Mannwerdungsblog

Das Brave-Tochter-Syndrom bei Männern

Posted on: 25. Januar 2010

Trifft auch auf uns zu…:

„Brave Töchter“ haben früh gelernt, sich so zu verhalten, dass es anderen gut geht. Besonders gilt dies bezogen auf die Eltern. Sie versuchen schon früh, für die Eltern mitzutragen, und tun alles, um es den Eltern leichter zu machen, ihnen ihr Schweres, das sie irgendwie spüren, abzunehmen. Das Leben nach eigenen Interessen sowie Unbekümmertheit und Lebendigkeit sind kaum möglich und meist mit Schuldgefühlen verbunden. Anerkennung der Eltern gibt es, wenn überhaupt, für das Bravsein und das Pflegeleichtsein – so zu sein, wie man ist, reicht nicht aus.

„Brave Töchter“ sind als Erwachsene oft aufopferungsvolle Mütter und treusorgende Ehefrauen. So wie sie früher die Eltern entlasten und unterstützen wollten, so tun sie als Erwachsene alles, dass es ihrem Mann und ihren Kindern an nichts fehlt. Sie fühlen sich für das Wohlergehen ihrer Lieben verantwortlich, und sie haben schnell Schuldgefühle, wenn der Mann oder die Kinder nicht glücklich sind. Andererseits erwarten sie, dass ihre Fürsorge dankbar und ohne Widerspruch angenommen wird – sie meinen ja am besten zu wissen, was gut ist für ihre Lieben.

„Brave Töchter“ sind als Erwachsene ständig aktiv für andere. Ihre Hilfsbereitschaft und ihre Einsatzfreude – so hilfreich sie eine Zeit lang für viele in ihrer Umgebung sind – haben ihre Kehrseite und ihren Preis, denn sie werden begleitet von Bedürftigkeit, Unsicherheit und Unruhe. Anerkennung muss immer wieder neu verdient werden, das Selbstwertgefühl muss wie ein Akku ständig neu durch Leistung aufgeladen werden.

Erschöpfung und Unzufriedenheit sind die Folge. Kritik bringt „brave Töchter“ schnell aus der Fassung. Sie fühlen sich dann abgelehnt und kämpfen ums Rechthaben – oder sie ziehen sich gekränkt zurück. Sie erwarten, dass alle um sie herum dankbar sind und dass ihre Bedürfnisse erkannt und berücksichtigt werden, auch wenn sie diese nicht ansprechen.

„Brave Töchter“ machen schnell andere dafür verantwortlich, wenn es ihnen nicht gut geht. Oft haben sie sehr bestimmte Vorstellungen davon, wie etwas zu laufen hat, und können andere Meinungen schlecht als gleichwertig akzeptieren. Streit, Groll, Sich – Unverstanden – Fühlen, wenn der Einsatz nicht ausreichend und entsprechend den eigenen Erwartungen gewürdigt wird, sind mit der Person der „braven Tochter“ eng verbunden. Diese Kehrseite macht es für die Anderen oft schwer, die unzweifelhaften Verdienste „braver Töchter“ uneingeschränkt anzuerkennen.

Bei Aufstellungen von „braven Töchtern“ist es wichtig, das verlorene Gefälle zwischen den Eltern und dem Kind wieder herzustellen, damit eine gute Ablösung und somit Individuation möglich werden.

Es gibt auch „brave Söhne“.…..

Und weiter:

Für das Gelingen einer Partnerschaft ist es zentral wichtig, dass der Mann sich an die Seite seines Vaters und die Frau sich an die Seite ihrer Mutter stellt. Männer stehen oft zu nah bei ihrer Mutter, Frauen zu nah bei ihrem Vater.

Männer haben es schwer, wenn sie die männliche Kraft des Vaters nicht spüren können, z. B. weil der Vater früh gestorben ist oder die Familie verlassen hat. Dann geht es darum, einen Zugang zu dieser Kraft zu finden. Dies kann gelingen, wenn die Väter mit ihren ganzen Verstrickungen gesehen werden. Das Gleiche gilt für Frauen und ihre Mütter.

Damit nicht genug, auch Krankheiten entstammen diesem System:

Bei Depressionen besteht oft ein Zusammenhang mit dem Verlust eines Elternteiles oder mit der Weigerung, von den Eltern zu nehmen bzw. die Eltern anzunehmen.

Die Weigerung, die Eltern als Eltern anzunehmen, kann auch bei Krebs eine Rolle spielen; insbesondere ist in vielen Fällen bei Brustkrebs festzustellen, dass die Beziehung zur Mutter sehr belastet ist.

Abwertung, Ausklammerung und Missachtung des Vaters durch die Mutter bilden immer wieder den Hintergrund, wenn eine Tochter Bulimie entwickelt. Auch kann ein Zusammenhang bestehen mit einer Trennung der Eltern. Bei Magersucht eines Mädchens kann sich ein Mädchen innerlich sagen: „Lieber verschwinde ich als du, lieber Papa“.

Oft haben diese Menschen in ihrer Kindheit die Erfahrung gemacht, dass sie glaubten, die Eltern seien gegen sie verbündet und sie seien gar nicht das Kind der Eltern. Die Eltern spielen nur, dass sie für das Kind sorgen und wollen es eigentlich weggeben. Im Kind enteht eine tödliche Angst, aber auch eine ebenso tödlich Wut: Wenn ich nicht bin, dann wird es euch leidtun! Diese kindliche Selbstmorddrohung ist eine häufige Suizidphantasie, die zeigt, wie sehr die Eltern sich dem Kind entfremdet haben. Die notwendige Selbstverleugnung geht einher mit dem inneren Abtöten der eigenen Bedürfnisse.

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