von sich aus offensiv werden. Schon das gewöhnliche Nagelbettgeschwür kann bis zur Loslösung des Nagels gehen und damit einen Verlust der Abwehrbereitschaft andeuten.
Die zeitweilig außer Gefecht gesetzten Krallen legen als Lernaufgabe nahe, die eigene Vitalität und Aggression wieder auf bewußtere Ebenen zu heben. Der Krieg um die körperlichen Waffensysteme sollte auf Ebenen geführt werden, wo Lösungen möglich sind. Die Waffen des Geistes bieten sich hier vor denen des Körpers an. Aber selbst bewußtes Krallen und Kratzen ist noch sinnvoller als das Kultivieren von Nagelgeschwüren.

Fragen

Wo sollte ich meine Krallen zeigen und traue mich nicht?
Wo reiße ich mir unbewußt etwas unter den Nagel?
Inwieweit macht mich meine Angst vor Aggression wehrlos?
Wo bin ich im übertragenen Sinn Opfer meiner Aggression?
Wie könnte ich Vertrauen finden zu meiner Kraft und Vitalität?
Wo lägen sinnvolle Möglichkeiten für meine aggressive Abwehrbereitschaft?
Wo ließe sich mein Hunger besser stillen?

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