Mannwerdungsblog


Im Online-Archiv der „Psychologischen Schlüsselbegriffe“ beim HR sind so einige interessante Gefühlsregungen zu finden:

Besondere Aufmerksamkeit auf diesem Blog verdienen diese:

Gerade das Gerührt-Sein ist eine interessante Regung als Muttersohn, da die eigene Sensibilität mit den ganzen verschütteten Wünschen und Sehnsüchten sichtbar wird:

In dem Moment, wo wir gerührt sind, bricht etwas auf, das wir uns selbst nicht eingestehen, etwas, das mit unserem Selbst-Bild nicht vereinbar scheint. Wenn man gerührt ist, ist plötzlich etwas da, bei dem wir uns schon damit abgefunden hatten, dass wir es nicht bekommen. In diesem Moment wird das Bild, das wir von uns selbst haben, erschüttert, und wir müssen weinen.

Ich bin zum Beispiel oft gerührt, wenn in Filmen jemand doch noch zu von seiner Familie aufgenommen oder akzeptiert wird.

Wann seid ihr gerührt?


Na, schon mal kokettiert? Wahrscheinlich schon. Als unentschlossener Muttersohn möchte man nämlich gerne, dass man selbst nicht daran Schuld ist, dass es jemand anderem (insbesondere der Geliebten) schlecht geht. Da man das nicht aushält und unbedingt gefallen möchte, weil man sonst glaubt, kein guter Mensch zu sein, wendet man bei Bedarf sogar den perfiden Trick an, die Schuld aufs Gegenüber zu schieben.

Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Man gesteht seine Schuld verbal ein, verzieht aber sein Gesicht oder verwendet einen abwertenden Tonfall, um das gesagte zu entkräften
  • Man gesteht seine Schuld ein, gibt aber dem Gegenüber subtil eine Mitschuld („Du hättest ja auch das und das deutlicher sagen können“)
  • Man gesteht seine Schuld ein, aber weist darauf hin, wie schwer man es doch hatte (als Kind, an diesem Tag, in solchen Situationen etc)
  • Man deutet an, dass es erotische Optionen fürs Gegenüber gibt (zieht diese dann aber wieder zurück)
  • Man deutet an, dass es ernsthaftes Interesse gibt (lässt sich dann aber nicht wirklich darauf ein)
  • Kleine Wörtchen wie „halt“, „einfach“, „irgendwie“, „auch“ relativieren das Gesagte und lassen dem Gegenüber die Möglichkeit, die genaue Bedeutung zu erahnen. Der Sprecher muss sich nicht 100% festlegen, sondern überlässt dem Partner, was das nun wirklich zu bedeuten hat.

Das alles ist kokettieren. Dieses Verhalten hat folgende Gründe:

Wikipedia sagt dazu:

Koketterie (frz.: coquetterie) bezeichnet ein eitles oder „gefallsüchtiges“ Verhalten oder Wesen.[1] Der Ausdruck wurde vom Adjektiv kokett ‘gefallsüchtig’ abgeleitet, das jemanden „von eitel-selbstgefälligem Wesen“ beschreibt, der bestrebt ist „die Aufmerksamkeit anderer zu erregen und zu gefallen“.[2] Im Französischen coquet bedeutet es wörtlich auch ‘hahnenhaft, eitel wie ein Hahn’. Das Verb kokettieren bezeichnet, so der Duden, ein Aufmerksamkeit erzeugendes Verhalten, „um bei jemanden erotisches Interesse zu erregen“, um „mit etwas nur [zu] spielen; sich nicht wirklich auf etwas ein[zu]lassen“ oder um „auf etwas im Zusammenhang mit der eigenen Person hin[zu]weisen, um sich damit interessant zu machen“.[3]

Wie wird man das Verhalten nun los?

  1. Alles beginnt wie oft on diesen Dingen mit dem Selbstbeobachten: Erkennst du, dass du versuchst, den anderen auf deine Seite zu ziehen und zu entschuldigen, dass du Mist gebaut hast?
  2. Werde dir darüber klar, wie du dir selbst damit schadest
  3. Lass es beim nächsten mal sein
  4. Wenn das noch nicht funktioniert und du dich selbst oder der andere beim Kokettieren ertappst: Gehe zurück zu Schritt 2.

Ein echtes Dreiecksdrama, das hoch gelobt wird, aber leider wohl nicht auf DVD erhältlich ist: „Die zweite Frau“.

Spiegel Online schreibt dazu:

Ein schmerzhaft genaues Dreiecksdrama hat Hans Sebastian Steinbichler mit „Die zweite Frau“ in Szene gesetzt. Seine große Leistung: So brutal hier der ödipale Klammergriff gelöst wird, so nuanciert und bildgenau zeichnet der Regisseur die psychosozialen Verschiebungen nach.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/tv-drama-die-zweite-frau-oedipus-auf-shopping-tour-a-591903.html

http://www.moviepilot.de/movies/die-zweite-frau

via http://www.frauen-wollen-erwachsene-maenner.de/die-zweite-frau-toller-film-uber-einen-muttersohn-und-seinen-befreiungsweg-auf-arte

 


DrNerdLove schreibt einige kluge Dinge zum Thema, das Muttersöhne, Pickup-Casanovas und auch viele Andere nicht selten becshäftigt: Wie man bei Frauen nach all den erfolglosen Jahren endlich einmal Sex mit denjenigen Frauen hat, die wirklich heiß sind, also wirklich.

Und auch darüber, wie man Erfolge in dieser Kategorie sehr persönlich nimmt und damit seiner Persönlichkeit schadet.

Getting sex becomes a barometer of who you are as a person: if you lose your virginity then you can point and say “see? SEE? I’m not a loser!”

An dieser Stelle (nicht nur hier, aber leider ausgerechnet auch hier) beginnen Menschen immer wieder, sich einen Selbstwert zuzuschreiben, den sie sonst nicht hätten. Mit fatalen folgen für sich selbst und die Anderen:

Of course, when you start looking at sex as a source of validation, you’re putting yourself on a slippery slope. The idea of “this many women let me have sex with them, therefore I have worth” is incredibly damaging to one’s psyche.

To start with, sex quits being a matter of intimacy or a way of connecting with your fellow human beings. Instead, it becomes all about you and the fact that there’s someone else involved is ultimately irrelevant. You’re no longer concerned with your partner as a person; you’re concerned with what they represent. She’s not a person so much as a collection of social point values that represents your self-worth. This is an incredibly self-destructive path because when you’re seeking external validation, you inevitably are going to hit the wall.

 

The problem is that, after a while, sex-as-validation becomes like any other drug: it never works as well as it did the first time. The more you seek that external source of esteem, the less it helps and the harder you have to work to get the same “high” as you did before. You’ll try to up the intensity – either chasing after sheer numbers or increasingly unattainable women in hopes that you can find the same level of reward that you used to get. Either way, you will burn out. Even if you’re banging a new stranger every night, those dark tendrils of self-doubt and hate will start slipping in and you’ll find that all your old ways of shutting them out – sex – just don’t work anymore. Then it’s just you and your inner demons… and you have no way of dealing with them any more.

 

Interessant ist hier der Hinweis auf die Fehlkonzeption der platten evolutionär orientierten Psychologie:

Besides, it’s basic evolutionary psychology: men can father many children at once, therefore they’re supposed to be fucking far and wide while women are supposed to pick only one mate at a time in order to better maximize picking superior genes.

 

Of course, this bullshit belief requires profound misunderstanding of both evolution and psychology.

In fact – evolutionarily speaking – having multiple partners works out to a woman’s advantage; many male primates will kill a female’s children in order to ensure that his are the only ones that get raised to adulthood. By having more than one sexual partner, a female helps ensure that not only will the males not try to murder her offspring – for fear of accidentally killing their own kids by mistake – but it provides incentive for more males to help provide for them; after all, they can’t be sure that they’re not taking care of their own kids.

 

Das Problem ist vielmehr kulturell entstanden und die Umkehrung in einen anderen Frame entblößt die kulturelle Wahrnehmung von der „zu schützenden heiligen weiblichen Sexualität“.

The idea that men are supposed to have lots of sex and women aren’t is a cultural hang-up based around – ultimately – a fear of female sexuality and validation of male ego. After all, if a guy is supposed to be celebrated for getting a girl into bed, it takes away from his specialness when it turns out to be less of a case of a master of seduction “getting her to give it up” and more of her thinking “Well, I’m horny, you’re not unattractive and there’s really nothing good on TV tonight…”

Das heißt, eigentlich werden Männer gesellschaftlich dafür beneidet, wenn sie Frauen „knacken“ können, die angeblich ihre Jungfräulichkeit und sexuelle Unzugänglichkeit schützen müssten. Dreht man den Blickwinkel und geht nicht mehr davon aus, dass er sie „erweichen“ müsste, wird der Verführer zu einem jämmerlichen Dienstleister, der besser als ein langweiliger TV-Abend ist.

Am Ende hängt alles vom Aufbau eines Selbstbildes ab, das keinen Selbstwert mit irgendetwas verknüpft, schon gar nicht mit der Zahl flachgelegter Frauen:

I had to build a new emotional support system that didn’t depend on how many women I slept with on a monthly basis. It took time. And it sucked. But afterwards… my life made a turn for the better. I was still finding new partners, but it had slowed down significantly… and I didn’t mind. In fact, while the quantity may have dropped, the quality increased dramatically. The women I was meeting now were smart, awesome and dynamic – most of whom I’m still friends with today.

via http://www.doctornerdlove.com/2012/05/numbers-game/


Wer kaut, der fragt sich möglicherweise früher oder später, warum er damit angefangen hat. Die Homöpathie hat ein Profil/Mittel, das dazu passt:

Ein Kennzeichen für das Mittelbild des Barium carbonicum ist es außerdem, wenn jemand ein zu geringes Selbstvertrauen aufweist. Die betroffene Person hat oftmals mit unterschiedlichen Ängsten zu kämpfen. Diese Menschen sind sich selbst so unsicher, dass sie sich immerzu und oft grundlos entschuldigen. Auch das Nägelkauen ist typisch.

Menschen, die Barium carbonicum benötigen, weisen oftmals eine sehr starke Schüchternheit auf. So kann beispielsweise beobachtet werden, dass betroffene Kinder sich häufig hinter ihren Eltern verstecken. Die Schüchternheit ist vor allem dann sehr stark, wenn der Betroffene mit fremden Personen zu tun hat oder diese einfach anwesend sind. Ein weiterer Fall der extremen Schüchternheit ist es, wenn der Mensch sich in einer Situation befindet, die ihm noch nicht bekannt ist.

Barium carbonicum Persönlichkeiten scheuen sich vor Veränderungen und bevorzugen es, dass das Bestehende so bleibt. Bei den Patienten ist außerdem zu beobachten, dass sie gegenüber ihren Bezugspersonen ein äußerst starkes Anlehnungsbedürfnis aufweisen.

Ein weiteres Kennzeichen für dieses Mittel aus dem Bereich der Homöopathie ist es, wenn die betroffene Person nicht dazu in der Lage ist, sich für Dinge zu entscheiden und stets eine starke Unentschlossenheit aufweist.

Kinder, zu denen Barium carbonicum passt, haben oftmals mit Problemen im Zusammenhang mit der Schule zu kämpfen. Sie benötigen äußerst viel Zeit für ihre Aufgaben und können sich kaum konzentrieren. Außerdem weisen sie eine hohe Vergesslichkeit auf.

via Homöopathie/homöopathisch

„Barium carbonicum“ wäre also ein mögliches homöopathisches Mittel. Die Schulmedizin tut das Thema gerne als ein Symptom für andere Symptome ab, wie dieser Forenbeitrag zeigt:

Hallo! Ich habe auch das problem das mein sohn nägelkaut aber er ist erst 3 jahre und macht das schon seit einem jahr ich hab alles versucht aber kann es ihm nicht abgewöhnen. mein kinderarzt sagt das komme da von das er hyperaktiv ist und daher auch sehr nervös aber ich bin am zweifeln, ich bekomme nicht hin das er damit aufhört…

Offenbar fragt sich niemand, woher es kommt, dass der kleine hyperaktiv ist. Im selben Thread findet sich aber immerhin auch eine weitere Antwort:

Homöopathie ist eine gute Möglichkeit, damit Kinder mit dem Nägelkauen aufhören. Oftmals steckt ein seelisches Problem dahinter und Homöopathie kann hier wieder alles in Balance bringen. Alle anderen Varianten verschieben das Problem meistens nur auf andere Bereiche. z.B. wird dann nicht mehr an den Nägeln gekaut, dafür werden aber alle Stifte in der Schule abgenagt. Oder aus dem harmlosen Nägelkauen wird Aggressivität o.ä. Wichtig ist zu wissen, dass es hier kein spezielles homöopathisches Mittel gegen das Nägelkauen gibt, sondern dass dein Sohn ganzheitlich behandelt werden muss, was sich aber auch auf andere Bereiche gleichzeitig positiv auswirkt. Viel Erfolg!

Hat jemand hier schon mal Erfahrungen mit Homöpathie gemacht und möchte seine Einschätzung dazu in den Kommentaren teilen?


Aktuell im Spiegel, wenn auch mehr zum Thema „Vernachlässigung“ durch „Rabenväter“: Offenbar kommt nun langsam auch mal in der Breiten Masse an, dass die Vater-Sohn-Beziehung dem Kind schadet.

Folgen für den Sohn (interessanterweise nicht für Töchter) sind:

  • Aggressives Verhalten
  • Schlechterer Zugang zur geschlechtlichen Identität
  • Weniger Eigenständigkeit

Dabei ist wohl vor allem auffällig, dass hauptsächlich die Länge der Arbeitszeit ausschlaggebend war, ob Söhne verhaltensauffällig wurden.

Als Ursachen werden folgende Punkte erwogen:

  • typische Vater-Sohn-Spiele fehlen, in denen das Kind seine Energie herauslassen und Aggressionen abbaut
  • Väter spielen in ihren wenigen Momenten mit den Söhnen vor allem solche stereotypen Spiele. These: Dadurch werde generell aggressives Verhalten bei Kindern verstärkt.
  • Männer mit vereinnahmenden Jobs tendierten außerdem zu strenger Erziehung, was ebenfalls Verhaltensprobleme beim Kind fördern könnte
  • Hochaktive Söhne sind für Mütter eine große Herausforderung, erst recht wenn der Vater kaum anwesend ist. Das führe zu Spannungen zwischen Mutter und Kind und folglich zu Auffälligkeiten beim Sohn.

Gerade der letzte Punkt erscheint mir einleuchtend. Meine These ist, dass es sich nicht unbedingt um Spannungen handeln muss. Ich könnte mir auch vorstellen, dass nur die Söhne, die Konflikte mit der Mutter haben, aggressiv und verhaltensauffällig werden. Söhne, die eine enge Bindung zur Mutter eingehen und eine Distanz zum strengen Vater entwickeln, werden zwar nicht aggressiv, aber möglicherweise zu wenig eigenständigen und potentiell depressiven Muttersöhnen. Das ist sozial offenbar mehr erwünscht als die Aggression, daher wird diese Folge nicht gravierend genug für eine großangelegte Studie gesehen.

Offenbar soll die Studie weitergeführt werden, möglicherweise werden die Ergebnisse einen Zusammenhang zur Muttersohn-Problematik aufzeigen.


Vor kurzem fand sich in der Süddeutschen ein Artikel über Mobbing-Opfer. In einer Studie wurden die psychologischen Voraussetzungen untersucht, unter denen Mobbingopfer gerägt wurden:

Ein besonders strenges Elternhaus schaffte laut den Daten der Psychologen keine guten Voraussetzungen, damit Kinder auf dem Schulhof bestehen. Kinder mit autoritären Eltern oder solche, die zu Hause viel negatives Feedback erhalten, zeigten ein leicht erhöhtes Risiko, Opfer von Mobbing zu werden.
Ein ähnlich erhöhtes Risiko hatten die Kinder besonders behütender Eltern – ein überraschender Befund, wie Wolke findet. Kinder aus einem besonders warmen Nest fehle womöglich das Rüstzeug, um mit den Schulhoftätern zurechtzukommen, sagt der Psychologe. Wer seine Kinder von allen negativen Erfahrungen fernhalte, mache sie dadurch mutmaßlich auch besonders verletzlich, so Wolke.

Das ist maßgeblich eine Erfahrung, die Muttersöhne machen – sich wehren zu lernen gegen Angriffe ist ihnen kaum möglich, da sie immer auf die Rettung durch die Mutter hoffen, die dem Kind die Hilfe stets aufdrängt, um sich selbst wertvoll zu fühlen. Entsprechend können betroffene Kinder nicht damit umgehen, wenn Gleichaltrige sie psychisch drangsalieren. In ähnlicher Form sind sie das ja bereits gewohnt und hoffen darauf, geliebt zu werden, wenn sie nett bleiben und sich unterordnen.

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