Mannwerdungsblog

Wie das Eltern-Ich identifiziert werden kann

Posted on: 28. Dezember 2009

Aus einem umfassenden Post aus dem Inneres-Kind-Blog:

Wie das Eltern-Ich identifiziert werden kann Das Eltern-Ich ist derjenige Teil von uns, der alle Regeln darüber enthält, was sein darf und was nicht sein darf. Es ist sozusagen unsere Abteilung für Moral und Manieren. Unser Eltern-Ich bestimmt auch, was wichtig ist. In unserer Kultur haben wir zum Beispiel nur wenige Wörter für Schnee. In der Eskimo-Kultur ist es wichtig, sehr viel über Schnee zu wissen. Folglich haben die Eskimos ein Klassifizierungssystem für Schnee, das dreißig Kategorien kennt. Das Erwachsenen-Ich liefert die eigentlichen Erkenntnisse über Schnee; die Klassifikation stammt aus dem Eltern-Ich und wird von Generation zu Generation weitergegeben. Das Eltern-Ich hat viele Strukturen ( Strukturen sind wie Computerpro­gramme für unser Tun und Denken). So enthält das Eltern-Ich Instruktionen für alles, was wir wissen müssen, um in unserem Kulturkreis gut durchzukommen. Wenn diese Strukturen nützlich sein sollen, so müssen sie regelmäßig vom Erwachsenen-Ich her überprüft und dabei von wertlos gewordenen Informationen befreit werden. Laura Ingalls Wilder beschreibt in ihrer autobiographischen Heimatgeschichte »Kleines Haus in der Prärie« die Erwartungen ihres Vaters im Blick auf richtiges Verhalten. Die Familie lebte in einer unwirtlichen Gegend, und es wurde erwartet, dass die Kinder dem Vater sofort und ohne Frage gehorchten. Gehorsam war mitunter eine Frage des Überlebens. Als Papa den Mädchen befahl, den Hund an die Kette zu legen, als die Indianer auf Besuch kamen, hing die Sicherheit der Familie vom sofortigen und fraglosen Handeln ab. Nachdem die Indianer wieder weggegangen waren, fragte Laura, was passiert wäre, wenn der Hund Jack nicht angekettet gewesen wäre. »Jetzt merkt ihr Mädchen euch ein für allemal«, sagte er mit schrecklicher Stimme, »dass ihr immer tun müsst, was euch befohlen wird. Nicht im Traum dürft ihr daran denken, nicht zu gehorchen. Hört ihr?« »Ja, Papa«, flüsterten Laura und Mary. »Wisst ihr, was passiert wäre, wenn ihr Jack losgekettet hättet?« fragte Papa. »Nein, Papa«, flüsterten sie. »Er hätte die Indianer gebissen«, sagte Papa. »Dann hätte es Unannehmlichkeiten gegeben. Böse Unannehmlichkeiten. Versteht ihr?« »Ja, Papa«, sagten sie. Aber sie verstanden es nicht. »Hätten sie Jack getötet?« fragte Laura. »Ja. Und das wäre noch nicht alles gewesen. Merkt ihr Mädchen euch ein für allemal: Ihr habt zu tun, was euch befohlen wird, ganz gleich, was passiert.« »Ja, Papa«, sagte Laura, und Mary sagte: »Ja, Papa.« Sie waren froh, dass sie Jack nicht losgebunden hatten. »Tut, was euch geheißen wird«, sagte Papa, »und euch wird nichts Böses geschehen.« Auf der Prärie war absoluter Gehorsam den Eltern gegenüber eine Überlebensnotwendigkeit. Viele Eltern betrachten Gehorsam immer noch so, als ob das Überleben der Familie davon abhinge. Wenn es darum geht, den Abfall hinauszubringen oder eine Mahlzeit zuzubereiten, dann ist es klar, dass »unbedingter Gehorsam« keine Überlebensfunktion mehr hat. In Wirklichkeit behindert sogar blindes Befolgen der Eltern-Ich-Anweisung: »Tu das, was dir gesagt wurde« das selbständige Nachdenken über Probleme. Das Eltern-Ich kann sich, wenn es aktiviert wird, auf andere richten, indem es ihnen vorschreibt, was sie zu tun und zu lassen haben, oder indem man für sie sorgt. Es kann sich auch in einem inneren Dialog ausdrücken, in dem unser Eltern-Ich unserem Kindheits-Ich sagt, was es zu tun hat, oder in dem es die Sorge für unser Kindheits-Ich übernimmt. Im inneren Dialog kann unser Kindheits-Ich sich entscheiden, die Mitteilung des Eltern-Ichs zu missachten, oder es kann die Botschaft anhören und sich entweder fügen oder dagegen auflehnen. Hier einige Merkmale, an denen das Eltern-Ich zu erkennen ist: Wortschatz Das Eltern-Ich urteilt über Werte und redet oft absolut. Im Eltern-Ich sind die Dinge »gut« oder »böse«, »richtig« oder »falsch«; alles wird an diesen Werten gemessen. »Tu, was dir gesagt wird, und dir kann nichts Böses geschehen.« »Brave kleine Kinder müssen immer schön ihren Spinat aufessen.« »Böse Gedanken sind eine Sünde.« »Lies immer erst die Gebrauchsanweisung, bevor du etwas zusammensetzt.« Stimme Die Stimme des Eltern-Ichs kann streng und befehlend klingen oder aber sanft und fürsorglich. Verhalten Das Eltern-Ich kann eine starre, strenge oder aber eine fürsorglich-zuwendende Haltung einnehmen. Ein häufiges Kriterium für das Eltern-Ich ist der erhobene Zeigefinger, der Mahnung, Mißbilligung oder Schelte ausdrückt. Reaktion der anderen Eine typische Reaktion auf jemanden im Eltern-Ich besteht darin, dass die Zuhörer ins Kindheits-Ich schlüpfen und nach Mitteln und Wegen suchen, um sich entweder zu fügen oder aufzulehnen. Geschichte Die Geschichte unseres Eltern-Ichs kann meistens mit folgenden Fragen erhoben werden: »Was haben meine Eltern zu diesem Thema gesagt, gedacht und gefühlt? Handle Ich, wie meine Mutter oder mein Vater oder wie mein Lehrer oder Pfarrer in dieser Lage gehandelt hätten? Welche Botschaften befolge ich?« Lebensposition Schon früh im Leben, sobald wir zwischen uns und anderen unterscheiden können, entscheiden wir uns für eine Grundposition, die uns in unseren Beziehungen zu anderen Menschen definiert. Nachdem wir diese Entscheidung getroffen haben, sammeln wir Erfahrungen, die unsere Position bestätigen. Es gibt vier Grundpositionen: »Ich bin ok – du bist ok«; »Ich bin ok — du bist nicht ok«; »Ich bin nicht ok — du bist ok«; und schließlich: »Ich bin nicht ok – du bist nicht ok«. Jede dieser vier Lebenspositionen enthält ein Programm, wie Probleme zu lösen sind. Auf lange Sicht kann man nur mit der Haltung »Ich bin ok — du bist ok« Probleme zufriedenstellend lösen. Bei der Haltung »Ich bin ok — du bist ok« löst man Probleme, indem man herausfindet, was getan werden kann, und es dann tut. Jemand mit der Haltung »Ich bin ok — du bist nicht ok« denkt oft: »Wenn es Schwierigkeiten gibt, dann ist das deine Schuld; nicht ich, sondern du mußt dich ändern! Wir können das Problem lösen, indem wir dich loswerden.« Ein Mensch mit der Haltung »Ich bin nicht ok – du bist ok« denkt etwa so: »Wenn etwas zwischen uns nicht stimmt, dann deshalb, weil ich unfähig, blöd, dumm und krank bin, also sollte ich weggehen.« Leute mit der Haltung »Ich bin nicht ok — du bist nicht ok« fühlen sich hilf- und hoffnungslos in jeder Problemlage und stellen es so an, dass sie überhaupt nicht weiterkommen. Wenn die zweijährige Eva über den ganzen Wohnzimmerteppich Honig vertropft, kann Vater Verschiedenes machen. Ich bin ok — du bist ok: Er ist ärgerlich über das Kind, reinigt den Teppich von der klebrigen Masse und überlegt, was zu tun ist, damit so etwas nicht wieder vorkommt. Ich bin ok – du bist nicht ok: Er gibt der Tochter einen kräftigen Klaps und besteht darauf, dass sie das Geschmier selber wegputzt (bei einer Zweijährigen ergibt das eine noch größere Schmiererei), schickt sie für den Rest des Tages ins Bett und sagt: »Du bist dumm und böse, ich könnte dich für diesen Unsinn, den du da gemacht hast, umbringen. « Ich bin nicht ok – du bist ok: Er wird den Honig wegputzen und die Tochter nicht strafen, statt dessen sich hinsetzen und weinen und sich selbst Vorwürfe machen, dass er ein so dummer und unzulänglicher Vater ist. Er geht in sein Zimmer und gibt sich für den Rest des Tages diesem Ge­fühl hin. Ich bin nicht ok — du bist nicht ok: Er bleibt mitten in dem Geschmier sitzen und weint und unternimmt überhaupt nichts dagegen. Wenn wir uns einmal für eine bestimmte Grundposition entschieden haben, können wir uns auch entschließen, diese unsere Grundposition zu ändern und anders zu reagieren. Die meisten von uns nehmen in verschiedenen Situationen unterschiedliche Grundpositionen ein. Zum Beispiel kann Jörg die Haltung »Ich bin ok – du bist ok« seinen Clubkameraden gegenüber einnehmen, die Haltung »Ich bin ok — du bist nicht ok« gegenüber Frau und Kindern, »Ich bin nicht ok- du bist ok« gegenüber seinem Chef, und »Ich bin nicht ok – du bist nicht ok« gegenüber dem Steuerprüfer. Wir können die Nicht-ok-Positionen ändern, indem wir über das Problem nachdenken und beschließen, was wir tun wollen, um zu der Haltung »Ich bin ok – du bist ok« zu kommen, die uns allein zur Problemlösung helfen kann.

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