Mannwerdungsblog

Emotionaler Missbrauch vs. Co-Abhängigkeit: Ein paar Ähnlichkeiten

Posted on: 5. Februar 2010

Das, was wir Frauen (oder anderen Menschen allgemein) gegenüber oft empfinden, sind de facto Symptome der Co-Abhängigkeit. Aus einem Forenbeitrag habe ich folgendes zusammengeklaubt, was mir bekannt vorkam:

Einige Beispiele für Eigenschaften und Einstellungen, die uns vertraut sind:
– Ich habe Schwierigkeiten zu erkennen, was ich fühle.
– Ich halte mich für völlig selbstlos und dem Wohl anderer verpflichtet.
– Ich habe Schwierigkeiten, Anerkennung, Lob und Geschenke anzunehmen.
– Ich verleugne meine eigenen Werte, um nicht von anderen abgelehnt zu werden.
– Ich verbleibe zu lange in für mich schädlichen Beziehungen und Situationen.
– Ich bewerte Ansichten und Gefühle anderer höher als meine eigenen aus Angst vor Ablehnung und
Abwertung.
– Ich muss „gebraucht“ werden, um dadurch meine Lebensberechtigung zu erfahren

Das ist schon so einiges, womit wir Männer zu kämpfen haben. In Beziehungen wirkt sich das laut einem weiteren Post so aus:

WAS IST CO-ABHÄNGIGKEIT
UND WIE ERKENNT MAN DAS PROBLEM IN BEZIEHUNGEN?

In einer Beziehung, wo ein Part eine Sucht oder eine andere Störung hat, wird der co-abhängige Partner oft übermässig involviert in das Leben des Kranken. Man will ihn verstehen, man entschuldigt deshalb all seine kranken Verhaltensweisen.

Alles, woran co-Abhängige denken und worüber sie reden ist die Krankheit des anderen. Sie fühlen sich auch oft dazu verpflichtet, den Partner zur Einsicht zu bringen, seine Sucht aufzugeben oder eine Therapie zu machen.

Doch vielleicht lernen sie doch noch, dass die einzige Person, die sie ändern können, sie selber sind.

Ein Co-Abhängiger ist ein Mensch, der die krankhaften und destruktiven Verhaltensweisen seines Partners erlaubt und gestattet. Er findet immer wieder Entschuldigungen dafür.

Der Co-Abhängige ist übrigens aufgeregter über das Problem als der Kranke selber.

Für den co-abhängigen „Ermöglicher“ ist es sehr hart, den Partner die Konsequenzen für sein destruktives Verhalten spüren zu lassen, denn Co-Abhängige können in Angst und Schrecken versetzt werden durch die Möglichkeit, den Partner zu verlieren.

Häufig sind Co-Abhängige mit Eltern aufgewachsen, die süchtig waren.

Co-Abhängigkeit und das Ermöglichen von krankem, süchtigem oder destruktivem Verhalten sind erlernte Faktoren.

Co-Abhängige müssen erkennen, dass sie die Krankheit des anderen nicht stoppen können.

Aber sie können dem Kranken klarmachen, dass er die Verantwortung für sein krankes Verhalten übernehmen muss.
Umso mehr wir co-Abhängige lernen, kein Verständnis und keine Toleranz für die destruktiven Verhaltensweisen des anderen zu zeigen, umso eher ist der kranke Partner gezwungen, den Tatsachen ins Gesicht zu blicken.

Die ganze Zeit damit beschäftigt, sich mit dem Leben des Kranken auseinander zu setzen, sind wir co-Abhänigige übrigens fähig dazu, unsere eigenen Schmerzen und Bedürfnisse total zu ignorieren.

Co-Abhängigkeit kann auch „Du-Sucht“ genannt werden.
Das „Du“ nach dem wir süchtig sind, kann eine andere Person sein oder auch nicht.

Co-Abhängige sind manchmal auch süchtig nach Anerkennung. Sie sind nur glücklich, wenn andere sie glücklich „sein lassen“.

Co-Abhängigkeit könnte auch die „Wenn bloss…“- Krankheit genannt werden:
“ Wenn bloss XYZ passieren würde, dann werde ich glücklich!“

Sie schauen auf jeden Fall nach Menschen, Dingen oder Umständen ausserhalb von ihnen selbst, oder auch wie andere auf sie reagieren, um diese glücklich zu machen. Co-Abhängige sind Ermöglicher.

Das Problem ist, dass das aber nicht funktionieren kann! Wir haben keine Kontrolle darüber, wie andere sich fühlen oder sich gegenüber uns benehmen.

Häufig ist es so, dass der Partner von Co-Abhängigen nicht das geringste zur Beziehung beiträgt. Er lehnt sich einfach zurück und lässt uns die Arbeit machen.

Diese harte Beziehungsarbeit mit einem kranken, fordernden Partner kann unglaublich anstrengend sein. Wir beginnen damit, in „retten“ zu wollen und wir enden damit, uns über ihn zu ärgern: Nämlich über seine Undankbarkeit.Wir beginnen, es ihm übel zu nehmen, dass er nicht dankbar ist für unsere Anstrengungen. Häufig ist es so, dass die Menschen denen wir geholfen haben, uns irgendwann verlassen: Denn sie fühlen sich schuldig und inkompetent. Der klassische Fall ist der Mann, der durch die Frau zu einer Therapie bewogen wurde und diese, wenn er geheilt ist, verlässt, um sich eine neue zu suchen, mit der er einen unbelasteten Neuanfang machen kann.

Schliesslich helfen Co-Abhängige, um Anerkennung zu bekommen und um Selbstbestätigung zu erfahren.

Häufig ist der Drang nach Bestätigung so hoch, dass sich selbst gerade zu erschöpfen um anderen einen Gefallen zu tun. Sie wollen nur eines: Geben, geben, geben. Und egal wie erschöpft sie sind, sie geben sich immer noch einen Ruck, um weiter zu unterstützen.

Co- Abhängige machen manchmal auch Dinge, die gegen ihre eigenen Moralvorstellungen verstossen, um ihrem Partner sein Dasein zu ermöglichen.
Co-Abhängige haben meistens Schwierigkeiten, ihre eigenen Gefühle zu spüren. Sie können die subtilsten Gefühle ihres Partners und ihrer Mitmenschen erkennen, aber sie haben Schwierigkeiten, ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen.

Während jedermann ein weites Spektrum von Gefühlen spürt, tendieren co-Abhängige dazu, ihre Gefühle auf eine Art und Weise zu spüren, die sie komplett verschlingt.
Diese Gefühle sind so stark, dass sie total von ihnen mitgerissen werden.

Wenn ein co-Abhängiger Angst hat, dann ist er gelähmt und versteinert und hilflos.

Wenn ein Co-Abhängiger liebt, dann ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, sich selbstlos aufzuopfern.

Wenn ein co-Abhängiger wütend ist, dann hören die Nachbarn drei Strassen weiter die cholerischen Wutausbrüche.

Wenn einem co-Abhängigen etwas leid tut, dann bricht er in Tränen aus dabei.

Co-Abhängige spüren sich nur, wenn sie Extremsituationen durchleben.

Dies ist der Fall, weil in ihrer Kindheit ihre Gefühle minimalisiert wurden, und das über Jahre.Sie mussten ihre Gefühle unterdrücken, um in einer süchtigen Umgebenung überleben zu können.Um damit klarzukommen, haben sie verzweifelt begonnen, Bestätigung von aussen zu bekommen, denn sie konnten ihren eigenen Gefühlen nicht mehr trauen.

Sie sind einfach unsicher, ob das, was sie fühlen, wirklich das ist, was sie fühlen. Ob das was sie fühlen, wirklich da ist!

Dies ist der Grund warum sie begonnen haben, mehr Wert auf die Meinung des Gegenübers zu legen, als auf ihre eigene.

Co-Abhängige haben niemals gelernt ihren eigenen Gefühlen zu trauen und können sie wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen. Denn co-Abhängige haben sich in ihrer Kindheit daran angepasst:

„zu fühlen was sie fühlen SOLLEN.“

Ein guter therapeutischer Trick ist es, co-Abhängigen klar zu machen, dass jeder in seiner eigenen Realität lebt.

Angenommen ein co-Abhängiger wird von seinem Partner aufgefordert, etwas zu tun. Der co-Abhängige sagt dann “ Ich mag das nicht. “ Der Partner sagt dann „Doch, das ist gut für dich. Wirst du dich jetzt endlich mal freuen!“
Dann muss der co-Abhängige lernen, dass das nicht heisst, dass der andere recht hat.

Co-Abhängige müssen lernen, sich selber zu erlauben, zu fühlen, was sie fühlen!

Stattdessen aber drücken sie ihre eigenen Gefühle weg und versuchen sich so zu fühlen, wie ihr Gegenüber es von ihnen verlangt.

Wenn Co-Abhängige lernen, dies zu tun, dann werden ihre Gefühle weniger verschlingend und extrem. Sie lernen dadurch dass sie sich Raum geben, ihre leisen Töne wahrzunehmen.
Dadurch, dass sie die leisen Gefühle wahrnehmen, lernen sie, sich um sich selber zu kümmern und auf sich zu achten.

Mangelndes Selbstwertgefühl

Eine andere Äusserung der Co-Abhängigkeit liegt in dem mangelnden Selbstwertgefühl.

Sie haben das Gefühl, dass sie perfekt sein müssen, um ihre Daseinsberechtigung zu erfahren. Und perfekt sein heisst: für die anderen immer Gutes tun und dabei keine Fehler zu begehen.

Sie fühlen sich häufig so, dass sie überhaupt keinen Wert haben, und dass sie sich diesen verdienen müssen, um in der Gegenwart anderer geduldet zu werden. Von anderen wiederum würden sie das niemals erwarten. Sie können nur ihren eigenen Wert nicht erkennen.

Einige fühlen sich so wertlos, dass sie tief im Innersten davon überzeugt sind, sie würden es nicht verdienen, zu leben. Und dieses Gefühl ist so echt, dass es schnell aktiviert wird, wenn sie nur den kleinsten Fehler machen.

Jemand, der co-abhängig ist, würde niemals seine eigenen Bedürfnisse äussern und schämt sich ihrer. Er würde niemals irgendjemanden ansatzweise ahnen lassen, was er braucht. Die Bedürfnisse des anderen stehen für ihn immer an erster Stelle.

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9 Antworten to "Emotionaler Missbrauch vs. Co-Abhängigkeit: Ein paar Ähnlichkeiten"

Ich kann dieser Aussage nur beipflichten.
Mann kann dies sehr viel beobachten bei sich selbst oder anderen dass wir getrieben von dem Wunsch nach Anerkennung entweder diesem Extrem oder dem gegenteiligen Extrem verfallen.

Hi!
Ja, das Muster ist ganz üblich, nur erkennen tun es die wenigsten. Falls Du noch ein paar Beispiele hast, wo dir auffällt, dass das zutrifft, kannst du sie hier auch gerne posten.

Letztendlich nimmt der Co-abhängige einem Süchtigen damit die Selbstständigkeit, das Erfolgsgefühl etwas aus eigener Kraft erschaffen zu können und letztlich flüchtet dieser auf Grund von Schuldgefühlen bzw. nimmt ihm die letzt Würde, welches dieser dann hinter Arroganz und grenzüberschreitendes Verhalten versteckt. Co-abhängigkeit ist ebenso eine Art von Sucht, Kontrollsucht. Beide versuchen sich gegenseitig zu kontrollieren. Und beides entsteht durch emotionalen Missbrauch von Eltern.

Emotionaler Missbauch: Kann auch sein, wenn Liebe vom Kind erkauft wird, anstatt mit der Aggression des Kindes umzugehen. Wenn Kinder geschlagen werden, um sie gefügig zu machen. Schamgefühle runterspielen. Jedes grenzenverletztende Verhalten eben, entweder um eigene (also die der Eltern) Bedürfnisse von Nähe und Anerkennung zu befriedigen (kann ja auch ein einfacher Streit sein, wo Eltern unbewusst nach Unterstützung beim Kind suchen oder ein Kind sich von einem Partner mehr anerkannt fühlt) oder eben ein Gefühl von Kontrollverlust, Schamgefühl, Hilflosigkeit oder der Versuch von Manipulationen, die das Kind dazu bewegen seine eigenen Gefühle zu ignorieren oder unangepasst zu äußern. Bsp. wären noch Parentifzierung, Partnerersatz. Oder ein lachen, belächeln, weil ein Kind so herzig weint, sich ärgert gibt ihm das Gefühl von Nicht Ernst genommen werden. dies z.B. könnte zu einer Sucht führen:“ Nehmt mich wahr, nehmt mich ernst..mir geht es nicht gut“. Regelmäßiges Konfrontieren der Kinder mit Erwachsenen-Sorgen, regelmäßige Verhaltenkorrekturen oder Korrekturen am Aussehen, Gepflegtsein, übermäßige Hygiene, übermäßige Kritik…Partnerersatz durch nicht Aufzeigen von eigenen Grenzen, z.b. wichtige Erwachsenenentscheidungen zu treffen, Übertragung von zu viel Verantwortung, z.B. Geschwister hüten….und, und, und

Hallo Julia, du sagst in Kommentar Nr3: „Letztendlich nimmt der Co-abhängige einem Süchtigen damit die Selbstständigkeit, das Erfolgsgefühl etwas aus eigener Kraft erschaffen zu können und letztlich flüchtet dieser auf Grund von Schuldgefühlen bzw. nimmt ihm die letzt Würde, welches dieser dann hinter Arroganz und grenzüberschreitendes Verhalten versteckt.“ wie meinst du das genau? Kannst du da noch mehr erläutern? Das mit der Selbständigkeit und der Würde? Und gibt es zu Kommentar Nr4 ein Buch, dass du empfehlen kannst? Danke schonmal.

Hallo Sophie,
danke für deinen Beitrag. Ich hoffe, Julia liest mit und kann weiterhelfen. Was genau suchst du denn in dem Buch, also zu welchem Thema brauchst du einen Buchtipp? Vielleicht fällt mir auch ein Tipp ein.

Hey, folgende Srichworte/Phrasen die Julia erwähnt hat, würden mich näher interessieren:
„Bedürfnisse von Nähe und Anerkennung zu befriedigen (kann ja auch ein einfacher Streit sein, wo Eltern unbewusst nach Unterstützung beim Kind suchen oder ein Kind sich von einem Partner mehr anerkannt fühlt)“
„Regelmäßiges Konfrontieren der Kinder mit Erwachsenen-Sorgen, regelmäßige Verhaltenkorrekturen oder Korrekturen am Aussehen, übermäßige Kritik“
„Partnerersatz durch nicht Aufzeigen von eigenen Grenzen, z.b. wichtige Erwachsenenentscheidungen zu treffen“
Danke dir:-)
Gruß, Sophie

ps: ich hoffe das war genau genug, ich weiß nicht genau, welchen Überbegriff dieser Bereich hat.

Hallo Sophie,

verzeihung, ich hatte deinen Kommentar leider übersehen. Schau mal in die Buchliste, ich habe sie etwas überarbeitet und aktualisiert. Für deine Themen könnten vor allem diese Bücher passen und hilfreich sein:

  • Der Lilith-Komplex
  • Jein
  • Weiblicher Narzissmus. Der Hunger nach Anerkennung

Geht das in die richtige Richtung?

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