Mannwerdungsblog

Die Lycopodiumfamilie oder die Tradition der Muttersöhne

Posted on: 27. Dezember 2009

Erstaunlicherweise finde ich in letzter Zeit immer wieder etwas aus dem Bereich der Homöopathie. Anscheinend gibt es ein homöopathisches Krankheitsschema, in das wir mit unserer Familiengeschichte hineinpassen. Das heißt Lycopodium. Ich habe die relevanten Passagen des Artikels mal hervorgehoben.

Die Lycopodiumfamilie oder die Tradition der Muttersöhne

Die Mutter wird in einer Verbindung, in der ein „Lycopodium“-Miasma besteht, den Mann als Partner und Bezugsperson vermissen. War es anfangs wirtschaftliche Not, die die Männer zu Überstunden trieb, so wird die Arbeit mit den Jahren zu einer Flucht aus der Partnerschaft. Die Konsequenzen aus einer solch verarmten Beziehung sind den Paaren weitgehend unbewußt. Eine Partnerschaft zwischen Mann und Frau dient nicht nur dem Großziehen von Kindern, sondern ist auch eine Verbindung, in der die Partner in jahrelanger Arbeit ihre gegengeschlechtlichen Anteile (Jung nennt sie Anima und Animus) entwickeln können. Erst nach diesem psychischen Reifeprozess kann eine zweite, innere Hochzeit vollzogen und damit die Beziehung erneuert werden. Negiert der Mann, regrediert die lebendige Beziehung zu seiner Frau, regrediert er direkt in den Schoß der Großen Mutter, die den Namen BETRIEB-FABRIK-UNTERNEHMEN trägt, die ihn statt mit Milch mit Überweisungen auf sein Konto nährt. Die Ehefrau leidet unter dem Beziehungsverlust und lenkt ihre Kraft meist auf ihre Kinder. Ein Kind ist einfach überfordert, das Defizit zu füllen, das der Vater in der Partnerschaft hinterläßt. Wie jedes Kind braucht das Lycopodium-Kind Unterstützung und Zuwendung, aber auch Raum für Entwicklung. Und genau diesen Raum hat ein Muttersohn nicht, wenn er zum emotionalen Partnerersatz mißbraucht wird. Ich selbst konnte mich gar nicht mehr an eine Geschichte erinnern, die meine Mutter vor Jahren mal zum Besten gab: „Nach der Geburt meiner Schwester wurden ihre Hände so steif, daß sie keine Flasche mehr halten, geschweige denn sie zubereiten konnte.“ Mein Vater habe sich einfach, als er von der Arbeit kam, ins Bett gelegt und sie ihrer Hilflosigkeit überlassen. Es ist an sich nichts Verwerfliches dabei, wenn ein Junge seine Fertigkeiten unter Beweis stellt, viel problematischer ist Leere, die sich durch Vorfälle dieser Art zwischen Mann und Frau entwickelt. Der Junge wird jetzt zum zuverlässigen Ritter seiner Mutter und kann seine Chanche nicht nutzen, wenn der Zugriff der Mutter z.B. durch ein zweites Kind nachläßt.

Diese Familiensituation wäre für ein Lycopodium-Kind die Chance, sich endlich von der Mutter abzulösen. Diese „Mangel“-Situation wird ihn zwar in eine Krise stürzen, aber aus der heraus er, seinen Weg in ein einsames Dasein entwickelt. Er lernt, daß er mit Sprache und Intelligenz die Mutter und auch seine eigenen Gefühle auf Distanz halten kann. Irgendwann ist dies bei mir auch geschehen, doch durch die durch das Alter bedingte Ambivalenz zwischen dem Wunsch nach Geborgenheit und Eigenständigkeit rutschte ich immer wieder in den „verschlingenden Schoß“ der Mutter. Ich war vielleicht 6, aber ich erinnere mich noch gut daran, wie sehr ich die Umarmungen meiner Mutter abwehrte, mir das Befummeln beim Anprobieren von selbstgestrickten Sachen höchst zuwider war. Mit der Zeit entwickelte ich eine Art Haßliebe zu ihr. Je älter ich wurde, desto mehr verachtete ich das Weibliche. Ich tat es, um mich abzugrenzen. Mir fehlte das männliche Vorbild, und so „trat“ ich sie weg, um Andersartigkeit zu demonstrieren, verlor den seelischen Bezug zur Mutter, ohne in der Welt des Vaters aufgenommen worden zu sein. Es ist die Welt eines „Vollwaisen“, der psychisch umherirrt – ständig auf der Suche nach seiner Heimat.

Vielleicht wird langsam deutlich, was sich hinter der beobachteten Feigheit oder Minderwertigkeit von Lycopodium versteckt. Es ist das Vater-Defizit, das einen Lycopodium-Menschen an seiner Identität zweifeln läßt. Sein männlicher Kern, seine männlichen Emotionen sind durch den Vater nie geformt worden. Er kennt die Seele der Mutter, ihre Emotionen. Aber seine männliche Seele konnte er nicht danach ausrichten. Sie bleibt deshalb unbewußt und diffus. Aber gerade das Fühlen ist jene Bewußtseinsfunktion, die dem Menschen ein Gefühl von Identität gibt, Sicherheit in Entscheidungen vermittelt.

Hinzu kommt noch, daß in der Lycopodiumfamilie das Väterliche dem Sohn oft feindlich gegenübertritt, bedingt durch die kindlich ritterliche Vorstellung, daß er, der Sohn, der viel „bessere“ Partner“ der Mutter sei. Damit wird das Kind zum Konkurrenten seines Vaters. Der Ödipusmythos „is still alive“. Ich erstaune bei Anamnesen immer wieder, welche Mutter-Sohn-Bindungen gerade bei Lachesis-Müttern existieren. Der Vater ist psychisch draußen. Dennoch wird ein Knabe diesen ungleichen Kampf gegen den Vater nie befriedend gewinnen können. Im Mythos erschlägt Ödipus zwar seinen Vater und zeugt mit seiner Mutter sogar Kinder, verliert aber nach Bekanntwerden seiner Tat das Königreich. So geht es auch dem Sohn, selbst wenn es den Schein hat, daß er die Mutter gewonnnen hat, so verliert er mit diesem Phyrrossieg endgültig jenen Zugang zur und damit Rückhalt in der väterlichen Welt.

Wichtig ist das zusammenfassende Ende dieses Abschnittes:

Was der kleine Mann in diesen Familien auf jedenfall lernt, ist das Taktieren. Wie kann er bei der Übermacht der Riesen überleben? In solchen Familienkonstellationen werden Helden wie das tapfere Schneiderlein geboren, die ihren Minderwertigkeitskomplex nicht mehr loswerden, selbst wenn sie ganz oben sind.

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