Mannwerdungsblog

Warum wir Prometheus-Männer sind

Posted on: 27. Dezember 2009

Der Artikel, den ich im letzten Post besprochen habe, geht noch weiter. Klaus Löbisch, Heilpraktiker aus Neuenburg überträgt die Familienkonstellation im Licht der Prometheus-Sage wie folgt:

In der griechischen Mythologie gibt es eine Gestalt, nämlich den Prometheus (der Vorbedachte), der die psychologische Lycopodiumgeschichte spiegelt (13).

Prometheus ist ein Titan aus dem alten Geschlecht, und da er vorausdenkt, sieht er den Aufstand der Olympier um Zeus voraus und schlägt sich auf deren Seite. Das verbindet ihn mit dem Gewächs Lycopodium, das einstmals vor Millionen Jahren ein 40 m hoher Baum war. Nach dem geologischen Umsturz, wie auch der Umwälzung bei den Göttern, spielte der einstige Titan nicht mehr eine so bedeutende Rolle. Er zeigte sich dem Zeus zwar hilfreich, aber er ging auch seine eigenen Wege. Der Ursprung des Menschengeschlechtes (die kleinen Menschen) soll auf ihn zurückgehen und da er ständig bemüht war, seine Schöpfung zu unterstützen mit der Vermittlung des Schmiedens, der Landwirtschaft usw. wurden die Menschen in Zeus‘ Augen zu mächtig. Der erste große Konflikt zwischen Prometheus, der jetzt eher eine Jugendlichenposition (vielleicht der älteste Bruder) innehat, und dem himmlischen Vater-Gott entsteht, als es darum geht, was bei einem von den Menschen zu errichtenden Tieropfer den Göttern zukommt. Prometheus überlistet Zeus, so daß den Göttern für alle Zukunft die Knochen und das Fett zukommt, während die Menschen die Innereien und das Muskelfleisch erhalten. Zeus, darüber sehr erzürnt, verweigert den Menschen das Feuer. Prometheus aber, der zu Athene ein gutes Verhältnis hat, entführt mit ihrer Hilfe das Feuer und bringt es den Menschen.

Zeus‘ Rache an der Sohnfigur ist grausam. Er kettet den Prometheus an den kaukasischen Felsen. Tagsüber wird der Gefesselte von dem Zeus-Adler heimgesucht, der seine Leber frißt, die nachts wieder regeneriert. Also auch hier, im griechischen Mythos, in dem sich ein unbewältigter Vater-Sohn-Konfliktes spiegelt, liegt eine Leberschwäche vor. Obwohl Prometheus mythologisch als der Ältere gilt, gibt es zwischen ihm und Zeus ein deutliches Machtgefälle.

Er wird der Vaterfigur Zeus zu mächtig und wird grausam in seine Schranken gewiesen. Die Titanen, bis auf Prometheus und Epimetheus in den Tartarus verbannt, hatten noch etwas von der Weisheit der Alten Zeit, die in die olympische „Gegenwart“ reichte. Zeus stand symbolisch für das neue Zeitalter, während Prometheus als Titan aus der magischen Welt stammte und sicher noch mehr Verbindung mit der ganzen Welt hatte. So wie auch der wachsende Sohn, der noch viel Ganzheit in sich trägt, bemerkt, auf welch dünnen Pfaden sich der väterliche Intellekt bewegt und dem Vater aus einer scheinbaren Überlegenheit begegnet.

Prometheus hält sich nicht an Zeus‘ Gesetze und muß 30.000 Jahre an den Ketten hängen. Lycopoidum hat viel mit Recht, Gesetz und Ordnung zu tun. Ob Lycopodium-Menschen je Gesetze brechen werden, mag offen bleiben. Ich jedenfalls hatte meine Zeit, in der ich mit einen causticum-mercurialen Zug nicht immer mit legalen Mitteln die Welt verändern wollte. Zwischen Zeus und Prometheus gibt es eine klare Hierarchie, und es gibt auch das indirekte Durchsetzen eigener Vorstellungen; insbesondere dann, wenn die anderen als zu mächtig eingestuft werden. Diesen Zug kann ich auch in mir wiederfinden. Kann ich jemanden auf einem Schlachtfeld nicht besiegen, weil ich meinen Waffengang nicht geübt habe, dann versuche ich eine andere Möglichkeit, mich durchzusetzen.

Noch etwas anderes will Zeus dem Gefesselten entlocken. Prometheus weiß, wer den olympischen Vater stürzen wird und behält sein Geheimnis. Es wird jener Halbgott Jesus sein, der mit einer Leberwunde am Kreuz stirbt, der die Bedeutung und damit den Sturz der Olympier besiegelt.

Jesus erleidet einen Speerstoß im rechten Rippenbogen. Er ist gefesselt, zwar an das Kreuz, aber doch auch vom Vater verlassen. Er muß sterben, um in das Reich des Vaters zu gelangen.

Aber die Geschichte um Prometheus ist noch nicht zu Ende. Am Schluß dieses Mythos tauchen noch zwei weitere Gestalten auf:
Es ist der Zentaur Chiron, der sich schließlich für den Angeketteten opfert. Auch Chiron gehört wie Prometheus zum alten Geschlecht. Er war als ein den Menschen und Göttern wohlgesonnener Pferdemensch und Lehrer so vieler Helden wie Theseus, Perseus, Herakles usw.. Letzterer verwundete den Chiron versehentlich bei einem Kampfe mit anderen Zentauren. Das von der besiegten lernaiischen Hydra stammende Pfeilgift verletzte Chirons Knie und da er unsterblich war, mußte er qualvolle Schmerzen an dieser nicht heilenden Wunde erleiden. Herakles kann Zeus zu der Freilassung Prometheus unter bestimmten Bedingungen überreden, und der Vater-Sohn (14) Herakles erschießt den leberfressenden Adler mit einem Pfeil (astronomisches Schützesymbol). Der Heiler Chiron tauscht mit Prometheus den Platz.

Vielleicht ist das Ende dieses Mythos ein Heilungsweg für Lycopodium. Wie Chiron verfügt er über das Wissen und die Weisheit der alten Zeit und könnte zum Lehrer für die neuen Helden werden, die mehr Energie und Kraft haben. Er wirkt im Hintergrund und erst sein Leiden (an der Leber (15) oder die unheilbare Wunde am Knie machen ihn zum Heiler und Lehrer für die neue Generation. Chiron hat anders als Prometheus seine Rolle als „Rentner“ im neuen Machtgefüge des Olymps schneller gefunden und als Lehrer und Heiler dem Helden einen Dienst erweisen können.

Ein Vater für Prometheus

Wenn wir die im herkömmlichen AMB beschriebene arrogante „Zeus“-Haltung eines Lycopodium-Patienten einnehmen, dann werden wir als homöopathische Therapeuten der eigentlichen Dramatik des hilfesuchenden Lycopodiums nicht gerecht; im Gegenteil, wir fallen einer Gegenübertragung zum Opfer und zeigen es diesem „Hanswurst“, wer hier im Recht ist. Erst die Wunde des Chiron (die eigene Verletzung des Therapeuten) hat ihn zum Heilkundigen gemacht, und erst durch seine Aufopferung konnte die mythologische Gestalt des durch die lange Gefangenschaft verwandelten Sohn-Prometheus befreit werden und in die Welt zurückkehren. Der verlorene Sohn Prometheus hat, und das ist meine Weise, es zu sehen, in Chiron endlich Kontakt zu einem Vater bekommen, der ihn angenommen hat. (16)

Meine Reise mit Lycopodium hat sicher noch kein Ende gefunden. Was sich aber kaum merklich verändert hat ist, daß mir die institutionellen Machtstrukturen deutlicher bewußt geworden sind. Immer wenn sich Menschen längere Zeit zusammenfinden, geben sie sich eine Form. Die Wahrnehmung und Sensibilisierung für den Menschen in Macht-Strukturen hat mein Verhaltensspektrum gegenüber dem Lycopodium-Miasma erweitert.

Zugegeben, ganz verstanden habe ich die homöopathisch inspirierte Interpretation nicht, zumindest die Rolle des „Lycopodium“. Vielleicht kann ja jemand hier weiterhelfen – weiß denn jemand, was die verschiedenen homöopathischen Mittel so bedeuten und was es mit diesem Artikel wahrscheinlich auf sich hat? Klingt fast so, als könne man homöopathische Mittel als Psychopharmaka verwenden.

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